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Rostock Rostock soll Europas Kulturhauptstadt werden
Mecklenburg Rostock Rostock soll Europas Kulturhauptstadt werden
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19:28 09.01.2019
Der neue Stadthafen mit Archäologischem Landesmuseum (links) und Volkstheater (oben rechts): Damit könnte Rostock bei einer Bewerbung um den Kulturhauptstadt-Titel punkten. Quelle: Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung
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Rostock

Feiert Rostock 2025 gleich doppelt? Nach der erfolgreichen Bewerbung um die Bundesgartenschau in sechs Jahren will die Hansestadt nun noch mehr – und soll sich 2025 nicht „nur“ mit Blumen, sondern auch dem Titel „Kulturhauptstadt Europas“ schmücken. Das jedenfalls fordert Sybille Bachmann, Fraktionschefin des Rostocker Bundes. Bereits Ende Januar soll die Bürgerschaft entscheiden, ob sich Rostock offiziell um den europäischen Titel bewirbt. Noch sind die Reaktionen aber verhalten.

Idee aus dem Rathaus

Bachmann greift mit ihrem Antrag eine Idee auf, die vor knapp zwei Jahren im Rathaus geboren wurde: Jedes Jahr kürt die Europäische Union zwei Städte zu den Kulturhauptstädten des Kontinents. Ein Jahr lang dreht sich in diesen Orten dann alles um Theater und Musik, Architektur und Geschichte, Innovation und Ideen. In diesem Jahr sind Plowdiw (Bulgarien) und Matera (Italien) die Titelträger. 2025 sind dann turnusgemäß eine Stadt aus Deutschland und eine aus Slowenien an der Reihe. Bis September können sich deutsche Städte nun bewerben. Chemnitz, Dresden, Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg, Nürnberg, Pforzheim und Zittau wollen ihren Hut in den sprichwörtlichen Ring werfen. Und vielleicht auch Rostock.

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„Erstmals könnte eine Stadt Kulturhauptstadt werden, in der zugleich eine Bundesgartenschau stattfindet“, sagt Bachmann. Und: Bis 2025 soll auch das neue mehr als 100 Millionen Euro teure Volkstheater stehen. „Bundesgartenschauen und Stadttheater sind zwei Phänomene, die es so nur in Deutschland gibt“, so Bachmann. Rostock könne mit zwei kulturellen „deutschen Besonderheiten“ punkten – und genau darin sehe sie auch die Chance gegen die hochkarätige Konkurrenz. Und außerdem: Bei einer Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel könne Rostock auf die Ideen für die Gartenschau aufbauen – zum Beispiel auf das neue Archäologische Landesmuseum, das am Stadthafen entstehen soll. „Die Bewerbung würde nur geringe Zusatzplanungen und Investitionen erfordern“.

Zuspruch von Madsen

Schon vor zwei Jahren, als die Idee einer Bewerbung erstmals diskutiert wurde, gab es aus der Kulturszene viel Zuspruch: „Die Bewerbung würde einen Kreativ-Wettbewerb ohnegleichen auslösen“, sagt beispielsweise Theater-Intendant Joachim Kümmritz 2017 der OZ. Auch Claus Ruhe Madsen, IHK-Präsident und parteiloser Oberbürgermeister-Kandidat, ist begeistert: „Kunst und Kultur in unserer Stadt würden auf allen Ebenen einen richtigen Sprung nach vorne machen. Das Image der Stadt würde nicht nur bundesweit, sondern auch bei vielen Menschen in Europa deutlich an Profil gewinnen.“ Und weiter: „Der Kulturhauptstadttitel würde sich auch im Tourismus positiv für Rostock auswirken. Die Diskussionen und Debatten rund um eine Bewerbung könnten Auslöser sein, dass auch mehr Rostocker die Kulturangebote unserer Stadt annehmen.“

Wenig Begeisterung in der Bürgerschaft

Bei den anderen OB-Kandidaten und den Fraktionen in der Bürgerschaft hingegen stößt die Kulturhauptstadtidee auf wenig Gegenliebe. „Wenn wir für das Jahr 2025 nicht bereits den Buga-Zuschlag erhalten hätten, würde ich eine solche Bewerbung aus vollem Herzen unterstützen, weil sie uns helfen würde, die vielen Kulturprojekte umzusetzen und zu bewerben. Allerdings ist es wenig unwahrscheinlich, dass Rostock in einem weiteren nationalen Ausscheidungsverfahren für genau dasselbe Veranstaltungsjahr ein zweites Großevent zugesprochen bekommt“, so SPD-Kandidat und Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski. „Wir sollten unsere Kräfte auf die Gartenschau konzentrieren, um Rostock im Jahr 2025 als lebenswerte, nachhaltige und grüne Stadt am Wasser zu präsentieren.“

Grünen-Kandidat Uwe Flachsmeyer ist noch deutlicher: „Als Kulturhauptstadt kann Rostock sich bewerben, wenn die Kulturbauten Kunsthalle, Theater und Landesmuseum fertig sind. Nach den Debatten und Entscheidungen der vergangenen Jahre wäre eine Bewerbung derzeit wenig glaubwürdig.“ Und Linken-Chefin Eva-Maria Kröger sagt: „Grundsätzlich ist die Idee diskussionswürdig. Zu sagen, wir hätten dann die Buga und einen Theaterneubau, reicht aber bei weitem nicht aus, um als europäische Kulturhauptstadt zu gelten. Rostock gönnt sich ja nicht mal eine Kultursenatorin.“

Andreas Meyer

09.01.2019
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