Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Neuer Ortsbeirat: Die „jungen Freundlichen“ wollen die Rostocker KTV umkrempeln
Mecklenburg Rostock Neuer Ortsbeirat: Die „jungen Freundlichen“ wollen die Rostocker KTV umkrempeln
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:49 04.12.2019
Felix Winter ist Vorsitzender des Ortsbeirats der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV). Quelle: Ove Arscholl
Anzeige
Rostock

Zum Interview mit der OZ kommt Felix Winter mit dem Fahrrad. Ein Auto hat der 38-Jährige auch gar nicht. „Wenn ich doch mal eins brauche, nehme ich einen Mietwagen. Das kostet richtig Geld, da ist die Versuchung nicht so groß“, erklärt er.

Damit ist das Gespräch schon beim wichtigsten Punkt auf der Agenda des neuen Grünen Ortsbeiratsvorsitzenden der Kröpeliner-Tor-Vorstadt angekommen: „Der Verkehr ist für die KTV das bestimmende Thema“, meint Winter. „Es gibt viel zu viele Autos in unserem Stadtteil.“

Grünflächen statt Parkplätzen

Und das würde er am liebsten ändern. Denn der Platz in Rostocks Szene-Viertel ist begrenzt. „Es gibt eine starke Flächenkonkurrenz. Wenn jeder auf sein Recht pocht, direkt vor der Haustür zu parken, klappt das nicht. Denn dann haben wir bald nur noch Parkplätze und keine Grünflächen mehr.“ Schon jetzt seien die Straßen gefährlich verstopft, meint Winter: „Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht zur Schule laufen, weil die Kreuzungen so zugeparkt sind, dass sie nicht mehr einsehbar sind.“

Winters Lösung für dieses Dilemma heißt Verzicht: „Es wäre gut, wenn die Leute nur noch Auto fahren würden, wenn sie wirklich müssen.“ Wer nicht fährt, könne sein Auto im Parkhaus parken – was in der KTV noch nicht möglich sei. „Oder man stellt fest, dass es auch ohne geht – und schafft es ganz ab.“ Denn in der zentral gelegenen KTV brauche man im Alltag eigentlich kein Auto, findet der Grüne.

Bessere Radverbindungen

Er selbst nutzt für größere Einkäufe einen Fahrradanhänger. „Radfahren macht keinen Lärm, verursacht keine Abgase und hält gesund“, rät er. Innerhalb der KTV klappe es auch ganz gut mit dem Rad, aber wer in andere Viertel wolle, stoße schnell an Grenzen, klagt Winter. „Man muss Radverbindungen auch länger, als nur bis zum Ende einer Straße, denken.“ Als Beispiel nennt er den Doberaner Platz. „Wenn ich mit dem Rad von der Doberaner Straße komme, geht es einfach nicht weiter.“

Auch die S-Bahn-Trasse sei für Radler bislang ein unüberwindliches Hindernis. Hier setzt der Grüne große Hoffnungen auf die geplante Brücke zwischen dem Groten Pohl und dem Lindenpark. „Wenn ich Leute zum Radfahren bringen will, muss ich auch funktionierende Verbindungen schaffen“, meint Winter.

Weiter wohnen und arbeiten in der KTV

Ein weiterer Schwerpunkt, der dem frisch ernannten Ortsbeiratsvorsitzenden auf den Nägeln brennt, ist der Bereich Bauen und Wohnen. Ein großes Problem sei, dass immer mehr Gewerbeflächen in Wohnraum umgewandelt werden. Jüngstes Beispiel ist ein Autohaus am Warnowufer, auf dessen Fläche nun Wohnungen gebaut werden sollen. „Die KTV soll ihren Charakter als Viertel, in dem man leben und arbeiten kann, behalten“, wünscht sich Winter.

Das habe wiederum auch mit dem Verkehrs- und Parkproblem zu tun: „Wenn keiner mehr hier arbeitet, müssen alle zur Arbeit pendeln. Das bedeutet mehr Autos, mehr Verkehr und mehr Parkplatzbedarf.“

Der Ton macht die Musik

Dass er im Ortsbeirat nicht alle Ziele umsetzen kann, ist Winter klar, ist doch die politische Macht des Gremiums sehr begrenzt. Die eigentlichen Entscheidungen fallen in der Bürgerschaft, in der Winter ebenfalls sitzt. Allerdings lasse sich mit ein wenig Diplomatie vielleicht doch einiges erreichen, glaubt er. „Wir haben in den letzten Jahren viele Initiativen im Ortsbeirat gestartet, aber nicht alle waren erfolgreich – auch wegen des Tons, in dem sie bei der Bürgerschaft vorgebracht wurden.“

Er möchte daher einen anderen Ton anschlagen. „Mein Ziel ist es, eine positive, konstruktive Stimmung zu schaffen. Ich hoffe, dass wir so mit unseren berechtigten Anliegen auf mehr Gehör stoßen.“ Dabei setzt er auch auf die anderen neuen und jungen Mitstreiter im Ortsbeirat, wie seine Stellvertreter, Andreas Szabo für die FDP und Julia Richter von der Linken. Gemeinsam seien sie nicht etwa die „jungen Wilden“, sondern die „jungen Freundlichen“, verspricht Winter.

Lesen Sie auch:

Von Axel Büssem

Was die US-Rockabilly-Szene mit historischen Warnemünder Trachten zu tun hat? Designerin Ann Kruth schneidert seit einem Jahr in Warnemünde Trachten und historische Gewänder und lässt sich dabei vielfältig inspirieren.

04.12.2019

Der Kreistag hat beschlossen, die Hälfte der Kita-Beiträge im Dezember zu übernehmen. Auch genehmigen sich die Kommunalpolitiker selbst eine höhere Aufwandsentschädigung. Die Landratswahl findet im September 2020 statt.

05.12.2019

2019 war kein gutes Jahr für den Flughafen Rostock-Laage. Die Passagierzahlen sind eingebrochen. Nun plant Airport-Chefin Hausmann die Zukunft. Sie setzt auf eine neue Flugzeug-Werft, will Alternative für den BER sein und lockt Technologie-Firmen.

04.12.2019