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Rostock Rostocker Forstamt: Wolfsvideo ist definitiv nicht von hier
Mecklenburg Rostock Rostocker Forstamt: Wolfsvideo ist definitiv nicht von hier
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17:21 09.11.2018
Bis zu fünf Wolfsrudel leben nach jüngsten Angaben in MV. Das sind offiziell etwa 30 bis 40 Tiere. Quelle: dpa
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Rostock

Ein spektakuläres Video kursiert unter Jägern in Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem im Raum Rostock wird der Clip massiv geteilt. Zu sehen ist ein Rudel Wölfe mit sechs Tieren, die über einen breiten Waldweg jagen. Aufgenommen wurde das Video von einem Hochsitz. Wo der sich befindet, ist jedoch nicht zu erkennen. Mehrere Jäger bringen den Clip mit Rövershagen (Landkreis Rostock) und der Rostocker Heide in Verbindung, allerdings ist die ursprüngliche Quelle nicht identifizierbar.

Auch Revierförster in der Rostocker Heide kennen die Aufnahmen. Der Leiter des Rostocker Stadtforstamtes, Jörg Harmuth, sagt: „Das ist definitiv kein Hochsitz bei uns und da bin ich bin mir relativ sicher, auch nicht bei unseren Nachbarn.“ Harmuth geht aber sehr wohl davon aus, dass in der 6000 Hektar großen Rostocker Heide, im Gelbensander Forst und anderen angrenzenden Privatwäldern zwischen Rostock und Klockenhagen bis zum Darßwald Wölfe leben. Die Wälder dort „bieten sich dafür sehr gut an“.

Mehrere Wolfssichtungen nahe Rostock

Mecklenburger Jäger hatten in den vergangenen Wochen in der Nähe der Rostocker Heide mehrfach Wolfsspuren gefunden. So hat ein Jagdpächter im August bei Kloster Wulfshagen beobachtet, wie ein Wolf ein Rehkitz gerissen hat. Die Beute habe er aber nicht sofort gefressen, sondern in den Wald geschleppt. „Das könnte bedeuten, dass damit Junge versorgt werden sollten“, meint Ansgar Kurp, Inhaber des Gestüts Nordvorpommern in Kloster Wulfshagen. Im Billenhäger Forst (ebenfalls Landkreis Rostock), etwa 15 Kilometer von der Rostocker Heide entfernt, hat es ebenfalls Wolfssichtungen gegeben, die auch dem Schweriner Agrarministerium bekannt sind.

Anfang August hatte es auf einer Weide bei Blankenhagen einen Wolfsangriff auf eine Schafherde gegeben, bei dem 15 Schafe gerissen und zehn weitere Tiere verletzt wurden. Die Weidmänner schlussfolgern daraus, dass sich in der Region Rostock ein Wolfsrudel angesiedelt hat. Es wäre das nördlichste in Mecklenburg-Vorpommern. Gestütschef Kurp macht sich nach den aktuellen Ereignissen Sorgen um seine Pferde. Rund 50 Pferde hält er auch im Winter auf der Koppel. „Wölfe würden die Pferde vielleicht nicht anfallen“, sagt Kurp. „Aber sie können sie so stark beunruhigen, dass sie ausbrechen.“ Dass Wölfe sich schnell vermehren und ausbreiten, werde unterschätzt, meint der diplomierte Forstwissenschaftler. Wenn nichts unternommen werde, „verlieren wir die Kontrolle.“

Noch nie so viele getötete Tiere wie 2018

Bis zu fünf Wolfsrudel mit insgesamt mindestens 30 bis 40 Tieren leben derzeit in MV. Nachgewiesen wurden sie bisher an der Grenze zu Polen in der Region Anklam sowie im südlichen Mecklenburg an der Landesgrenze zu Brandenburg.

Nach gestern aktualisierten Zahlen des Schweriner Agrarministeriums wurden 2018 in MV bereits mehr als 140 Schafe, Rinder und andere Nutztiere von Wölfen gerissen, so viele wie noch nie. Zuletzt war am 31. Oktober eine Schafherde in Südwestmecklenburg betroffen, in der mehr als 50 Schafe getötet oder schwer verletzt wurden. Bauern- und Schafzuchtverbände fordern von der Bundesregierung verbindliche Regelungen für Wölfe.

Auf einem Bürgerforum mit Innenminister Lorenz Caffier (CDU) am Donnerstag in Löcknitz (Vorpommern-Greifswald) hatte ein Bürgermeister große Probleme der Tierhalter mit Wölfen und mit Bibern geschildert. „Ich möchte nicht erleben, dass erst ein Mensch angefallen wird“, meinte Caffier. Es werde Zeit, die „Entnahme der Tiere“ verbindlich zu regeln. Agrarminister Till Backhaus (SPD) hatte mehrfach Regeln verlangt, um Wölfe zu erlegen.

EU beschließt: Bauern werden zu 100 Prozent entschädigt

Indes wurde am Freitag bekannt, dass Bauern künftig Investitionen zum Schutz vor Wölfen zu 100 Prozent vom Land finanziert bekommen. Bisher konnten die Halter von Weidetieren wie Schafen und Rindern nur bis zu 80 Prozent der Kosten etwa für wolfssichere Zäune oder Herdenschutzhunde vom Staat ersetzt bekommen.

Backhaus sagte auf der Umweltministerkonferenz in Bremen, die am Freitag zu Ende ging, die Rückkehr des Wolfes sei ein großer artenpolitischer Erfolg. Die Erfolgsgeschichte könne aber nur fortgeschrieben werden, wenn es gelinge, gesellschaftliche Akzeptanz für den Wolf zu finden. Das sei in den betroffenen Regionen und bei den Weidetierhaltern nicht der Fall. Bis zur nächsten Umweltministerkonferenz sollte daher die von allen Bundesländern geforderte rechtssichere Grundlage zum Töten von problematischen Wölfen geschaffen werden. Er äußerte sich zuversichtlich, dass die Entscheidung der EU-Kommission dazu beitragen wird, Wolfskritiker und Wolfsfreunde ein Stück näher zusammenzubringen und mehr Akzeptanz für den Wolf zu schaffen.

80 ehrenamtliche Wolfsbetreuer in MV

Neu ist laut Ministerium auch, dass künftig indirekte Schäden wie die Behandlungskosten gerissener Tiere oder die Arbeitskosten bei der Suche versprengter Tiere nach einem Angriff entschädigt werden können. Nicht ausgeglichen werde dagegen der zusätzliche Arbeitsaufwand, zum Beispiel für das Aufstellen von Zäunen. Backhaus kündigte an, die in Mecklenburg-Vorpommern geltende „Förderrichtlinie Wolf“ auf Basis der EU-Entscheidung zu novellieren.

Mehr als 80 ehrenamtliche „Wolfsbetreuer“, meist Förster, Jäger, Naturschützer, unterstützen das Wolfsmonitoring in Mecklenburg-Vorpommern. Sie registrieren gemeldete Sichtungen und dokumentieren als Riss-Gutachter Übergriffe auf Haus- und Nutztiere. Das Schweriner Agrarministerium bittet, alle Wolfssichtungen zu melden. Informationen (Fotos, Videos) nimmt der Koordinator des Wolfsmonitorings, Norman Stier (stier@forst.tu-dresden.de) entgegen. Hinweise bei Wolfsverdacht können auch auf der Internetseite www.wolf-mv.de unter dem Schlagwort „Monitoring“ gegeben werden.

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Elke Ehlers

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