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Rostock Rostocker Kulturszene: So wollen Mau, Jaz und Peter-Weiss-Haus durch die Krise kommen
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Rostocker Kulturszene: So wollen Mau, Jaz und Peter-Weiss-Haus durch die Krise kommen

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19:57 15.05.2020
Im Peter-Weiss-Haus passiert in der Corona-Krise trotzdem viel. Quelle: Philipp Boddien
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Rostock

Auch Rostocker Kulturstätten leiden unter der Corona-Krise. Neben Veranstaltungsabsagen und Kurzarbeit gibt es aber auch viele Ideen und Initiativen, um die Krise zu überstehen. Die OZ hat mit Thomas Fanter vom Mau-Club, Stefanie Reh vom Jaz e.V. und Christoph Schultz vom Peter-Weiss-Haus über die aktuelle Situation gesprochen, was gerade hinter den Kulissen passiert und wie die Menschen die Rostocker Hotspots unterstützen können.

Seit Mitte März sind fast alle Aktivitäten im Peter-Weiss-Haus eingestellt. „Die Akteure im Peter-Weiss-Haus verfügen über vergleichsweise wenige Rücklagen und können umfassende Einnahmeverluste nur über einen sehr begrenzten Zeitraum kompensieren. Obwohl viele Maßnahmen ergriffen wurden, fallen durch Betriebskosten und Personal Kosten an“, so Schultz. Doch die Mitglieder sind auch voller Hoffnungen, weil viele Menschen ihre Hilfe anbieten.

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Fast 40 000 Euro in 18 Tagen

Seit knapp vier Wochen läuft jetzt das Crowdfunding-Projekt über die Plattform „Startnext“. Dabei sind schon knapp 40 000 Euro zusammengekommen. „Von dieser Masse waren auch wir sehr überrascht“, so Christoph Schultz vom Peter Weiss Haus e.V.. Leute können spenden oder „Dankeschöns“ kaufen, um Projekte zu unterstützen. Das Besondere an der Kampagne ist die Vielfalt. „Wir haben uns als Hausgemeinschaft bewusst dafür entschieden, dass wir gemeinsam eine Kampagne auf den Weg bringen. Dabei wollen wir die Diversität des Hauses abbilden, die wir erhalten wollen“, so das Mitglied.

Und so kamen über 80 verschiedene Dankeschöns zusammen. Von einem Gutschein für Kaffee und Kuchen für fünf Euro, bis hin zu einer großen Party im Saal für 1500 Euro. Es gibt auch DJ-Workshops, Kunstwerke, eine 10er-Karte Lieblingsbier oder einen Nähkurs zu kaufen.

Besondere Dankeschöns sind die Aktionen und Gegenstände, die es sonst nicht gibt: „Wie beispielsweise die exklusive Führung durch den Tiefkeller des PWH, der sonst für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist oder Werke von Künstlern, die teilweise Unikate sind. Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis zum 20. Juli.

Vernetzung mit anderen Clubs

Im Rostocker MAU Club wird in der Corona-Krise vieles instand gesetzt. Quelle: Thomas Fanter

Die Mitarbeiter im Mau-Club seien hauptsächlich damit beschäftigt, Veranstaltungen zu verlegen und neue zu planen, so Thomas Fanter, Booker und Produktionsleiter des Mau. „Außerdem setzen wir unseren Club und unsere Technik instand und vernetzen uns mit anderen Clubs“, erzählt Fanter über die Krisensituation.

Der Verband Kulturwerk e.V. wurde von Clubs des Landes gegründet, um sich zu vernetzen und zu unterstützen. Mittlerweile sind schon über 20 Clubs des Landes beteiligt. „Es gibt einmal in der Woche einen Stream, in einem der Clubs und es werden Spenden gesammelt über better place“, sagt Fanter.

Die Coronakrise trifft den Veranstaltungsort am Rostocker Stadthafen hart: „Bis zum 31. August verlegen wir insgesamt 60 Shows.“ Sie seien dankbar, dass die Kulturförderung der Stadt die Krise ein wenig abfedert, aber der hohe Eigenanteil von ca. 65 Prozent sei momentan nicht zu stemmen, so der Booker. Die Mitarbeiter des Clubs sind in Kurzarbeit: „Wir waren die Ersten, die schließen mussten, und sind wahrscheinlich die Letzten, die wieder aufmachen dürfen“, sagt der Produktionsleiter des Mau-Clubs, der von einer schrittweisen Öffnung ausgeht.

Am Dienstag startet das Crowdfunding vom Mau-Club

Darauf bereitet sich das Mau aktuell vor. Außerdem ist eine Startnext-Kampagne geplant. „Wir haben uns verschiedene Modelle ausgedacht. Das Kleinste ist eine freie Spende von fünf Euro, das Größte ist eine Jahreskarte für Veranstaltungen, die man sich sogar teilen kann“.

Stefanie Reh ist im Vorstand des Jaz e.V. in Rostock (Jugend Alternativ Zentrum) und kümmert sich um die Verwaltung. „Wir haben den Corona-Blog auf unserer Internetseite eingerichtet, um die Leute zu informieren, was bei uns gerade läuft,“ erzählt Reh. „Das Jaz wird zu 60 Prozent durch die Hanse- und Universitätsstadt Rostock für Projektbezogene Jugendarbeit gefördert. Die verbleibenden 40 Prozent erwirtschaften wir durch Einnahmen von kulturellen Angeboten.“

Mitmachaktionen und Spenden

Lars leitet eigentlich die VoKü (Volksküche) im Jaz e.V. Quelle: JAZ e.V.

Weil ihre Rücklagen fast aufgebraucht sind, entwickeln die Ehrenamtler Konzepte: „Wir überlegen, ob wir in unserem Hof einen Biergarten aufmachen.“ Ein Crowdfunding ist noch nicht geplant: „Wir wollen es aus eigener Kraft schaffen“, erklärt Stefanie Reh. Sie habe angefangen, Rezepte von der VoKü als Youtube-Video hochzuladen und die Töpferwerkstatt hat Videos online gestellt, wie man mit Salzteig arbeitet.

Für das Projekt „Briefe der Freude“, hat das Jaz dazu aufgerufen, Briefe zu schreiben und Bilder zu malen: „Diese haben wir an das Pflegeheim Rose, das Warnowschlösschen und das Maria-Martha-Haus weitergegeben.“

Jetzt wollen sie dazu aufrufen, Schutzmasken für Kinder und Erwachsene zu nähen. Außerdem ist das Jaz Mitglied im Kulturwerk e.V. „Der Livestream am 23. Mai wird bei uns im Jaz stattfinden“, so Ehrenamtlerin Stefanie Reh. Wer helfen möchte, kann dem Jaz Geld Spenden. (Spendenkonto vom Jaz: IBAN: DE11 2003 0000 0015 0888 56, (SWIFT) BIC: HYVEDEMM300) „Wir freuen uns über Spenden und können auch eine Spendenbescheinigung ausstellen“, so Reh.

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Von Nora Reinhardt

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