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Rostock 7000 Rostocker feiern beim CSD die Vielfalt
Mecklenburg Rostock 7000 Rostocker feiern beim CSD die Vielfalt
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18:13 21.07.2019
Tatjana eröffnete am Samstag den CSD auf dem Neuen Markt. Quelle: Frank Hormann
Rostock

Der Himmel über dem Rostocker Rathaus war am Samstag strahlend blau – und der Neue Markt voller Regenbogen: Geschminkt in Gesichtern, auf Ansteckern oder Fahnen stand der für die Gemeinde von homo- und bisexuellen oder Trans-Menschen als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz. Tausende waren am Sonnabend gekommen, um gemeinsam den Christopher Street Day (CSD) zu feiern.

Rostocker ist offen und tolerant

Unter ihnen auch Birte Ida aus Grabow. „Ich bin hier, um den Menschen zu zeigen, wofür wir uns einsetzen: Dafür, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben“, sagte die 16-Jährige. „Beim CSD können wir gemeinsam zeigen, dass wir da sind – und dass wir viele sind“, so Dragqueen Linda Neutral. Die Rostockerin lobte ihre Heimatstadt, die in Sachen Offenheit und Toleranz schon „auf einem guten Weg ist und Vorreiter für andere Städte sein könnte“. Sie selbst sei seit Oktober des vergangenen Jahres verheiratet und froh, dass die Ehe für Alle mittlerweile selbstverständlich ist.

Bildergalerie: So bunt feiert Rostock den CSD

Partystimmung in der Rostocker Innenstadt: Tausende Teilnehmer haben am Samstag den Christopher Street Day (CSD) gefeiert.

Aus Bremen waren Maxi und Filly nach Rostock gekommen. Die beiden Dragqueens waren ganz in schwarz gekleidet und mit ihren Netzstrumpfhosen, Bodys und blonden Perücken ein häufiges Fotomotiv. „Rostock ist schon viel weiter als Bremen, auch in der Tradition des CSD. Und hier herrscht so eine tolle positive Grundstimmung“, freute sich Filly. Das gefiel auch Christin Wurr aus Rostock, die jedes Jahr zur Demonstration kommt. „Denn es geht darum, dass wir trotz des bisher Erreichten nicht aufhören oder gar stehenbleiben, sondern weiterkämpfen“, formulierte sie ihre Motivation.

Teilnehmerzahl von 2018 mehr als verdoppelt

Gegen halb drei setzte sich die Menschenmenge dann vom Neuen Markt aus in Bewegung. Trotz der Hitze hatten viele Demo-Teilnehmer bunte Kostüme an, trugen Perücken, Flügel und viel Make-up. Andy Szabó, Vorsitzender des Rostocker CSD-Vereins, lief an der Spitze des Zuges mit. „Es ist Wahnsinn. Mit rund 7000 Teilnehmern konnten wir die Zahl vom letzten Jahr mehr als verdoppeln“, sagte Szabó.

Der CSD-Zug zieht durch Rostocks City.

Gepostet von Ostsee-Zeitung am Samstag, 20. Juli 2019

Was ihm aufgefallen wäre, sei die hohe Anzahl an jungen Demonstrationsteilnehmern. „Wir hatten zum Beispiel eine ganze Schulklasse, die mit Transparenten mitgelaufen ist, weil ein Transmensch in der Klasse ist“, erzählte der Vereinsvorsitzende.

Wetter sorgt für Abbruch auf dem Neuen Markt

Die Aufmerksamkeit war der CSD-Gemeinde sicher. Während der lange Tross aus Menschen und Fahrzeugen durch die Stadt zog, blieben viele Passanten stehen, freuten sich an der friedlichen Demonstration oder schlossen sich spontan an. Nach der Rückkehr auf den Neuen Markt, wo die Abschlusskundgebung stattfand, wurde vor Ort weitergefeiert.

Erst das Wetter machte dem diesjährigen CSD dann ein früheres Ende. „Wir haben gegen 19 Uhr die Menschen an den Ständen auf die Unwetterwarnung hingewiesen, die haben dann abgebaut und auch die Besucher haben sich Schutz vor dem Gewitter gesucht. Das lief alles sehr geordnet“, sagte Eva-Maria Kröger vom CSD-Verein.

Personen wurden durch Sturm und Regen nicht verletzt, nur zwei Zelte gingen kaputt. „Leider fiel dadurch auch ein großer Teil des Bühnenprogramms aus. Aber das ist nicht zu ändern und wir haben die Abschlussparty einfach eine Stunde vorverlegt“, sagte Andy Szabó.

CSD erinnert an Krawalle in New York im Jahr 1969

Im Peter-Weiss-Haus traf sich die Gemeinde dann, um weiter gemeinsam den mittlerweile 17. Christopher Street Day in Rostock zu feiern. Der stand diesmal unter dem Motto „Remember Stonewall – Stolz trotzt Vorurteil“ und erinnerte an Krawalle nach einer Razzia in der Szene-Bar "Stonewall Inn" in der New Yorker Christopher Street vor 50 Jahren. Schwule und Lesben wehrten sich erstmals gegen willkürliche Kontrollen und Schikanen. Die Unruhen gelten als Initialzündung der internationalen Emanzipationsbewegung von zunächst vor allem Schwulen und Lesben.

Schirmherr des diesjährigen Rostocker CSD war Uni-Rektor Prof. Wolfgang Schareck. In seiner Ansprache betonte er, dass Diversität eine Chance wäre, und stellte fest, dass in der Wissenschaft genau wie bei der Menschheit gilt: „Man muss die Unterschiede kennen, um die Vielfalt schätzen zu lernen.“

Claudia Labude-Gericke

Das Unwetter hat in Rostock am Samstagabend kurz aber heftig gewütet. Bäume wurden entwurzelt, Dächer abgedeckt. Es kam zu Straßenbahnbehinderungen, weil ein Baum in die Oberleitung fiel. Zudem musste das Schlagerfestival „Rostock Olé“ im IGA-Park vorzeitig abgesagt werden.

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