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Rostock Rostock will die Warnow „kaufen“
Mecklenburg Rostock Rostock will die Warnow „kaufen“
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05:30 31.01.2019
Der Eisbrecher „Stephan Jantzen“ im Rostocker Stadthafen: Die Hansestadt will den Fluss übernehmen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Die Warnow ist Rostocks Lebensader. Ohne sie wäre der Aufstieg zur mächtigen und großen Hansestadt undenkbar gewesen. Bis heute lebt Rostock nicht nur am, sondern auch vom Fluss: ohne Warnow kein Trinkwasser, keine Werften, keine maritime Wirtschaft. Problem nur: Rostock hat auf der Warnow nichts zu melden. Bisher jedenfalls. Denn der Fluss ist eine Bundeswasserstraße, „gehört“ somit der Bundesregierung. Doch nun will die Hansestadt die Kontrolle über „ihre“ Warnow zurück.

Rostock will mehr Freiheit

Dass es nicht gut ist, wenn der Bund das Sagen auf der Warnow hat – Rostock erlebt das im Zuge der Planungen für die Bundesgartenschau: Die geplanten Aufschüttungen für das neue Archäologische Landesmuseum, der Bau der Brücke nach Gehlsdorf – ohne Segen der Bundesbehörden ist all das nicht möglich. Und: Wenn die Warnow Bundeswasserstraße bleibt, müsste die geplante Querung nach OZ-Informationen eine Durchfahrtshöhe von weit mehr als zehn Metern haben. „Dabei hat die Warnow für den Bund keine besondere Bedeutung als Verkehrsstraße mehr“, sagt Vize-Oberbürgermeister und SPD-Oberbürgermeister-Kandidat Chris Müller-von Wrycz Rekowski. Denn Berufsschifffahrt findet zumindest südlich der ehemaligen Neptun-Werft, im Bereich des Stadthafens, kaum noch statt. „Für die Hansestadt hat der Fluss dennoch eine enorme Bedeutung“, sagt der Hafen-Senator. Rostock will den Stadthafen beleben. Nicht nur, aber insbesondere rund um die Buga 2025. „Logisch, dass es deshalb unser Ziel ist, die Genehmigungs- und Bewirtschaftungshoheit über den Fluss zu erlangen. Auch die Wiederinbetriebnahme der Mühlendammschleuse ist nur so möglich. Einfach gesagt: Derjenige, der die Warnow nutzen möchte, sollte auch darüber entscheiden dürfen.“

Ein Beispiel: Als Ende 2016 ein Investor anfragte, ob er dauerhaft mit einem Restaurantschiff im Stadthafen festmachen dürfe, konnte das Rathaus das nicht allein entscheiden. „Wir mussten beim Bund den Antrag stellen, uns die Wasserfläche dauerhaft und kostenlos zu überlassen“, so Müller-von Wrycz Rekowski. Aufwendig sei das. Und nicht immer werde im Sinne Rostocks entschieden. Ein weiteres Vorhaben, bei dem die Hansestadt auf den Segen des Bundes angewiesen wäre: Im Bereich des Osthafens sehen die Planungen neue, moderne Wohnformen vor – unter anderem Hausboote. „Auch das geht nicht ohne den Bund.“ Müller-von Wrycz Rekowski weiter: „Wir wollen den Stadthafen und die Warnow attraktiver machen, haben viele Ideen – und die wollen wir gerne so umsetzen, wie es für unsere Stadt das Beste ist.“

Der Bund zahlt noch drauf

Das vermeintlich Beste: Rostock muss den Fluss nicht kaufen, sondern soll auch noch Geld aus Berlin für die Warnow bekommen. So lief es jedenfalls 2009, als das Land Niedersachsen vom Bund den Fluss Oste übernahm. „Damals erhielt Niedersachsen eine Ablöse, um den Fluss für einen bestimmten Zeitraum zu unterhalten. Das Geld hätte der Bund eh aufwenden müssen“, sagt der Senator. Bei der Warnow soll der Deal ganz ähnlich laufen: Offiziell übernimmt das Land den Fluss. Rostock verpflichtet sich aber dazu, die Warnow zu bewirtschaften – und erhält im Gegenzug auch das Geld. „Wir gehen von einem siebenstelligen Betrag aus“, sagt Müller-von Wrycz Rekowski. Die genaue Höhe sei vom Zustand der Warnow abhängig: Müssen Anlagen am Fluss erneuert werden oder gibt es Altlasten, die entsorgt werden müssen? „Im Moment hält der Bundeshaushalt großzügige Regelungen für die Übernahme solcher Gewässer bereit, die wir gerne nutzen wollen.“

Teil der Vereinbarung soll auch die Mühlendammschleuse sein. „Allein für die werden wir wohl um die vier Millionen Euro erhalten“, sagt der Vize-OB. „Angedacht sind die Wiederinbetriebnahme der Schleuse und die Entwicklung eines Wasserwanderrastplatzes als touristisches Ausflugsziel.“ Erstmal aber muss die Schleuse auch wirklich der Stadt gehören. „Wir wollen den gesamten Bereich zwischen der ehemaligen Neptun-Werft in Höhe des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie und der Eisenbahnbrücke bei Kessin übernehmen.“ Die Warnow würde zum Landesgewässer I. Ordnung werden. „Einschränkungen für die Freizeit-, Sport- und Berufsschifffahrt sind damit nicht verbunden. Im Gegenteil: Wir wollen die Nutzungsmöglichkeiten dadurch sogar noch erleichtern“, versichert der Senator.

OB-Kandidaten sind skeptisch

Müller-von Wrycz Rekowskis Mitbewerber um das OB-Amt sehen den Warnow-Deal hingegen kritisch – zumindest Linken-Kandidat und Sozialsenator Steffen Bockhahn: „Die Übernahme der Bundeswasserstraße hat erhebliche finanzielle Folgen. Die müssen bei Betrachtung des geplanten Brückenbaus einbezogen werden. Billiger wird es dadurch jedenfalls nicht.“ Auch Grünen-Bewerber Uwe Flachsmeyer fordert harte Verhandlungen mit dem Bund: „Sämtliche Kosten und Folgekosten muss Rostock erstattet bekommen. Über ein solches Projekt sollte dann auch die Bürgerschaft beschließen.“ Aber ja: Wenn es ohne den Deal mit dem Bund keine Brücke nach Gehlsdorf geben sollte, dann muss Rostock die Warnow „kaufen“. Claus Ruhe Madsen, parteiloser Kandidat, und UFR-Bewerber Dirk Zierau reagierten nicht auf eine OZ-Anfrage zu dem Thema.

Andreas Meyer

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