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Rostock Gute Chancen für herzkranke Kinder
Mecklenburg Rostock Gute Chancen für herzkranke Kinder
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11:56 19.10.2018
Dr. Georg Bartolomaeus – hier am Ultraschallgerät – arbeitet als Kinderkardiologe in Rostock. Quelle: C. Rödel/K. Bülow
Südstadt

Von hundert Kindern, die im Rostocker Südstadtklinikum das Licht der Welt erblicken, hat im Schnitt eines einen Herzfehler – eine Zahl, die sich seit langem unverändert hält, so Dr. Volker Schmidt, Oberarzt und Kardiologe in der Neugeborenenstation. Was sich dagegen deutlich verändert habe, das seien die Behandlungsmöglichkeiten für junge Herzpatienten. Meist stellen die Mediziner Herzfehler schon bei der Feindiagnostik, also der großen Ultraschalluntersuchung ab der 19. Schwangerschaftswoche, fest, so dass sie während der Geburt bei Bedarf sofort eingreifen können.

Darüber hinaus hat die Südstadtklinik schon früh das mittlerweile obligatorische sogenannte Pulsoxymetriescreening eingeführt, eine Methode, bei der über einen Sensor am Fuß jedes neugeborenen Babys die Sauerstoffsättigung im Blut gemessen wird. Dr. Dirk Manfred Olbertz, Chefarzt der Abteilung für Neonatologie, erklärt: „Liegt die Sauerstoffsättigung unter 95 Prozent, dann bedeutet das, dass wir genauer hinsehen müssen.“ Prinzipiell allerdings beruhigt er: „Die meisten angeborenen Herzfehler führen tatsächlich gar nicht zu großen Beeinträchtigungen. Kinder können ganz viel kompensieren.“

Diagnose Herzfehler: Herausforderung für Eltern und Kind

Besteht doch Handlungsbedarf, dann werden die Babys entweder direkt in eines der großen Herzzentren in Kiel oder Berlin oder aber an Dr. Georg Bartholomaeus in Rostock Lütten Klein weiter überwiesen. Auch Kleinkinder, die in den Kinderarztpraxen durch Luftnot, verminderte Leistungsfähigkeit oder Herzgeräusche auffallen, kommen zur genaueren Untersuchung zu ihm. Echokardiografie, also Ultraschall des Herzens, Belastungstests auf dem Fahrrad, Elektrokardiografie, also die Aufzeichnung der elektrischen Aktivität des Herzens… der Facharzt hat eine Reihe von Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung.

Das Wichtigste allerdings ist in seinen Augen, ganz einfach gut zuzuhören. Wo genau liegen die Beeinträchtigungen? Wo liegen die Probleme in der Schule oder in der Familie? Welche Unterstützung brauchen die Kinder – und wie schafft man es, den Eltern Mut zu machen, die mit der Diagnose Herzfehler oft erst einmal hilflos sind? Fragen wie diese lassen sich seiner Erfahrung nach am besten im Gespräch klären. Und auch wenn ärztliche Leistungen dieser Art im deutschen Gesundheitssystem eher mager bezahlt werden, stellt er klar: „Wenn man diesen Beruf mit Leidenschaft ausübt, dann gehört das einfach dazu – für die anderen draußen im Wartezimmer bedeutet das zugleich, dass sie manchmal etwas mehr Geduld mitbringen müssen. So ist das eben.“

Wissenschaftler entwickeln mitwachsende Herzklappen

Alles, was ambulant machbar ist, erledigt Dr. Georg Bartolomaeus direkt in seiner Praxisgemeinschaft in Lütten Klein, sobald aber z. Bsp. Herzkathetereingriffe oder Operationen notwendig werden, überweist er die Kinder an das Deutsche Herzzentrum und an die Charité in Berlin. Er ist froh: „Was die Medizintechnik in diesem Bereich angeht, ist gerade unglaublich viel in Bewegung.“ Während Kinder früher oftmals versorgt wurden wie kleine Erwachsene, sei inzwischen klar, dass sie in vielen Fällen ganz andere Bedürfnisse haben.

Ein wesentlicher Unterschied: Sie wachsen. Die Wissenschaft sei darum unter anderem gerade dabei, mitwachsende Herzklappen zu entwickeln und Stents, also Gefäßstützen, die sich nach einer Weile selber wieder auflösen. Ein ganz neues Fachgebiet, das erst vor kurzem entstanden ist: die EMAH-Kardiologie, eine Subspezialisierung, die sich mit der Betreuung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern befasst. Früher sind Patienten mit komplexen Herzfehlern oft jung gestorben. Heute sind die medizinischen Möglichkeiten so gut, dass sie trotz ihrer Krankheit alt werden können.

„Es ist völlig klar, dass es in einem Flächenland wie unserem schwierig ist, ein Herzzentrum mit allen Möglichkeiten zu betreiben.“

Um sie behandeln zu können, werden nun Spezialisten gebraucht – von denen es nach Einschätzung von Dr. Bartolomaeus in Mecklenburg-Vorpommern viel zu wenige gibt. Er ist überzeugt: „Wir reden nicht von wenigen Patienten in Deutschland, sondern langfristig von einer sehr großen Zahl.“ Bartolomaeus ist einer von nur zwei niedergelassenen Kinderkardiologen in Mecklenburg-Vorpommern. Neben ihm gibt es eine weitere Kollegin in Neubrandenburg; außerdem die Zweigstelle einer Kinderkardiologischen Praxis aus Lübeck in Wismar.

Ob das ausreicht? Der Mediziner relativiert: „Dort, wo es keine niedergelassenen Spezialisten gibt, übernehmen in Kliniken tätige Kinderkardiologen im Rahmen von Ermächtigungen auch die ambulante Versorgung.“ Das erfolge zur Zeit in Schwerin, Greifswald, Stralsund, in Demmin und in Bergen auf Rügen. In Rostock sei die Lage etwas schwieriger, nachdem die Universitätskinderklinik vor mehr als zehn Jahren ihre Kardiologie geschlossen hat. Bartolomaeus bedauert: „Es ist völlig klar, dass es in einem Flächenland wie unserem schwierig ist, ein Herzzentrum mit allen Möglichkeiten zu betreiben. Was mir in Rostock aber fehlt, ist eine konservative Kinderkardiologie in der Klinik.“

Verbesserung der kinderkardiologischen Versorgung in Rostock

Die aber gäbe es nur für die Neugeborenen in der Südstadtklinik, nicht aber für Kinder und Jugendliche. Für die ambulante Versorgung bedeutet das: wenn Dr. Bartolomaeus Urlaub hat, findet eine ambulante Versorgung der jungen Patienten bisher nicht statt. Um Abhilfe zu schaffen, versuchte er lange, einen zweiten Kollegen mit in die Praxis zu holen. Schließlich fand sich ein erfahrener Kinderarzt, der zunächst am Deutschen Herzzentrum in Berlin und dann in der Praxis von Dr. Bartolomaeus eine Weiterbildung im Schwerpunkt Kinderkardiologie absolviert hat.

Sein Chef atmet auf: „Wir warten jetzt auf einen Prüfungstermin bei der Ärztekammer und auf die Entscheidung des Zulassungsausschusses, in der Hoffnung, dieses Weiterbildungsprojekt dann in der Praxis für eine Verbesserung der kinderkardiologischen Versorgung im Raum Rostock umsetzen zu können.“

Katja Bülow

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