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Rostock So liebevoll entsteht das Denkmal für Rostocks Spielmann-Opa
Mecklenburg Rostock So liebevoll entsteht das Denkmal für Rostocks Spielmann-Opa
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06:44 09.07.2019
Der Rostocker Künstler Wolfgang Friedrich arbeitet aktuell an einer Plastik, die den früheren Rostocker Straßenmusiker Michael Tryanowski darstellt. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

 Die Kapitänsmütze auf dem Kopf, ein schmales Lächeln auf den Lippen, das Akkordeon in den Händen – „manchmal denke ich selber, dass er gleich los spielt, wenn ich um die Ecke komme“, sagt Bildhauer Wolfgang Friedrich mit Blick in sein Atelier. Denn dort steht sie, auf einem rollenden Podest: die lebensgroße Statue des berühmten Rostockers Michael Tryanowski.

Original-Teile aus dem Besitz von Tryanowski

Das Gipsmodell ist bereits fertig. Mit einer Raspel erledigt Friedrich derzeit noch die Feinarbeiten, glättet die Oberfläche am Jackettkragen oder am Instrument. Um ihn herum liegen Zeitungsausschnitte und Fotos des Spielmann-Opas, aber auch einige Originale wie die Seemannsmütze, Tryanowskis selbst gebastelte Teufelsgeige oder eines von seinen Akkordeons.

Der Rostocker Künstler Wolfgang Friedrich arbeitet aktuell an einer Plastik, die den früheren Rostocker Straßenmusiker Michael Tryanowski darstellt. Dafür stehen ihm Originale aus Tryanowskis Besitz zur Verfügung. Quelle: OVE ARSCHOLL

Dabei hat der Künstler Inspiration eigentlich nicht nötig. Und das nicht nur, weil er zu den profiliertesten Bildhauern des Landes gehört, sondern, weil er den Straßenmusiker schon einmal verewigt hat – als 32 Zentimeter große Bronzeskulptur, die normalerweise im Rostocker Hof ihren Platz hat, aktuell aber ebenfalls bei Friedrich steht. Genau wie die zum Entstehungsprozess gehörenden Wachsmodelle. „Die haben aber schon etwas Atelierpatina“, sagt Friedrich schmunzelnd und pustet den Staub herunter.

Liebevolle Beachtung der Details

Auch aufgrund der Freundschaft zum Original achtet der Bildhauer bei seiner Arbeit auf jedes Detail, wie die ungewöhnlich großen Füße und die immer zu groß wirkende Kleidung des Spielmann-Opas. „Dadurch, dass Michael immer die Mütze getragen hat, waren seine Ohren dadurch auch schon ein bisschen verformt“, erzählt Friedrich. Für ihn sei es hilfreich, dass er seinem Modell zur Probe immer wieder die Orginal-Stücke aus dem Besitz des Musikers aufsetzen oder anhalten konnte. „Das verschafft ein gutes Maß“, sagt der Künstler.

Bildergalerie: Zu Besuch im Atelierbesuch des Bildhauers

Bildhauer Wolfgang Friedrich arbeitet aktuell an dem lebensgroßen Denkmal für Spielmann-Opa Michael Tryanowski.

Damit die Skulptur den rund 1,60 Meter kleinen Spielmannopa tatsächlich lebensgroß abbildet, muss sie vorher etwas größer sein. „Das Modell schrumpft dann noch im Prozess und auch durch die dunkle patinierte Bronze wirkt es am Ende etwas kleiner“, so Friedrich.

Er weiß, dass die Skulptur, wenn sie im kommenden Jahr wie geplant am Universitätsplatz aufgestellt wird, sicher zu einem beliebten Fotomotiv wird. „Tryanowski war ein Rostocker Original – und so viele haben wir davon ja nicht.“

Modell wird vor dem Gießen in Einzelteile zerlegt

Im April hat Friedrich mit der Arbeit angefangen und für das Modell ein Gerüst aus Metallrohren gefertigt, auf dass dann die Figur aus Gips aufgebaut wurde. Auch wenn es so aussieht, als sei die Skulptur des Rostocker Ehrenbürgers fast fertig, fehlen noch einige wichtige Arbeitsschritte im Atelier.

Das Gipsmodell, das wie eine Einheit wirkt, kann in Teile zerlegt werden. Kopf, Torso, die einzelnen Beine, das Akkordeon samt der Hände und der Sockel, der die Instrumentenkiste darstellt – von jedem Teil müssen noch einmal Silikonformen sowie ein Wachsmodell angefertigt werden.

Stadt setzt Bürgerwillen um

Am 27. Juli jährt sich der Todestag Michael Tryanowskis zum ersten Mal. Nachdem er im Alter von 98 Jahren verstorben ist, gab es in Rostock den großen Wunsch, dem „Spielmann-Opa“ ein Denkmal zu setzen. Mit Beschluss des Hauptausschusses der Bürgerschaft wurde dann die lebensgroße Skulptur beauftragt. Guss, Aufstellung und Honorar lässt sich die Stadt 53 500 Euro kosten.

Die Skulptur soll an dem Ort aufgestellt werden, den die meisten mit dem Straßenmusiker verbinden – dem Universitätsplatz. Dort steht noch bis März 2020 eine blaue Boje des Vereins „Rostock denkt 365 Grad“. Im Anschluss soll das Denkmal des Spielmann-Opas aufgestellt werden.

Für all diese Schritte sei dann eine Gießerei in der Nähe von Hamburg verantwortlich, mit der Friedrich schon lange zusammenarbeitet. „Ich fahre nach jedem Einzelschritt hin und schaue mir das an – nach dem Wachsmodell und auch nach dem Guss der flüssigen Bronze, die etwa 1200 Grad heiß ist“, so der Künstler. Beim finalen Zusammensetzen sei er dann die ganze Zeit dabei. „Damit die Winkel und Gussnähte stimmen.“ Der gesamte Prozess in der Gießerei würde noch einmal rund zwei Monate dauern.

Bronzehülle ist nur drei Millimeter dick

Die Bronzehaut der fertigen und hohlen Skulptur sei dann drei Millimeter dick. „Die Plastik erhält als Sockel eine Granitplatte aus der Molenbefestigung des Rostocker Christinenhafens“, erzählt Friedrich.

Extra gegossen würde die Teufelsgeige, ein besonderes Instrument, das untrennbar zu Tryanowski gehörte und das von ihm ständig kreativ verändert wurde. „Da wurden auch Küchengeräte mit integriert. Michael war mit Dingen so schöpferisch wie mit seiner Musik“, weiß Friedrich nach genauerer Betrachtung verschiedener Varianten, die auf Fotos dokumentiert sind. Der 72-jährige Bildhauer entschied sich für die Version mit der Kasperpuppe an der Spitze.

Rostocker vermissen ihren Spielmann-Opa

Wenn er sein Werk betrachtet, weiß Wolfgang Friedrich schon heute, dass er vielen Rostockern damit eine Freude machen wird. Denn die emotionale Verbindung der Hansestädter zu „ihrem“ Spielmann-Opa ist groß – genau wie die Bestürzung nach dessen Tod am 27. Juli 2018. „Die Menschen haben an der Bronzefigur im Rostocker Hof sogar Blumen niedergelegt“, weiß der Bildhauer.

Der Rostocker Künstler Wolfgang Friedrich arbeitet aktuell an einer Plastik, die den früheren Rostocker Straßenmusiker Michael Tryanowski darstellt. Quelle: OVE ARSCHOLL

Dem Rostocker Ehrenbürger selbst sei es am Anfang nicht geheuer gewesen, als es 2014 hieß, dass es von ihm eine Statue geben sollte. „Dafür muss man doch erst sterben“, zitiert Friedrich, was der Musiker bei ihren ersten Gesprächen über die geplante Skulptur gesagt hätte. Doch Tryanowski ließ sich bekehren und konnte sich selbst noch an seinem kleinen Abbild erfreuen – so, wie es viele Rostocker bald am großen Denkmal tun werden.

Familie freut sich über Erinnerungswerke

Der Sohn des Musikers, Frank Kraschewski, freut sich auf das geplante Denkmal. „Ich werde auch noch mal im Atelier von Wolfgang Friedrich vorbeischauen und mir das Modell ansehen“, sagt der Rostocker.

In der Neubramowstraße in der Rostocker KTV schmückt Michael Tryanowski eine Hausfassade. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Im Gegensatz zu der Arbeit des Bildhauers, für die er sein Einverständnis gegeben hätte, sei er von anderen Erinnerungswerken überrascht worden. „Ich habe den Hinweis bekommen, dass es in der KTV auch noch eine Hausfassade gibt, an der das Gesicht meines Vaters zu sehen ist“, sagt Kraschewski.

Auch, wenn er dazu nicht gefragt worden sei: „Um das Andenken an meinen Vater aufrecht zu erhalten, ist das doch auch eine schöne Sache.“

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Claudia Labude-Gericke