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Rostock Rostocker Bäcker versüßt Bundeswehrsoldaten in Mali die Adventszeit
Mecklenburg Rostock

Rostocker Bäcker versüßt Bundeswehrsoldaten in Mali die Adventszeit

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18:00 17.12.2019
Weihnachtsstollen in der Wüste: Innungsbäcker Matthias Grenzer hat in Mali für die Soldaten gebacken. Quelle: Elisabeth Rabe
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Rostock

Sie sind Weihnachten fernab der Heimat, in einem Krisengebiet – die Soldaten der UN-Mission „Minusma“. Um ihnen ein paar besinnliche Momente zu bescheren, hat Innungsbäcker Matthias Grenzer zwischen dem zweiten und dritten Advent seine Konditorei in Warnemünde gegen eine kleine Küche inmitten der westafrikanischen Wüste getauscht. In Gao (Mali) hat der Bäcker für die dort stationierten Soldaten Christstollen, Pfeffernüsse und Mandelgebäck gebacken.

Kekse aus der Heimat

„Ich war selbst Bundeswehrsoldat und auch über Weihnachten im Einsatz. Wenn man zu tun hat, ist man abgelenkt. Aber irgendwann kommen doch die ruhigeren Minuten, an denen man allein ist und überlegt, wie Weihnachten jetzt wohl zu Hause ist. Wenn die eine oder andere Träne dann kullert, ist das okay“, erklärt der Inhaber der Konditorei mit Café Wegner sein ehrenamtliches Engagement. In dem Krisengebiet können die Soldaten nicht einfach in den Supermarkt gehen und sich alles kaufen. „Wenn man dann einen Bäcker da hat, der frisch backt und die Kekse dann einen ähnlichen Geschmack haben wie die, die man von zu Hause kennt, fühlt man sich doch näher an der Heimat, als man es ist.“

Schon auf der Korvette Oldenburg gebacken

Der Einsatz in der Stadt Gao war bereits der zweite Besuch des Bäckers bei Soldaten, die Weihnachten nicht bei ihren Liebsten sind. Im vergangenen Jahr ging es für den 44-Jährigen nach Zypern auf die Korvette Oldenburg der Marine. „Die Idee ist bei einem Empfang zum 800-Jahr-Jubiläum der Stadt Rostock entstanden“, erklärt Grenzer. Dort sei er mit einem Marineangehörigen und dem Oberbürgermeister ins Gespräch gekommen und habe schließlich den Entschluss gefasst, die Soldaten an der deutschen Vorweihnachtsfreude teilhaben zu lassen.

Eindrücke von Matthias Grenzer in Mali

Respekt vor Soldaten und Angehörigen

„Dieses Jahr kam die Anfrage vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr, ob ich das noch einmal machen würde“, sagt Grenzer „Ich wurde gefragt, ob ich auch nach Mali gehen würde.“ Ein halbes Jahr haben die Vorbereitungen gedauert. „Ich musste gucken, ob ich ausreichend geimpft bin. In Mali kursieren alle möglichen Krankheiten“, nennt er ein Beispiel. Bedenken, in ein Krisengebiet zu reisen, hatte er nicht. „Ich habe mich im Camp bei den Soldaten relativ sicher gefühlt“, sagt er. „Meine Frau hat sich mehr Sorgen gemacht. Ich habe größten Respekt vor den Angehörigen, die hier in der Heimat alles allein wuppen und sich ständig sorgen um die Soldaten im Einsatz machen.“

Zutaten wie Rosinen und Mandeln im Gepäck

Zu den Vorbereitungen gehörte auch die genaue Planung der Backwaren. „Leider hat man vor Ort keine Gelegenheit, an Rosinen und Mandeln zu kommen – diese Zutaten gibt es nicht auf den normalen Bestelllisten der UN“, erklärt Grenzer. Die Grundzutaten des Stollens seien also von Deutschland nach Mali geflogen worden. Außerdem hat Grenzer neben Küchenutensilien auch spezielle Gewürze – unter anderem Lebkuchengewürz – im Gepäck mitgeführt. Fast hätte er dann noch einmal umplanen müssen: Auf seiner Reise von Berlin über Istanbul und den Niger ist sein Koffer verloren gegangen. „Gedanklich habe ich schon umgeplant, aber am nächsten Tag kam der Koffer dann nach“, sagt er.

Backen und Tannebaum für etwas Weihnachtsstimmung

Vor weitere Herausforderungen haben ihn die Bedingungen vor Ort gestellt. „Überall war dieser rote Staub. Das kannte ich vorher noch nicht.“ Durch die Hitze und die anstrengende Arbeit der Soldaten sei es schwierig, Weihnachtsstimmung im Camp aufkommen zu lassen. „Durch solche Maßnahmen, wie dem Weihnachtsbacken, versucht die Betreuung, das etwas aufleben zu lassen“, sagt er. In schöner Erinnerung behält er auch das Schmücken eines Weihnachtsbaumes.

Mali war nach einem Putsch Anfang 2012 und dem Aufstand bewaffneter Gruppen in eine schwere Krise geraten. Islamistische Gruppen besetzten den Norden des Landes, Anfang 2013 griffen französische Truppen ein und drängten sie zurück. Seit April 2013 gibt es den Minusma-Einsatz mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats.

Insgesamt befinden sich derzeit rund 11 000 Blauhelmsoldaten und knapp 1500 Polizisten im Auftrag der Vereinten Nationen im Minusma-Einsatz in dem westafrikanischen Land. Der Auftrag für die rund 50 beteiligten Nationen: die Stabilisierung der politischen Verhältnisse Malis. Das Hauptquartier des Einsatzes befindet sich in der Hauptstadt Bamako.

Die Bundeswehr kann sich mit bis zu 1.100 Soldaten in Mali beteiligen. Rund 850 Bundeswehrsoldaten sind in Gao stationiert.

50 Christstollen und 100 Kilogramm Kekse

Jeden Abend hat der Rostocker ab 21 Uhr in der kleinen Küche gestanden – bis fünf Uhr morgens musste alles fertig sein, da dann der normale Küchenbetrieb wieder aufgenommen wurde. Entstanden sind 50 große sowie jeweils 1,5 Kilogramm schwere Christstollen und 100 Kilogramm Weihnachtsgebäck. Dazu gehört neben Pfeffernüssen und Butter-Mandel- auch Butter-Spritz-Gebäck. Geschmacklich unterschieden sich die Backwaren allerdings von dem, was die Soldaten aus der Heimat kennen. „Normalerweise gehört an einen Stollen ordentlich Butter. Aber die gab es in Mali eher weniger, daher musste ich sparsam damit umgehen“, erklärt er. Ähnlich sei das bei den Eiern gewesen. „Die sind rar und teuer. Da musste ich ein bisschen aufpassen und improvisieren.“ Auch die Küche war nicht so ausgestattet, wie er es aus seiner eigenen Backstube kennt. „Ich hatte keine Küchenwaage, was ich vorher nicht wusste. Daher musste ich das nach Gefühl machen – per Rezept backen war also nicht möglich“, sagt der Innungsbäcker, der seit 1998 selbstständig in der Branche unterwegs ist.

Verbindung nach Hause ist wichtig

Die Aktion kam bei den Soldaten gut an. „Jeder, der mitgekommen hat, dass ich der Bäcker bin, hat sich bedankt“, erzählt er. Neben den Deutschen seien auch Rumänen, Dänen und Iren im Camp gewesen. „Für die war das auch mal etwas anderes – Stollen sind ja typisch deutsch“, sagt er.

Die Auslands-Einsätze mitten in der Weihnachtssaison seien nur möglich, da er großen Rückhalt von der Familie und seinem Team in der Konditorei habe. „Die bekommen das hier auch hin, wenn ich mal nicht in der Backstube bin“, sagt Grenzer. Er könne sich vorstellen, auch im kommenden Jahr wieder einen Teil deutscher Vorweihnachtszeit ins Ausland zu bringen. „Es reicht eine kleine Geste, um die Stimmung zu verbessen“, meint er. „Die Soldaten merken, dass die Verbindung nach Hause immer gegeben ist. Das ist wichtig.“

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Von Katharina Ahlers

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