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Rostock Rostock will ins Fährgeschäft
Mecklenburg Rostock Rostock will ins Fährgeschäft
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00:00 21.08.2017
Volle Fähre, gute Geschäfte: Die Hansestadt will die Weiße Flotte ablösen und selbst die Fährlinie zwischen Warnemünde und dem Schwesterortsteil Hohe Düne betreiben. Immerhin locken 300000 Euro Gewinn pro Jahr. Quelle: Foto: Ove Arscholl
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Warnemünde/Hohe Düne

Strom und Gas, Busse und Bahnen, ab 2018 zudem auch noch Wasser – der „Konzern“ Hansestadt Rostock ist bereits in vielen Geschäftsfelder aktiv.

Wir haben eine Genehmigung bis 2027 und somit auch die rechtliche Sicherheit für den Betrieb.Knut Schäfer Geschäftsführer

Weiße Flotte

Doch nun soll sogar noch ein weiterer hinzkommen: Rostock will in die Schifffahrtsbranche einsteigen und damit Geld für die Stadtkasse verdienen. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) will der Bürgerschaft empfehlen, die Fährlinie zwischen Hohe Düne und Warnemünde zu übernehmen und in Eigenregie zu betreiben. 300000 Euro könnte das pro Jahr für die Stadt an zusätzlichen Gewinnen einbringen. Doch der Plan ist selbst intern höchst umstritten.

Weiße Flotte hat Konzession bis 2027

Die Fährlinie zwischen dem Seebad und ihrem Schwesterortsteil wird bislang von der Reederei „Weiße Flotte“ mit Sitz in Stralsund betrieben – und das Land hat jüngst entschieden, dass dies auch bis Ende 2027 so bleiben kann: Das Schweriner Verkehrsministerium hat die Betriebserlaubnis für die Linie jüngst um zehn Jahre verlängert und an die „Weiße Flotte“ vergeben. Allerdings mit einer Einschränkung: Die Landesregierung lasse Rostock die Option offen, die Linie selbst zu übernehmen. Das jedenfalls schreibt der OB in einer Stellungnahme an die Bürgerschaft. Und zumindest der RathausChef hält diese Variante nach wie vor für charmant: Denn die Experten in der Stadtverwaltung haben ausgerechnet, dass die Fährlinie ein kleine Goldgrube ist. 300000 Euro Gewinn pro Jahr sind für die Stadt drin. „Aus diesem Grund hält die Hansestadt daran fest, zukünftig diese Fährlinie selbst zu betreiben“, schreibt der Rathaus-Chef.

Finanzsenator: Rostock braucht noch Zeit

Ursprünglich hatte das Rathaus den Plan, die Linie bereits ab dem 1. Januar 2018 zu übernehmen. Die alte Betriebserlaubnis für die „Weiße Flotte“ läuft nämlich zum Jahresende aus. „Doch das schaffen wir nicht. Der Zeitraum für die Vorbereitung ist viel zu kurs“, sagt Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski. Er ist nicht nur für das Geld, sondern auch für das städtische Hafenamt zuständig.

„Wenn wir die Fährlinie übernehmen, darf es keinerlei Risiken geben. Wir müssen als kommunaler Betreiber technisch und organisatorisch so gut sein wie die ,Weiße Flotte’. Und das die ihren Job beherrschen – daran gibt es bei uns keinen Zweifel.“ Im Klartext: Eine „Anlaufphase“ kann sich Rostock nicht erlauben. Wenn die Stadt in das Fährgeschäft einsteigt, muss der Betrieb vom ersten Tag an sicher sein – rund um die Uhr, das gesamte Jahr über. „Die Einwohner in Hohe Düne brauchen eine stabile Verbindung.“ Und auch das Geld muss stimmen: „Wenn es sich für die Stadt lohnt, müssen wir interessiert sein, diese Gewinne für die Stadtkasse zu realisieren.“

Intern ist das Vorhaben umstritten

Intern wird der Plan, die Linie in städtische Hand zu übernehmen, allerdings nicht von allen positiv gesehen: Nach OZ-Informationen gibt es sowohl im Rathaus als auch bei der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG), die den Betrieb übernehmen soll, erhebliche Widerstände. Denn zu viele Fragen seien offen: Zum Beispiel gehört nur das Fährbecken auf Hohe Düner Seite der Stadt. Auf der Warnemünder Seite ist das Wasser- und Schifffahrtsamt der Eigentümer. Die Anleger selbst gehören komplett der „Weißen Flotte“, müssten der Reederei abgekauft oder neu angeschafft werden. Und was ist mit dem Personal und den Fähren? Mindestens zwei Schiffe müsste Rostock kaufen. Besser wären drei, um ein „Ersatzschiff“ für Ausfälle bereit halten zu können. Doch eine neue Fähre kostet pro Stück mindestens vier Millionen Euro. „Die Linie rechnet sich erst nach Jahrzehnten für die Stadt“, sagt ein Insider. Die RSAG scheut sich nach OZ-Informationen vor allem davor, bis zu 30 neue Mitarbeiter für die Linie einstellen zu müssen.

 

In Travemünde macht die Fähre Verluste

Auch an den optimistischen Gewinnschätzungen des Rathauses äußern Fachleute hinter vorgehaltener Hand Zweifel: Das Lübecker Pendant zur Warnemünder Fähre, die Verbindung zwischen Travemünde und dem Priwall, macht nämlich Verluste. Noch vor gut zehn Jahren musste Lübeck mehr als eine Million Euro pro Jahr zuschießen. 2015 lag der Verlust für die Stadtwerke, den Betreiber der Linie, dann „nur“

noch bei 130000 Euro. Und das, obwohl die Lübecker Fähre sogar teurer ist: Eine Überfahrt mit dem Auto kostet dort 3,90 Euro – 90 Cent mehr als nach Hohe Düne.

Private Reederei reagiert gelassen

Bei der „Weißen Flotten“ in Stralsund sind die Überlegungen der Hansestadt seit Monaten bekannt. Geschäftsführer Knut Schäfer bleibt aber gelassen: „Für uns stellt sich die Frage nicht, ob die Stadt die Linie übernimmt.“ Denn: „Wir haben eine Genehmigung bis 2027 und somit Rechtssicherheit, den Verkehr zum Wohle der Hansestadt weiter zu betreiben.“ Stattdessen plane die Reederei sogar Investitionen in die Linie: „Wir wollen unsere Fähren in Warnemünde auf Hybrid-Antriebe umstellen, um den Schadstoffausstoß zu minimieren“, sagt Schäfer. Fähren, die nur mit Elektro-Antrieb fahren, seien leider nicht wirtschaftlich. Laut einer Analyse der Fachhochschule Stralsund sind die täglichen Energiekosten einer elektrischen Fähre drei Mal höher als die einer Hybridfähre.

Stadt will das Gespräch suchen

Senator Müller-von Wrycz Rekowski will in den kommenden Monaten das Gespräch mit der „Weißen Flotte“ suchen: „Wir müssen einfach mal reden.“ Paralell untersuche die Stadt die Idee „Neptun- Hopper“: Die Rostocker Firma Neptun Ship Design hatte der Stadt vor Monaten ein Konzept für ein ganzes Netz von Elektrofähren auf der Warnow vorgelegt – von Hohe Düne bis nach Papendorf. „Auch diese Idee beziehen wir in unsere Überlegungen ein.“ Die Lösung für den Fähr-Streit am Neuen Strom könnte aber viel einfacher aussehen: Aus der Bürgerschaft heißt es, die Stadt soll mit der „Weißen Flotte

einen Deal machen: Die Reederei beteiligt Rostock an den Gewinnen der Linie und die Hansestadt gibt dafür ihre Bestrebungen auf, selbst ins Reederei-Geschäft zu gehen.

Andreas Meyer

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