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Rostock Anwohner fürchten Parkplatzmangel in Rostocks Fritz-Reuter-Straße: „Es fehlt an Alternativen“
Mecklenburg Rostock

Rostock: Weniger Parkplätze nach Sanierung von Fritz-Reuter-Straße - Anwohner verärgert

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09:03 20.12.2021
So könnte die Fritz-Reuter-Straße in der Rostocker KTV in Zukunft aussehen – mit mehr Platz für die Nutzer, aber weniger Stellflächen.
So könnte die Fritz-Reuter-Straße in der Rostocker KTV in Zukunft aussehen – mit mehr Platz für die Nutzer, aber weniger Stellflächen. Quelle: Amt für Mobilität Rostock
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Rostock

Schluss mit wildem Parken, mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer, dazu viel Grün und Bänke: In der Fritz-Reuter-Straße hat die Hansestadt viel vor. Ab Mai soll die Pflasterpiste in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) in drei Abschnitten bis 2024 saniert werden. Anlass der Maßnahme sind vor allem die in die Jahre gekommenen und zu kleinen Versorgungsleitungen im Untergrund.

Weil unter anderem Nordwasser in die Tiefe muss, um große Rohre zur besseren Entwässerung zwischen Parkstraße und Warnow einzubringen, haben die Ämter die Chance, die Straße auch oberirdisch umzugestalten. Das Ziel: Mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer, aber auch Aufenthaltsqualität für die Nutzer zu erreichen.

Start mit Vollsperrung ab Mai 2022

Und bei diesem Prozess sollen die Anwohner und Nachbarn mitgenommen werden. Über den Stand der Planungen konnten sich Interessierte jetzt in einem digitalen Bürgerforum informieren. Dabei wurden Bilder gezeigt, Fragen beantwortet und Anregungen aufgenommen. Zwei Dinge sorgten am Ende aber viele der Teilnehmer: Der Umgang mit dem Baumbestand und der geplante Wegfall von 100 Parkplätzen.

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„Dass die Straße saniert werden muss, steht außer Frage“, sagt Maximilian Voß. Aber er sei beruflich bedingt auf ein Auto angewiesen, käme auch immer erst spät nach Hause. „Schon jetzt ist es fast unmöglich, dann im Viertel noch einen Parkplatz zu finden. Selbst wenn man bereit ist, ein ganzes Stück zu laufen“, so der Anwohner. Diese Probleme dürften sich ab Mai 2022 verschlimmern. Denn dann startet die Sanierung des ersten Bauabschnitts der Fritz-Reuter-Straße. Dafür wird der etwa 170 Meter lange Bereich zwischen Doberaner Straße und Borwinstraße nicht nur mindestens ein Jahr lang voll gesperrt – auch die Parkplätze fallen weg.

„Was mich stört – und was bei dem Bürgerforum noch einmal deutlich wurde – sind die fehlenden Alternativen“, sagt Maximilian Voß. Alle Beteiligten mussten nämlich zugeben, dass es für den akuten Wegfall von Stellflächen auf längere Sicht keinen Ersatz gibt. „Wir wissen, dass dort, wo wir Parkplätze wegnehmen, auch Ersatz geschaffen werden muss. Derzeit werden noch Möglichkeiten wie eine Parkpalette oder unterirdische Stellflächen geprüft, vor allem auf dem Ulmenmarkt oder gegenüber der Polizei an der S-Bahn“, erklärt Grünamtsleiterin Ute Fischer-Gäde. „Aber bis das – wenn überhaupt – realisiert wird, werden wir enorme Probleme bekommen“, sagt Anwohner Torsten Morwinsky.

Auch er sieht die Notwendigkeit der Straßensanierung, kritisiert aber „die Kurzsichtigkeit der Planungen. Innerhalb von kurzer Zeit sind in einem stark bewohnten Bereich der KTV durch Baumaßnahmen rund 500 Parkplätze weggefallen – in der Ulmenstraße, auf dem Uni-Campus und nun in der Fritz-Reuter-Straße. Und das alles, ohne Ersatz zu schaffen. Es ist der blanke Hohn“, kritisiert Morwinsky.

Bei aller Einsicht, dass ein Parkplatz vor der Haustür Luxus und keine Garantie wäre und dass sich auch Mobilität im Wandel befindet – „Aber wie soll das gehen? Die Probleme ziehen sich durch das ganze Viertel und verschärfen sich mit dieser Maßnahme noch mal“. Da helfe es auch nicht, dass beispielsweise in der Fritz-Reuter-Straße große Fahrradstellflächen im öffentlichen Raum geschaffen werden.

Einbahnstraße und Tempo 30 bleiben

Generell wird die Fritz-Reuter-Straße auch nach der Umgestaltung eine Einbahnstraße mit Tempo 30 bleiben. Ob die entstandenen Parkplätze für Bewohnerparken ausgewiesen werden, wurde beim Bürgerdialog diskutiert und soll geprüft werden. Die Oberfläche der Straße wird statt aus Granitpflaster künftig aus Asphalt bestehen, um Radfahrer zur korrekten Nutzung der Fahrbahn zu animieren. Derzeit würden viele nämlich aufgrund des Pflasters lieber den Bürgersteig nutzen, hatten die Planer beobachtet. An den Rändern der Straße sollen sich künftig Parkplätze und Bäume abwechseln.

Letztere werden neu gepflanzt. Denn alles, was derzeit in der Straße grünt und blüht, muss entfernt werden. Etwa 26 der insgesamt 115 Bäume seien bereits so geschädigt, dass sie gefällt werden müssten, was schon genehmigt wurde. „Für den Rest haben wir uns ein Novum überlegt und nehmen dafür auch viel Geld in die Hand“, so Grünamts-Chefin Ute Fischer-Gäde: So würden die Bäume aufwendig umgepflanzt, sollen künftig in einem Park in der Südstadt ein neues Zuhause finden. In der Fritz-Reuter-Straße würden am Ende der Sanierungsmaßnahme 73 Bäume neu gepflanzt.

Schon im Januar soll mit dem Umzug der Bäume begonnen werden. Interessierte sind dann auch zu Vor-Ort-Terminen eingeladen, um sich von den Maßnahmen zu überzeugen. Weiter Fragen, Probleme und Anregungen sollen zudem bei Aktionen wie Spaziergängen oder über die eigens geschaffene Internetseite www.fritz-schafft-platz.de ausgetauscht werden.

Von Claudia Labude-Gericke