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Rostock Ein Kartograf versenkt Kassel im Farbenmeer
Mecklenburg Rostock Ein Kartograf versenkt Kassel im Farbenmeer
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07:00 26.01.2019
Holger Fasterding malt für die Ausstellung "Rostock kreativ" ein Acrylgemälde auf einen Lageplan der 14. Documenta, die 2017 in Kassel stattfand. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Östliche Altstadt

Dort, wo er sonst Wäsche trocknet, versenkt der See-Kartograf eine Stadt im Farbenmeer: In einem kleinen Abstellraum seiner Wohnung steht Holger Fasterding (49) vor seiner Staffelei und lässt mit einem Pinselstrich das hessische Landesmuseum unter leuchtendem Orange verschwinden. Wo sich zuvor noch die Straßen von Kassel als dünne Linien abzeichneten, verewigt er in Blautönen den „Parthenon der Bücher“. Das Vorbild für diesen griechischen Säulentempel hatte Marta Minujíns bei der 14. Documenta auf dem Kasseler Friedrichsplatz errichtet.

Jetzt, zwei Jahre später, findet sich die Installation in 2D auf Holger Fasterdings neuestem Acryl-Gemälde wieder. „Das wird eine Hommage an Kassel, Athen und zeitgenössische Künstler“, erklärt der Rostocker. Die sinnbildliche Verneigung pinselt er auf einen Lageplan der Documenta, den er dafür auf eine Holzplatte geleimt und grundiert hat. Auf dem Faltblatt lässt der Hobbymaler seiner Fantasie freien Lauf. „Auf einer weißen Leinwand wär’ das leichter gewesen.“ Sein Ziel ist ehrgeizig: „Ich will einen Bogen spannen.“ Kunstwerke, die er bei der Documenta bewundert hat, sollen sich in seinem Bild ebenso wiederfinden wie Eigenkreationen, ohne dass dabei der Kartenuntergrund zu sehr verschwindet.

Aus der Wäschekammer in die Kunsthalle

Was in dem Acht-Quadratmeter-Zimmer in Holger Fasterdings Wohnung gerade Form und Farbe annimmt, soll nach der Vollendung die Kunsthalle schmücken: Seine Karten-Malerei will der 49-Jährige bei „Rostock kreativ“ ausstellen. Die Schau, die die Kunsthalle zusammen mit der OSTSEE-ZEITUNG ausrichtet, startet am 7. März in ihre zehnte Runde. Hier zeigen bislang unentdeckte Talente, wie viel Kreativität in ihnen steckt. Gemälde oder Skulptur, Fotografie oder Grafik – die Schau ist ein Fest für die Augen, das Jahr für Jahr tausende Besucher in ihren Bann zieht. Bei der neunten Auflage hatten binnen zehn Tagen rund 15 000 Kunstliebhaber die kunterbunte Galerie mit ihren 675 Werken bestaunt.

Holger Fasterding hat in den vergangenen Jahren schon viele sehenswerte Werke zu Rostocks schönster Schau beigesteuert. Seit seiner Jugend greift er gern zu Pinsel und Palette. Seither hat er viele Stile ausprobiert. Heute bemalt der Kartograf am liebsten nautische Lagepläne. Damit aus Karten Kunst wird, braucht Fasterding Tageslicht und Zeit. „Ich male mehrere Stunden am Stück. Ich muss erst warmlaufen und den Kopf und die Muskeln in Schwung bringen.“ Dafür macht er sich laut Musik an, nimmt einen Stift in jede Hand und lässt die Maler mit geschlossenen Augen übers Papier kreisen. „Dabei wird ordentlich Krach gemacht und der Stuhl gequält“, verrät Fasterding und lacht. Anschließend widmet er sich der Leinwand und hofft, dass ihn die Muse küsst. Die lässt sich auch schon mal bitten. Doch ist Fasterding erst richtig inspiriert, legt er den Pinsel so schnell nicht mehr aus der Hand. „Der Appetit kommt eben beim Essen“, scherzt er.

Friseurmeisterin beweist Fantasie

Eine, die derzeit ebenfalls an einem Beitrag für „Rostock kreativ“ arbeitet, ist Beatrice Seemann.

Beatrice Seemann (l.) hat im vergangenen Jahr mit ihrem Gemälde „Kröpi“ den Sonderpreis „800 Jahre Rostock“ gewonnen. Diana Reimansteiner wurde für ihren "Weitblick Ostsee-Rügen" ausgezeichnet. Quelle: OVE ARSCHOLL

Ihr farbenfrohes Gemälde „Kröpi“ hat ihr im vergangenen Jahr den Sonderpreis „800 Jahre Rostock“ eingebracht. Rostocks Bummelmeile verewigt in Acryl hat viele Ausstellungsbesucher entzückt und macht inzwischen einen Professor glücklich. „Ein Arzt hat das Bild verkauft“, erzählt die Hobbykünstlerin stolz. Sie arbeitet indes bei sich zu Hause in Plau am See schon am nächsten „Rostock kreativ“-Beitrag. „Ich hoffe, ich werde noch rechtzeitig fertig.“ Sollte der Friseurmeisterin das gelingen, wird sie die Schau mit einer Plastik bereichern. „Ich arbeite an einer realistischen Skulptur aus Holz, Leinwand und Acryl“, verrät sie. Beatrice Seemann zählt zu den Wiederholungstätern: Bereits sechs Mal war sie bei „Rostock kreativ“ dabei.

Holger Fasterding füllt auf seinem Bild die letzten Lücken. Im Zentrum seines Kunstwerkes will er einen Surfer aus einer Welle steigen lassen. Bislang sind von dem nur die Umrisse erkennbar. Auch die linke Bildecke ist noch frei. Was genau er dort hinmalt, weiß Holger Fasterding noch nicht genau, wohl aber, wo das Gemälde nach „Rostock kreativ“ hängen soll. „Ich hab’ in meinem Wohnzimmer einen Platz überm Fenster reserviert.“

Ihre Meisterwerke sind gefragt!

10 Tage lang schmücken die Bilder, Grafiken, Fotografien und Plastiken von Rostocks Hobbykünstlern die Kunsthalle. Wer Teil der Schau sein möchte, kann seine Arbeiten vom 27. Februar bis zum 4.März einreichen. Für Besucher ist die Ausstellung im Erdgeschoss dann vom 7. bis 17. März geöffnet.

Die Aktion „Rostock kreativ“ findet bereits zum zehnten Mal statt. Die Kunsthalle selbst begeht in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag unter dem Motto „Ein halbes Jahrhundert für die Kunst“.

Antje Bernstein

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