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Rostock Rostock vor brisantestem Spiel des Jahres
Mecklenburg Rostock Rostock vor brisantestem Spiel des Jahres
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20:29 21.12.2018
Pyro-Technik bei einem Hansa-Heimspiel im Jahr 2011: Die Rostocker Polizei informiert sich jetzt in Dänemark über „kalte Pyros“. Quelle: Fishing4
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Rostock

Von weihnachtlicher Besinnlichkeit kann bei der Rostocker Polizei noch keine Rede sein: Neun Großdemos mussten die Beamten 2018 bereits begleiten, dazu etliche Risikospiele in der Dritten Fußballliga. Doch einer der größten Einsätze des Jahres steht den Polizisten erst am Sonnabend bevor – wenn der FC Hansa Rostock auf Energie Cottbus trifft. „Risikospiel und zeitgleich noch Weihnachtsmarkt – das ist auch für uns eine besondere Lage“, sagt Rostocks Polizeichef Michael Ebert.

Kräfte aus fünf Ländern

Kurz vor dem Fest zieht Ebert in der Hansestadt noch einmal Beamte aus ganz Deutschland zusammen: Kräfte aus MV werden im Einsatz sein, aber auch Beamte der Bundespolizei sowie aus Berlin, Hamburg und Brandenburg. Insgesamt sind fast 1000 Polizisten im Einsatz – mehr als bei den meisten Großdemos in diesem Jahr, bei denen Sympathisanten der Alternative für Deutschland (AfD) auf der einen und Rostocker Bürger-Bündnisse auf der anderen Seite auf die Straße gingen. Die Polizei spricht von einer besonderen Lage. Das Ostderby gilt seit Jahren als brisant. Und: In den vergangenen Wochen kam es rund um Spiele der Rostocker mehrfach zu Gewalt. Erst vor zwei Wochen hatte es Ausschreitungen vor dem Spiel zwischen rund 80 Rostockern und 80 Fans des KFC Uerdingen in Nordrhein-Westfalen gegeben. Anfang November musste das Ostderby gegen Jena sogar für sechs Minuten unterbrochen werden – weil Pyrotechnik auf den Rasen geflogen war.

„Wir alle stehen zudem noch unter dem Eindruck des Nürnberg-Spiels“, sagt Ebert. Ende Oktober hatte Hansa den Erstligisten aus Franken im DFB-Pokal empfangen, war erst im Elfmeterschießen gescheitert. Vor dem Spiel aber waren Nürnberg-Fans durch Rostock gezogen, hatten sich Prügeleien mit Rostockern geliefert. 313 Personen wurden damals in Gewahrsam genommen. „Solche Szenen wollen wir nicht wieder erleben“, sagt Ebert.

Vor dem DFB-Pokalduell von Hansa Rostock gegen Nürnberg am Mittwoch ist es in der Stadt zu einer Schlägerei zwischen Anhängern beider Lager gekommen. Ein Polizist musste einen Schuss aus seiner Dienstwaffe abgeben.

Gäste-Fans sammeln sich am Bahnhof

Die Rostocker Polizei erwartet insgesamt fast 1400 Gästefans. Der größte Teil wird mit Sonderzügen anreisen und dann vom Bahnhof mit Shuttlebussen direkt zum Stadion gefahren. „Aber natürlich reisen auch Cottbus-Anhänger mit Reisebussen und eigenen Autos an“, sagt Polizeisprecherin Dörte Lembke. Die Polizei habe zwar die Empfehlung herausgegeben, dass sich alle Gästefans zu einer bestimmten Zeit am Bahnhof sammeln sollen. Doch könnten die Beamten niemanden zwingen, sich auch daran zu halten. Die Nürnberg-Fans waren im Oktober beispielsweise deutlich früher als erwartet nach Rostock gekommen. „Auch darauf haben wir ein Auge.“ Denn schließlich sei Sonnabend auch noch Weihnachtsmarkt. Aus Sorge, dass es ausgerechnet dort zu Zusammenstößen kommen könnte, wurde nach OZ-Informationen auch in der Innenstadt die Polizei-Präsenz deutlich erhöht.

Rund um das Ostseestadion werden am Sonnabend bereits ab 11 Uhr Straßen gesperrt und Parkverbote verhängt – das betrifft die Schillingallee bis einschließlich Platz der Jugend und Ernst-Heydemann-Straße. Auf der Südseite des Rostocker Hauptbahnhofes werden schon ab 8 Uhr Parkplätze für anreisende Fußballfans aus Cottbus gesperrt. Das betrifft die Parkplätze Albrecht-Kossel-Platz sowie einen Teil des Parkplatzes Erich-Schlesinger-Straße. Einschränkungen, so die Polizei, werde es auch für die Besucher der Eishalle geben. Die ist am Sonnabend nur zu Fuß über die Kopernikusstraße oder über den Barnstorfer Wald zu erreichen.

Hoher Besuch im Stadion

Welche Brisanz das Spiel hat, zeigt sich auf der Tribüne: Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und sein Brandenburger Amtskollege Karl-Heinz Schröter (SPD) werden im Stadion sein – und die Lage persönlich beobachten. „Wir hoffen beide auf ein friedliches Derby“, so Caffier gegenüber der OZ. „Ich hatte meinen Kollegen um Unterstützung seiner Polizei gebeten. Die Kollegen kennen die Cottbuser Fanszene, die ja nicht ganz unproblematisch ist.“ Schröter reise zusammen mit der Polizei aus dem Nachbarland an: „Wir wollen uns ein Bild von den Belastungen für unsere Polizisten bei solchen Spielen machen. Der Aufwand, den wir rund um solche Spiele betreiben müssen, ist nur noch schwer vermittelbar“, sagt Caffier.

Die Rostocker Polizei will sich im kommenden Jahr indes verstärkt mit dem Thema Pyro-Technik auseinandersetzen. Eine Lösung könnte die Freigabe sogenannter kalter Pyros sein, die mit deutlich geringerer Temperatur verbrennen und als weniger gefährlich gelten. „In Dänemark wird das bereits in der Praxis getestet“, so Polizeichef Michael Ebert. Die Rostocker hätten deshalb den Fußballclub Bröndy Kopenhagen angeschrieben, um sich ein Bild von den „neuen“ Pyros machen zu können und Erfahrungen auszutauschen.

Andreas Meyer

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