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Rostock 16 000 Opfer abgezockt: Rostocker Ermittler sprengen weltweites Bitcoin-Betrugsnetz
Mecklenburg Rostock 16 000 Opfer abgezockt: Rostocker Ermittler sprengen weltweites Bitcoin-Betrugsnetz
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19:10 30.09.2019
Die Internet-Währung Bitcoin hat jahrelang ihren Wert immer mehr gesteigert. Damit versuchten nun Betrüger, weltweit Anleger abzuzocken – bis die Rostocker Kripo ihr Netz knackte. Quelle: Jens Kalaene/dpa
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Rostock

Ein 86 Jahre alter Rostocker hat der Rostocker Kriminalpolizei zu einem weltweiten Ermittlungserfolg verholfen: Die Internet-Spezialisten aus der Hansestadt haben ein Betrugsnetzwerk rund um die digitale Währung Bitcoin hochgehen lassen.

Rund um den Globus sollen die Kriminellen bis zu 16 000 Menschen abgezockt haben. Der Schaden dürfte nach OZ-Informationen im hohen zweistelligen Millionen-Bereich liegen. „Wir arbeiten jetzt mit Polizeibehörden weltweit daran, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen“, so die Rostocker Polizeisprecherin Yvonne Hanske.

Die Masche

Bitcoin ist ein digitales Zahlungsmittel, eine sogenannte Kryptowährung, die in den vergangenen Jahren eine enorme Wertsteigerung erfahren hat: Vor vier Jahren entsprach ein Bitcoin im Gegenwert noch rund 300 Euro, zwischenzeitlich stieg der Kurs auf über 12 000 Euro. Aktuell liegt er noch immer bei mehr als 7000 Euro.

Mit den steigenden Kursen für die Kryptowährung Gewinne zu machen – das versprachen auch die internationalen Betrüger ihren Opfern. „Die Täter boten im Internet vermeintlich hochverzinste Geldanlagen in Bitcoins oder anderen Kryptowährungen an“, so Oberstaatsanwalt Harald Nowack.

Die Masche: Zunächst wurden die Anleger dazu gebracht, kleinere Summen anzulegen – nach Polizeiangaben zwischen 250 und 500 Euro. „Um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen, täuschten die Kriminellen dann vor, dass sich der Wert der Anlage binnen weniger Tage verdoppelt habe“, erklärt Polizeisprecherin Hanske.

Am Telefon oder in Internet-Chats wurden die Opfer dann dazu gebracht, größere Summen an die Betrüger zu überweisen. So jedenfalls lief es im Fall des 86-Jährigen aus Rostock: „Er hat erst 500 Euro und dann zwei Mal fünfstellige Summen überwiesen“, so Hanske gegenüber der OZ. Als der Senior dann sein Geld samt der Gewinne zurückhaben wollte, reagierten die Betrüger nicht mehr.

Die Ermittlungen

Der Rostocker schaltete als einer der ersten Betroffenen die Polizei ein – und löste damit ein weltweites Ermittlungsverfahren aus: In Rostock übernahmen die Abteilung Cybercrime der Staatsanwaltschaft und die Computerspezialisten der Polizeiinspektion den Fall. „Wir haben vor einigen Jahren auch Quereinsteiger aus der IT-Branche für den Polizeidienst angeworben“, sagt Hanske. „Das sind echte Experten im Netz und am Computer. Den Kollegen macht so schnell niemand was vor.“

Die Rostocker Internet-Fahnder setzten zum Gegenschlag an, hackten sich in die Datenbanken der Betrugsseiten und konnten so die Daten von 16 000 Geschädigten aus aller Welt ermitteln. „Allein in Deutschland gibt es 4000 Opfer“, sagt Hanske. Die gesamten Ermittlungen im Netz lagen in den Händen eines Kripo-Fachmanns: Wochenlang habe er am Rechner in der Hansestadt gesessen, um die Betrüger ausfindig zu machen und ihre Seiten zu infiltrieren.

In den vergangenen Tagen wurden die 4000 Deutschen allesamt von der Rostocker Polizei angeschrieben – per E-Mail. „Wir haben die Menschen darauf hingewiesen, kein weiteres Geld zu investieren und sich bei uns zu melden. Viele Anleger haben sich sogar für den Hinweis bei uns bedankt.“ Die Polizei habe eine riesige Resonanz.

Die Täter

Um welche Internet-Seiten und -Plattformen es sich konkret handelt – dazu wollen bisher weder Staatsanwaltschaft noch Polizei etwas sagen. Die Seiten sind nach OZ-Informationen noch im Netz zu finden, die Täter versuchen weiterhin, neue Opfer für ihre Bitcoin-Abzocke zu finden. „Die Seiten werden vom Ausland aus betrieben“, erklärt Hanske. Mit Polizei-Behörden weltweit arbeiten die Rostocker nun daran, die Seiten vom Netz nehmen zu lassen und die Hintermänner zu ermitteln. Wann und wo die Täter dann vor Gericht gestellt werden, sei noch offen.

Polizeisprecherin Hanske warnt angesichts des Falls erneut vor Geldanlagen im Internet: „Bei versprochenen hohen Renditen sollten die Verbraucher immer erst mal vorsichtig sein – und sich bei ihren Banken und Verbraucherzentralen vorab erkundigen.“

Kyrptowährungen

Kryptowährungen sind Währungen, die nur in der digitalen Welt existieren. Die erste und bis heute bekannteste dieser Währungen ist der so genannte Bitcoin. Er kann und wird größtenteils unabhängig von Banken direkt zwischen den Nutzer gehandelt. Im Gegensatz zu „normalen“, staatlichen Währungen müssen für Kryptowährungen keine Gegenwerte hinterlegt sein (zum Beispiel Goldreserven bei den nationalen Notenbanken). Sie unterliegen auch nicht der Aufsicht der Notenbanken. Deutschland hat den Bitcoin nicht offiziell als Zahlungsmittel anerkannt. Nutzer versprechen sich von den Kryptowährungen Freiheit gegenüber staatlichen Institutionen. Zudem sind die Zahlungen in der Währung für staatliche Stellen nicht nachvollziehbar. Neben Bitcoins gibt es inzwischen mehr als 1000 Kryptowährungen weltweit.

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