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Rostock Rostock: Marode Gehwege bringen Senioren auf die Palme
Mecklenburg Rostock Rostock: Marode Gehwege bringen Senioren auf die Palme
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22:53 13.03.2019
Kaputte, lose oder fehlende Gehwegplatten will der Lütten Kleiner Seniorenbeirat nicht mehr länger hinnehmen. Zusammen mit Stadtteil-Koordinatorin Anke Bülow (hinten links) setzen sich Uschi Hasselberg, Karl-Heinz Schöbe, Helga Voß, Brigitta Winnig, Marlis Petschow, Peter Pietsch und Rolf Ritter (von links) dafür ein, dass die Stadt endlich etwas dagegen tut. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Viele Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte aller Fachrichtungen, dazu eine gute Anbindung an den Nahverkehr: Der Stadtteil Lütten Klein ist bei älteren Rostockern ein beliebtes Viertel und hat deshalb die meisten Bewohner über 65 Jahre. Dennoch gibt es Senioren, die sich kaum noch vor die Tür trauen. „Und das liegt daran, dass die Gehwege so schlecht sind. Vor allem für Menschen mit Rollator oder Rollstuhl wird jeder Weg zum Hindernislauf“, sagt Anke Bülow, die sich als Stadtteilkoordinatorin auch um die Belange der Älteren kümmert. Der Seniorenbeirat des Viertels hat sich deshalb bereits vor zwei Jahren aufgemacht und eine Liste aller Stolperfallen zusammengestellt, die dann an die Stadt geschickt wurde. „Es sind zwar mittlerweile einige Punkte davon abgearbeitet, aber an vielen zentralen Stellen ist der Zustand der Gehwege immer noch miserabel“, sagt Bülow.

Gehwege Helsinkier Straße haben im Stadtteil Priorität

Das letzte Schreiben, das die Gruppe jetzt von Bausenator Holger Matthäus (Grüne) erhalten hat, sorgt bei den Senioren für Unmut. Darin steht zwar, dass die Helsinkier Straße bereits in die Liste der grundhaft zu sanierenden Gehwege aufgenommen wurde. Für die zahlreichen anderen schlechten Bürgersteige der Stadt, zum Beispiel den in der Osloer Straße, fehlen Matthäus zufolge aber die finanziellen Mittel.

In der Helsinkier Straße warnt ein Schild vor den schlechten Gehwegen. Die sollen nun bald ausgebessert werden. Quelle: Claudia Labude-Gericke

„Für so vieles ist Geld da, Stichwort Bundesgartenschau, aber für diese dringenden Maßnahmen soll keins mehr übrig sein?“, wundert sich nicht nur Anke Bülow. „Uns ist ja klar, dass nicht alles auf einmal behoben werden kann, aber man könnte doch jährlich die Stadtteile wechseln, in denen etwas getan wird“, schlägt Uschi Hasselberg vor. „Ein schlimmer Umstand ist jedenfalls besser zu ertragen, wenn man weiß, wann er beendet wird“, ergänzt Peter Pietsch.

Verantwortliche für die Mängel bleiben unklar

Und dass es im Viertel schlimm ist, daran lassen die Aufzeichnungen des Seniorenbeirates keine Zweifel. In der Binzer Straße wechseln sich auf der Seite gegenüber dem Seniorenheim zum Beispiel lose Gehwegplatten mit fehlenden ab, dazu kommen ständig wechselnde Höhenunterschiede. „Die Senioren haben schon nur ein recht kleines Umfeld, aber wenn sie nicht einmal das gut nutzen können, dann ist das schon mehr als traurig“, sagt Peter Pietsch, der auch die fehlenden sowie zu hohen Bordsteinabsenkungen bemängelt.

In der Binzer Straße, wo sich auch ein Altersheim befindet, können Senioren kaum gefahrlos die Bürgersteige nutzen. Vor allem mit Rollator oder Rollstuhl gibt es Probleme. Quelle: Claudia Labude-Gericke

„Was uns auch stört, ist, dass in der Antwort von der Stadt ganz oft steht, dass sie für einige der Mängel nicht zuständig wären“, erzählt Brigitta Winnig: „Aber das war es dann auch. Kein Verweis dazu, wer es denn ist – und woher sollen wir das wissen?“ Die Mitglieder des Seniorenbeirates würden sich deshalb nicht nur konkretere Hinweise und mehr Beachtung wünschen, sondern auch, dass jemand aus der Verwaltung mal vor Ort vorbeikommen und die Zustände gemeinsam mit ihnen in Augenschein nehmen würde. „Wir wollen ja nicht nur mäkeln, sondern mit unseren Hinweisen die Stadt unterstützen“, sagt Anke Bülow. Doch auf ihre Briefe folgen nur schriftliche Antworten, zwei Einladungen nach Lütten Klein wurden bisher ignoriert.

Flickschusterei macht marode Gehwege nur schlimmer

„Weitere Flickschusterei so wie bisher hilft uns nicht, im Gegenteil“, sagt Lütten Kleins Ortsbeiratsvorsitzende Gabriele Bolz (CDU). Das Stadtteil-Gremium unterstützt das Engagement der Senioren und hofft, dass dieses nicht umsonst war. „Es kann nicht sein, dass wir immer mit dem Argument vertröstet werden, es sei kein Geld im Haushalt da“, so Bolz. „Je länger man wartet, desto schneller werden aus kleinen Projekten auch teurere große und die Zustände teilweise lebensbedrohlich“, sagt sie.

Holger Matthäus verweist auf regelmäßige Kontrollen durch das Amt für Verkehrsanlagen. Dabei würden Schadstellen erfasst und deren Reparatur beauftragt. Das Amt würde im Rahmen des Zumutbaren alles tun, um die Verkehrsanlagen in einem für alle gefahrlosen Zustand zu halten, so der Senator.

Claudia Labude-Gericke

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