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Rostock Rostock errichtet Kontrollpunkt für mobile Navigation
Mecklenburg Rostock Rostock errichtet Kontrollpunkt für mobile Navigation
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16:09 09.05.2019
Rektor Wolfgang Schareck (v. r.), Ralf Bill, Professor für Geodäsie und Geoinformatik, und Wolfgang Isbarn, Behördenleiter im Landesamt für Innere Verwaltung, präsentieren den neuen Messpunkt für mobile Navigation in der Rostocker Innenstadt.
Rektor Wolfgang Schareck (v. r.), Ralf Bill, Professor für Geodäsie und Geoinformatik, und Wolfgang Isbarn, Behördenleiter im Landesamt für Innere Verwaltung, präsentieren den neuen Messpunkt für mobile Navigation in der Rostocker Innenstadt. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Auf den Zentimeter genau können Rostocker jetzt ihre Position bestimmen – zumindest in der Innenstadt. Dort errichtete das Landesamt für innere Verwaltung auf dem Universitätsplatz einen Kontrollpunkt für mobile Navigation. Dafür wurde an einem Stein vorm Rostocker Hof eine Hinweistafel mit exakten Daten des Standortes angebracht. Darunter: Breiten- und Längengrade, Höhenlage und UTM-Koordinaten. Im April berechnete das Amt die nötigen Informationen dafür.

Daten aus aller Welt

Nutzer von Navigationsgeräten, wie Smartphones, können ihr Gerät auf den Punkt legen und vergleichen, wie weit das eigene System von den angegeben Werten auf der Tafel abweicht. „Wir haben die Messmarke dieses Punktes genau bestimmt, genauer geht es eigentlich nicht“, betont Jörg Rubach, Dezernatsleiter beim Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen bei der Einweihung des Punktes. Die Werte seien auf ein bis zwei Zentimeter exakt berechnet, heißt es. Zum Vergleich: herkömmliche Navigationssysteme haben meist eine Abweichung von drei bis 20 Metern.

Die Berechnungen kommen aus 18 Messtationen in M-V, die Daten von rund 30 Satelliten über Europa empfangen – aus ihnen besteht das europäische Navigationssystem Galileo. Auch aus dem amerikanischen Satellitensystem GPS, dem russischen GLONASS und dem chinesischen Beidou kamen Informationen. Gemeinsam bilden sie ein sogenanntes GNNS, ein globales Navigationssatellitensystem. Für die Berechnungen brauche es nur vier Satelliten, jedoch würde sich die benötigte Zeit stark erhöhen. Dezernatsleiter Jörg Rubach sagt: „Durch die hohe Anzahl können wir schon in 15 bis 30 Sekunden ein Ergebnis erzielen.“

Die Schweriner Zentrale des Vermessungsamtes ist durch Standleitungen direkt mit den Stationen in M-V verbunden. „Wir bekommen jede Sekunde alle Satellitendaten, die dort empfangen werden“, erzählt Vermessungsingenieur Markus Krenzien.

Rektor Wolfgang Schareck lässt sich von Vermessungsingenieur Markus Krenzien (r.) die Messantenne zeigen. Quelle: OVE ARSCHOLL

Aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken

Mit der Errichtung des Kontrollpunktes wolle die Behörde auf die Arbeit aufmerksam machen, die hinter der alltäglichen Nutzung von Navigationsdaten steckt, sagt Jan Wehnert, Leiter des Katasteramtes. „Die Vermessungsverwaltung bietet neben Basisinformationen, wie Koordinaten, eine Vielzahl anderer Fachdaten mit Ortsbezug an.“

Wolfgang Isbarn, Direktor des Landesamtes für Innere Verwaltung betont: „Heute brauchen wir alle mobile Navigation. Unsere Autos fahren damit, in der Freizeit wird es genutzt.“ Auch den Weg zur Einweihung des Kontrollpunktes hätte er ohne Handy wohl nicht gefunden, scherzte er.

Uni-Rektor Wolfgang Schareck erklärte die Relevanz von Navigationsdaten in der Forschung: „Wir haben Digitalisierung in allen Bereichen der Lehre, und der Forschung. Wenn wir beispielsweise die Küstendynamik in der Ostsee untersuchen wollen, brauchen wir GPS dazu.“

Weitere Kontrollpunkte in M-V geplant

Bisher stehen vier derartige Punkte in M-V – zwei in Schwerin, einer in Wismar und einer in Rostock. Jörg Rubach hat ein Ziel vor Augen: „Wir wollen zukünftig in jedem Landkreis und jeder kreisfreien Stadt so einen Kontrollpunkt anlegen.“ Bundesweit sei so etwas viel weiter verbreitet als in M-V, so Rubach. „In Bayern gibt es in jedem Landkreis schon so eine Station.“ Aktuell befinde sich die Behörde im Gespräch mit Vertretern aus Neubrandenburg, wo ein weiterer Kontrollpunkt bei der örtlichen Hochschule geplant ist.

Der Standort in Rostock sei gewählt worden, weil er zentral liege und viele Menschen daran vorbeigehen würden, sagt Katasteramtsleiter Jan Wehnert. „Die Anforderung, die Öffentlichkeit zu erreichen, ist hier gegeben - Auch weil viele Touristen hier unterwegs sind.“ Zudem sei die freie Fläche für die „Satellitensichtbarkeit“ sinnvoll gewesen. „Ein Platz unter einem Baum hätte nicht funktioniert.“

Anh Tran