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Mecklenburg Rostock Rostock bekommt größte Container-Lagerhalle Deutschlands
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18:58 26.10.2019
Bauherr Peter Suhrbier vor dem Fundament, wo Ende des Jahres die 23 Meter hohe Container-Lagerhalle stehen soll. Quelle: Klaus Amberger
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Rostock

Es wird die größte und modernste Container-Lagerhalle in Deutschland. Doch noch sieht die Baustelle am Rande des Rostocker Stadtteils Toitenwinkel eher unspektakulär aus. Ein Betonmischer hat gerade seine Last in einen Teil des Fundaments der künftigen Halle gepumpt. Peter Suhrbier sieht zufrieden aus.

Der Inhaber der bekannten internationalen Möbelspedition „Die 3 Umzüge – Container-Lagerung“ steht auf dem Dach seines Geschäftshauses und blickt auf die Arbeiter, die gleich neben seinem Haus die Bewehrung fürs Fundament legen. „Die Halle wird neun Etagen hoch werden und von der Autobahn aus zu sehen sein“, sagt der 63-jährige Unternehmer. 23 Meter ragt das neue Gebäude nach Fertigstellung in die Höhe, das auf einer Fläche von 30 mal 28 Metern steht. „Wir sind mit der Halle höher als das Möbelhaus Höffner in Rostock-Bentwisch oder das Einrichtungshaus Ikea in Rostock-Schutow“, vermutet Suhrbier. Höffner ist in der Tat „nur“ knappe 20 Meter hoch, Ikea bringt es auf 11,5 Meter.

Maßstabsgetreues Modell der Container-Lagerhalle. Quelle: Klaus Amberger

Die Gesamtinvestition von Peter Suhrbier beträgt für sein Projekt 2,3 Millionen Euro. Für die Lagerhalle gründete er extra eine Firma: die Container Safe GmbH. Die Internet-Adresse wird in Leuchtschrift zu sehen sein: „container-safe.de“. Vier Jahre Planungen liegen hinter dem Rostocker. „Vor zehn Jahren hatte ich schon die Idee dazu“, berichtet der Firmenchef.

Konkurrenzlose Effizienz

Hauptvorteil der Containerlösung ist Effizienz. Statt in einen Möbelwagen kann nun zum Beispiel der Hausstand in einem Container eingelagert werden. Ein Kran hebt den Container dann auf einen Lkw, der sie dann ins neue Lager fährt. Nun muss der Container nicht mehr, wie sonst der Möbelwagen, ausgeladen werden. Stattdessen wird der Container so lange in der voll automatisierten Halle gelagert, bis er wieder irgendwohin gefahren wird, wo er ausgeladen werden kann. Oder er bleibt eben im Lager. „Dieses System ist hierzulande derzeit noch konkurrenzlos“, sagt Suhrbier. Weil das Aus- und Wiedereinladen entfallen, spare ihm die Containerlösung gut acht Stunden Arbeitszeit.

Diskretion und Sicherheit

Das Hauptaugenmerk des Geschäftsführers liegt nach wie vor auf der Lagerung von Archiven. Welche zum Beispiel? „Archive etwa von Behörden, Verwaltungen, Sportvereinen, Institutionen.“ Genaueres ist nicht zu erfahren. Suhrbier bleibt diskret. „Aber alles andere kann ebenso in Containern gelagert werden: Wohnungseinrichtungen, Antiquitäten, Oldtimer – nur nichts Brennbares oder Sprengstoffe und so weiter, da gibt es klare Vorschriften.“

Die Halle muss gewisse Bedingungen erfüllen, damit der Inhalt der Container nicht zerstört wird. „In dem Gebäude herrscht ein konstantes Klima, die Luftfeuchtigkeit liegt bei unter 60 Prozent.“ Doch könnten die Container nicht auch im Freien gelagert werden? Suhrbier sagt: „Dann wäre der Inhalt sehr schnell kaputt, weil die Container ‚schwitzen‘.“ Ein Wetterschutz sei notwendig, weil die Containerinhalte oft sensible Materialien beinhalten wie etwa Papier. „Archive müssen bis zu 55 Jahre gelagert werden – das muss halten und sicher sein.“ Und bewacht werden.

Zugang rund um die Uhr

Ein Sicherheitsdienst wird rund um die Uhr vor Ort sein. Kunden könnten jederzeit Zugang zu ihren Containern erhalten. Dafür hat sich Suhrbier einen besonderen Service ausgedacht: Nach Eingabe der Container-Kennzeichnung sucht der computergesteuerte Kran den betreffenden Container raus und stellt ihn mit geöffneten Türen bündig an eine Öffnung. Dahinter befindet sich ein Raum mit Schreibtisch und Stühlen. „So kann man den Container betreten und sich beispielsweise Akten heraussuchen und in dem kleinen Büro für einige Zeit damit arbeiten“, erläutert Suhrbier.

30 Kubikmeter Volumen fassen die Container. „Da passt locker eine Zwei- bis Dreiraumwohnung hinein“, weiß der Fachmann. Er hat bereits seit zehn Jahren Erfahrung mit dieser Art der Lagerung, betreibt schon eine kleinere Halle in Rostock mit Container-Lagerung. Dazu lässt Suhrbier See- zu Möbel-Containern herrichten, mit glatten Holzböden und speziellen Belüftungsöffnungen. 100 Container hat er bereits, 200 passen in die neue Halle hinein. „Bestellt habe ich die Container in China.“

Suhrbier ist kein Unbekannter in der Branche. Er beschäftigt an Standorten in ganz MV 120 Leute. Er ist verantwortlich für Umzüge von der Einraumwohnung bis zu ganzen Krankenhäusern.

Bald auch in Stralsund und Wismar

Neun Etagen hoch wird die Halle sein. Sieben Container stapelt der computergesteuerte Kran nach dem Prinzip der sogenannten chaotischen Lagerung übereinander. Mehr „Blechbüchsen“ übereinander lässt die Statik der Container nicht zu. „Es gibt in Deutschland noch kein Lager, das so hoch stapeln kann“, sagt Suhrbier. Bundesweit gibt es bislang 14 solcher Lager, die meisten seien etwa drei Stockwerke hoch, sagt der Geschäftsmann.

Suhrbier schaut immer noch auf seine Baustelle. „Mein Weihnachtswunsch ist, dass die Halle am Ende des Jahres steht“, sagt er. Mal sehen. Er plant aber noch weiter. „Ich möchte noch in Stralsund und Wismar solche Lager aufbauen.“ Doch jetzt rollt erst einmal der nächste Betonmischer um die Ecke. Damit das Fundament in den kommenden Tagen fertig wird.

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Von Klaus Amberger

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