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Rostock Ab ins Weltall: Rostocker Firma liefert entscheidende Teile für Ariane-6-Rakete
Mecklenburg Rostock Ab ins Weltall: Rostocker Firma liefert entscheidende Teile für Ariane-6-Rakete
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20:27 30.08.2019
Martin Sauerschnig, Geschäftsführer der Rostock System-Technik GmbH (RST), auf einer Landkarte von MV mit dem Modell einer Trägerrakete Ariane 6. Quelle: Frank Söllner
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Rostock

Vom eigentlichen Anlass des feierlichen Empfangs hatten die Besucher gar nichts mitbekommen. Zu geheim ist die Raketentechnik der Firma Rostock System-Technik in Warnemünde. Dabei ist es doch eigentlich ein echtes Vorzeigeprojekt: Am Freitag begann RST mit dem Bau mehrerer Teile für die Montage der neuen europäischen Trägerrakete Ariane 6.

„Ohne uns würde bei der Ariane-Fertigung kein Teil an seinen vorbestimmten Platz kommen“, sagte Geschäftsführer Martin Sauerschnig stolz. „Das ist ein sehr wichtiger Meilenstein für unser Unternehmen.“

Trockendock für Raumschiffe

Der Chef der Ariane-Gruppe, Pierre Godart, formuliert es so: „Wenn wir eine Werft für Raumschiffe wären, dann würde RST das Trockendock dafür bauen.“ Die Montage- und Testvorrichtungen von RST werden unter anderem dafür gebraucht, die 7,5 Tonnen schwere Spitze – oder Oberstufe – der Rakete innerhalb der automatisierten Fertigungsstrecke in der Bremer Fabrik zu transportieren sowie um Teile darin einzubauen und zu testen.

Gebaut werden die Teile jedoch nicht bei RST selbst, sondern bei verschiedenen Herstellern, vor allem in der Region, sagte Sauerschnig. Welche genau das sind, hielt er ebenfalls geheim – wegen der Gefahr der Industriespionage. „Das sind anspruchsvolle Technologien mit überregionaler Strahlkraft.“ Ziel sei auch, das Unternehmen mit dem Projekt interessanter für junge Ingenieure zu machen, um neue für RST zu gewinnen und die bisherigen halten zu können.

Beitrag für den Zugang zum All

Bislang hatte RST bereits 20 verschiedene Gewerke für die Ariane 6 entwickelt, etwa Kabelstränge und -bäume und Komponenten für die Oberstufe, sowie verschiedene Fertigungsprozesse. Die Teile wurden dann jedoch von anderen Partnern gebaut. Die Montage- und Testvorrichtungen, für die am Freitag der erste Stahlschnitt gemacht wurde, sind nun die ersten Teile, die RST selber baut – beziehungsweise bauen lässt. Geschäftsführer Sauerschnig sagte: „Wir sind ein kleines Rädchen im Getriebe der internationalen Raumfahrt. Wir leisten einen sichtbaren Beitrag zum Bau der Ariane und damit zum Zugang zum All.“

Sauerschnig äußerte die Hoffnung, künftig auch Teile der eigentlichen Rakete bauen zu können. Die Chancen dafür stünden nicht schlecht, sagte Godart. „Wir sind von der Exzellenz, Qualität und Zuverlässigkeit von RST überzeugt.“

Europäisches Prestigeprojekt

Insgesamt gehören zum Ariane-Netzwerk laut Godart mehr als 600 Unternehmen in 13 Ländern. 60 Prozent der Aufträge gingen an kleine und mittlere Unternehmen wie RST. „Das bietet unseren Partnern Zugang zu einem europäischen Prestigeprojekt“, meinte der Ariane-Chef. „Sie profitieren von branchenübergreifenden Innovationen und schaffen hoch qualifizierte Arbeitsplätze.“ Jeder Euro, den die öffentliche Hand in das Ariane-Programm stecke, ziehe zehn Euro an Investitionen in der Wirtschaft nach sich.

Der Bau von 14 Ariane-6-Raketen ist bislang abgesichert. Die neue Trägerrakete soll ihren Vorgänger, die Ariane 5, ablösen. Die wichtigste Weiterentwicklung ist laut Godart die Oberstufe: „Sie ist einzeln zündbar. Damit kann sie im Orbit mehrere kleine Objekte an ihren Platz bringen.“ Die oberste Stufe der Ariane 5 konnte nicht extra gezündet werden und konnte daher nur einen einzelnen Satelliten auf eine vorbestimmte Bahn bringen. Die Ariane 6 wird zudem in zwei Varianten gebaut: mit zwei oder mit vier Triebwerken. Die stärkere Version kann zwei große Satelliten tragen, die schwächere nur einen.

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