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Rostock Rostock fährt in die Zukunft
Mecklenburg Rostock Rostock fährt in die Zukunft
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00:00 06.04.2018
Die ersten Tests laufen bereits: Ein Mitarbeiter von Bosch ist auf einer Autobahn in Baden-Württemberg in einem Prototypen unterwegs (Symbolbild) Quelle: Foto: Daniel Naupold/dpa
Stadtmitte/Laage

Pendeln auf den Straßen in der Hansestadt und im Landkreis bald Busse ohne Fahrer? Parken Autos nachts künftig auf riesigen Stellplätzen außerhalb und fahren morgens ganz allein und pünktlich wieder vor der Haustür vor? Die Region Rostock soll zur Modellregion für das so genannte „autonome Fahren“ werden – für Fahrzeuge, die von allein fahren.

„„Die Region Rostock ist aus unserer Sicht für Modellprojekte zum automatisierten oder autonomen Fahren ideal.“Thomas Höppner Verkehrsexperte IHK Rostock
„„Automatisierte Umschlag- vorgänge von Trailern sind prinzipiell auch in Rostock denkbar. Konkretes gibt es aber noch nocht.“ Christian Hardt Sprecher Rostock Port
„„Warum holen wir die Unternehmen nicht zu uns, warum entwickeln wir die Software nicht an der Küste – in einer Modellregion?“ Peter Stein Bundestagsabgeordneter (CDU)
„„Automatisierte Fahrsysteme können dazu beitragen, Unfälle zu verhindern und deren Folgen zu mindern. Sie retten Leben.“Hans-Joachim Hacker Präsident Landesverkehrswacht

Das jedenfalls fordern der Bundestagsabgeordnete Peter Stein (CDU) und die Landesverkehrswacht. „Selbstfahrende Autos, Busse und Lastwagen sind die Zukunft. Wenn unsere Region dabei zum Vorreiter wird, bringt uns das wirtschaftlich und technologisch ganz weit voran“, so Stein. Der Vorschlag ist längst mehr als eine Utopie: Der Seehafen Rostock, der Flughafen Rostock-Laage und auch die Industrie- und Handelskammer arbeiten bereits an konkreten Projekten.

Noch sind die USA Vorreiter

Was Fahrzeuge angeht, in denen der Mensch nur noch „Fahrgast“ ist und die komplett von Sensoren und Computern gesteuert werden, sind die USA bislang Vorreiter: Die großen Technologie-Konzerne wie Google oder Tesla testen bereits fahrerlose Autos auf den Straßen. Auch die deutschen Autobauer wie BMW oder VW haben erste Prototypen entwickelt. „Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag festgelegt, dass auch Deutschland in die Entwicklung dieser Technik investieren muss“, sagt Stein. „Aber warum sollen die Mittel nach München, nach Stuttgart oder sonst wohin fließen? Warum holen wir die Unternehmen nicht zu uns, warum entwickeln wir die Software nicht an der Küste – in einer Modellregion?“

Dass MV sich als Testregion anbiete, hat vor einigen Monaten bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Gespräch gebracht. „Die Region Rostock ist aus unserer Sicht für Modellprojekte zum automatisierten oder autonomen Fahren ideal. Die Hansestadt und der Landkreis Rostock bieten unterschiedliche Testfelder, wie verdichtete Räume, ländlich geprägte Bereiche. Schwerpunkte wie Hafen oder Flughafen könnten bei der Entwicklung und Erprobung vorn mit dabei sein“, sagt auch Thomas Höppner, Verkehrsexperte der IHK. „Gerade für den Nahverkehr bietet sich die Chance, bestehende Angebote zu verknüpfen und neue zu ergänzen.“

Stein: Logistik-Branche könnte den Anfang machen

Aus Sicht des Bundestagsabgeordneten Stein werden selbstfahrende Autos für Privatpersonen schon in zehn Jahren Alltag auf den Straßen sein. In der Wirtschaft werde die Technologie früher Einzug halten: Im Speditionsgewerbe gäbe es schon jetzt personelle Nöte. „Es fehlt gut ein Drittel der benötigten Fahrer“, so Stein. Die Branche werde den Anfang machen: „Lastwagen könnten problemlos ohne Fahrer an Bord von A nach B fahren.“ In Rostock könnte er sich zwei Vorreiter-Projekte vorstellen: „Warum testen wir nicht im Seehafen autonome Busse? Die könnten vollautomatisch zwischen dem Terminal und den Fähren pendeln.“ Ebenso denkbar sei für Stein, ein automatisierter Pendelverkehr zwischen Rostock und dem Flughafen Laage.

Genau daran arbeitet der Airport bereits: „Wir sind bereits seit Dezember mit einem Unternehmen für Mobilitätslösungen aus Frankfurt am Main in Kontakt“, bestätigt Flughafen-Chefin Dörthe Hausmann. „Es geht darum, den Flughafen noch besser anzubinden. Das geht allerdings nicht im Alleingang, muss mit dem Landkreis, der Hansestadt und den Verkehrsgesellschaften abgestimmt sein.“ Auch Rostock Port hat das Thema auf der Agenda: „Wir beschäftigen uns beim Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) in einem Arbeitskreis mit diesem Thema. Automatisierte Umschlagvorgänge von Trailern sind prinzipiell auch in Rostock denkbar“, so Hafen-Sprecher Christian Hardt.

Verkehrswacht will Unfallzahlen senken

Für die Landesverkehrswacht steht nicht der wirtschaftliche Aspekt im Vordergrund: „Die Blechlawinen in den Städten sind anders nicht mehr beherrschbar“, sagte Präsident Hans-Joachim Hacker gestern am Rande einer Experten- Tagung in Rostock. 100 Fachleute aus ganz Deutschland – Entwickler, Juristen und auch Psychologen – diskutierten in der Hansemesse über die neue Technik.

„Automatisierte Fahrsysteme können dazu beitragen, Unfälle zu verhindern und deren Folgen zu mindern.“ Bundesweit sterben jährlich mehr als 3000 Menschen bei Unfällen. Für 90 Prozent aller Verkehrsunfälle wird menschliches Fehlverhalten verantwortlich gemacht.

Martin Röhrleef, Innovationsmanager bei den Hannoveraner Verkehrsbetrieben Üstra, nennt noch ein Argument: Autonome System könnten helfen, Menschen auch in abgelegenen ländlichen Gegenden mobiler zu machen. „In Gegenden, in denen heute kein Bus mehr fährt, könnten autonome System zum Einsatz kommen. Ein Anruf und wenige Minuten später fährt der Bus vor.“ In den Städten könnte die Technik eine Alternative zum eigenen Auto werden: „Sie brauchen keinen Wagen mehr. Sie rufen eine Zentrale an, mieten ein Fahrzeug und das holt sie dann an der Haustür ab.“

Andreas Meyer

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