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Rostock Kunsthandwerkermarkt: Hier stimmt sich Rostock auf Ostern ein
Mecklenburg Rostock Kunsthandwerkermarkt: Hier stimmt sich Rostock auf Ostern ein
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14:28 10.04.2019
Nele (v. r.) und ihre Freundin Liah besuchen mit deren Mutter Franziska Ahnsehl den Ostermarkt und sehen sich die gehäkelten Tiere von Christa Propp aus Dierkow an. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Stadtmitte

Dieser Frühlingsstrauß blüht ewig: Vorsichtig pflückt Marion Gärtner Keramikglockenblumen aus ihrer Tasche. Die Blütenpracht hat sich eben erst gekauft. „Sind die nicht niedlich?“ Die Rostockerin liebt Handwerkskunst. „Ich nähe und quilte selbst.“ Das hat sie mit Mirka Vaarnas gemeinsam. Heute aber sind die Beiden gespannt auf das, was andere Kreative gestaltet haben. Und davon gibt es Unmengen zu bestaunen: Bestickte Decken, sorbische Ostereier, selbstgekochte Marmeladen und Duftseifen – rund 60 Händler haben am Sonnabend im OZ-Medienhaus einen Markt aufgebaut, wie er bunter kaum sein könnte. „Wir sind extra früh hergekommen, sonst ist das Beste schon weg“, sagt Marion Gärtner. Früh dran ist Mirka Vaarnas auch mit dem, was sie gerade ergattert hat. Sie hält einen kleinen, gehäkelten Anhänger in der Hand. „Der kommt in den Adventskalender für meine Nichte.“ Die beiden Frauen haben für ihre Liebsten schon jede Menge Aufmerksamkeiten gekauft.

Seifen, Osterdeko und Marmelade – das Angebot der Händler war kunterbunt uns lockte viele Besucher an die Stände.

Eine davon stammt von einem Stand, der gerade von etlichen Kunden umringt wird. Hier bietet Christin Wissel ihre Verkaufsschlager an: schmucke Boxen und Kärtchen. Mit Papier, Tinte und Stempeln setzt sie auch Schokolade in Szene. Eine in pastelligen Karton gewickelte Tafel hat es Susann Haß angetan. „Ein Ostergeschenk für die Lehrer meiner Kinder“, verrät die Ribnitzerin. Wie man Süßes süß verpackt, hat sie von Christin Wissel gelernt. Seit fünf Jahren besucht Susann Haß die Workshops der Stempelexpertin. „Wir treffen uns einmal pro Monat. Es macht sehr viel Spaß.“ Gebastelt wird beim nächsten Kurs. „Heute bin ich nur zum Kaufen hier. Chrissy hat so schöne Sachen.“ Auf die haben es viele andere auch abgesehen. „Toll, dass alles so gut ankommt,“ freut sich Christin Wissel.

Mehr noch als mit ihrer Stempelkunst könnte Christin Wissels bei Liah mit ihrem Kettenanhänger, einem funkelnden Flamingo, Eindruck schinden. „Ich mag Glitzer“, sagt die Achtjährige und hofft das Mama ihr heute ein kleines Schmuckstück für Hals oder Handgelenk kauft. „Meine kleine Elster“, sagt Franziska Ahnsehl und lacht. Sie bummelt mit ihrem Freund, Tochter Liah und deren Freundin Nele (7) durch die menschenvollen Gänge. Der Andrang ist groß, das Angebot auch. Am Stand von Christa Propp dürfen die Mädchen mit Häkelschäfchen kuscheln. Franziska Ahnsehl hält indes Ausschau nach schönen Stoffen. „Ich nähe auch selbst sehr gern.“

Nadel, Faden und geschickte Finger sind für Rita Lettau unverzichtbares Handwerkszeug. Die Rentnerin hat im Peyotestich winzige Glasperlen zu Anhängern und Schmuck zusammengefügt. Diese bietet sie erstmals beim OZ-Kunsthandwerkermarkt an. Sie ist erst im vergangenen Jahr mit ihrem Mann von Gnoien nach Dierkow gezogen. An ihr Hobby hat sie hingegen bereits vor zwölf Jahren ihr Herz verloren. „Perlen sind meine Welt. Ohne sie könnt' ich nicht sein“, schwärmt Rita Lettau. Ihrer Leidenschaft widmet sie jede freie Minute. „Manchmal sitze ich bis zwei Uhr nachts daran oder solange bis die Hände wehtun“, plauderte sie aus dem Nähkästchen und lacht. Gut 300 Stunden Arbeit hat die Dierkowerin in ein DinA3-großes Bild gesteckt, das erst bei genauem Hinsehen preisgibt, was in ihm steckt: Die aus 27000 Perlen gestaltete „Zweisamkeit“ zeigt auf den ersten Blick einen Baum und auf den zweiten zwei Gesichter. „Da steckt mein ganzes Herzblut drin.“ Deshalb will sich Rita Lettau von diesem Werk lieber nicht trennen, alles andere an ihrem Stand preist sie dagegen mit Hingabe an. Sie selbst wird heute wohl nicht mehr zum Bummeln kommen, der nächste potenzielle Kunde kommt. Zwischendurch bleibt immerhin Zeit für einen kurzen Blick auf die Nachbartische. „Jedes Handwerk hier hat Hochachtung verdient.“

Antje Bernstein