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Rostock Rostocker Marteria-Denkmal: Jetzt spricht der Erbauer
Mecklenburg Rostock Rostocker Marteria-Denkmal: Jetzt spricht der Erbauer
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11:02 31.07.2019
Der Rostocker Künstler, der sich Roxxy nennt, hat das Denkmal für Marterias Alter Ego Marsimoto geschaffen. Er selbst bleibt aber lieber im Hintergrund. Quelle: Claudia Labude-Gericke
Rostock

Verwunderung in der Rostocker Innenstadt: Still und heimlich wurde am Kröpeliner Tor ein neues Denkmal aufgestellt. Die 130 Zentimeter große Skulptur zeigt einen Mann mit Turnschuhen, Kapuzenpullover und Maske. Während viele Passanten rätseln, wer mit dieser Skulptur geehrt wird, haben Musikfans gleich eine Ahnung: Es ist Marsimoto – eine Kunstfigur, die vom Rostocker Rapper Marten Laciny alias Marteria erfunden wurde.

Am Kröpeliner Tor in Rostock ist seit der Nacht zu Sonntag eine Statue von Marterias Alter Ego Marsimoto zu sehen. Entworfen hat sie ein Rostocker Künstler, aufgestellt hat er sie heimlich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion.

+++ Enttäuschung nach nur zwei Tagen – Marteria-Denkmal in Rostock geklaut +++

Das Werk ist aber weder eine Auftragsarbeit der Hansestadt noch eine PR-Aktion des Rappers. „Ich hab es einfach aus Spaß an der Freude erschaffen“, sagt ein junger bärtiger Mann, der sich „Roxxy“ nennt und auf seinem Instagram-Profil auch über die Entstehung der Statue berichtet.

In einer Nacht- und Nebelaktion aufgestellt

Mit seinem Bruder und einer Sackkarre habe er die Skulptur in der Nacht zu Montag ans Kröpeliner Tor gebracht. Dort stand seit rund einem Jahr ein leerer Sockel. Die „Blumenmädchen“-Figur, die bisher an diesem Aufgang zu den Wallanlagen stand, war im Juni 2018 aufgrund mangelnder Standfestigkeit entfernt worden.

Nun wird ihr Untergrund für die Marsimoto-Skulptur genutzt. „Irgendwie ist es eine Form von umgedrehtem Vandalismus: Ich fand den leeren Sockel schade und habe lange überlegt, welchem Rostocker ich da ein Denkmal setzen könnte“, sagt Roxxy.

Erste Wahl war ein Abbild von Till Lindemann

Erst hätte der Metal-Fan an eine Skulptur von Till Lindemann gedacht. Doch den Rammstein-Sänger hat Roxxy erst kürzlich in einer eigenen Trickfilm-Reihe verewigt. „Dann kam ich auf Marsimoto, denn den finde ich wirklich saustark.“

Rund einen Monat hat Roxxy an der Skulptur gearbeitet. Auf ein hölzernes Grundgerüst wurden dann verschiedene Polyesterharze aufgebracht und diese teilweise durch Glasfasern verstärkt.

Versteigerung für guten Zweck angedacht

Auch wenn die Stadtverwaltung von seinem Kunstwerk vor der Aufstellung nichts wusste, hofft Roxxy, dass es noch etwas stehen bleiben kann. Er könnte sich vorstellen, sein Werk zu versteigern. „Auf jeden Fall für einen guten Zweck, ich denke da beispielsweise an das Rostocker Hospiz“, sagt er.

Obwohl sie ganz neu ist, haben viele Passanten die Skulptur am Montag gar nicht als etwas Besonderes wahrgenommen. Nachdem allerdings Rapper Marteria auf seinen Facebook- und Instagramseiten ein Bild des Denkmals geteilt und zum Besuch aufgerufen hatte, pilgerten einige Fans vor Ort. Roxxy selbst saß am späten Montagabend inkognito auf der Bank neben seinem Werk, um die Reaktionen der Menschen zu beobachten.

Charlene und Eric haben am Dienstagmorgen extra einen Abstecher zum Denkmal gemacht. Die beiden Berliner waren im Urlaub in Rostock. „Wir haben früh im Internet davon gelesen, dass es dieses Denkmal gibt und sind direkt nach dem Auschecken hingefahren“, sagt Eric. Er war schon bei Marsimoto-Konzerten, ist dafür eigens nach Dresden gereist. Nun macht das Paar Erinnerungsfotos am Denkmal, bevor ihre Urlaubsfahrt beide weiter nach Stralsund führt. „Ich finde das supercool und bin neugierig, wer es gemacht hat“, sagt Charlene, bevor sie wieder aufbrechen.

Die beiden Berliner Charlene und Eric sind Marsimoto-Fans und extra zum Denkmal gekommen. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Die am Denkmal abgelegten Blumen stammen von Freddy Voss. Der Rostocker findet die Marsimoto-Statue zwar ganz okay, hätte aber lieber das originale Kunstwerk zurück. „Bis dahin gibt es statt Mädchen mit Blumenstrauß nun eben den Jungen mit Blumen“, sagt Voss, während er seinen Strauß ablegt.

Freddy Voss aus Rostock legt am neuen Marsimoto-Denkmal Blumen aus seinem Garten ab. Quelle: Claudia Labude-Gericke

Studentin Vivian Krumrich (22) aus Hamburg, die Urlaub in Kühlungsborn macht, hat von der Statue in den sozialen Medien erfahren. Sie wollte das Denkmal unbedingt in echt sehen.

Studentin Vivian Krumrich aus Hamburg wollte das Denkmal unbedingt in echt sehen. Quelle: Dietmar Lilienthal

Marteria bedankt sich mit Konzertkarten

Rapper Marteria selbst ist gerade im Urlaub und kennt „sein“ Denkmal bisher nur von Bildern. „Sein Bandkollege Pete Boateng war aber durch Zufall im Urlaub in Rostock und ist direkt hingefahren, um das Kunstwerk anzuschauen und Fotos zu machen“, sagt Chris Berndt, der Manager von Marteria. „Die Geschichte finden wir natürlich wunderschön und haben Roxxy und Freunde seiner Wahl direkt zum letzten Marsimoto-Konzert beim Pangea Festival eingeladen. Als Dankeschön für diese Aktion“, so Berndt weiter.

@marsimoto 💚 #denkmal

Gepostet von Pete Boateng am Montag, 29. Juli 2019

Jetzt hofft auch das Team des Rappers, „dass die Stadt die Aktion auch supportet und das Kunstwerk noch etwas stehen bleiben kann. Anschließend würden wir es gerne zusammen mit dem Künstler für einen guten Zweck versteigern“.

Anregung für ein dauerhaftes Denkmal

Aus dem Rathaus gibt es dazu positive Signale. „Das ist eine coole Aktion und eine schöne künstlerische Intervention“, sagt Michaela Selling, die Leiterin des Rostocker Kulturamtes. Dennoch: „Dauerhaft wird das Kunstwerk dort leider nicht bleiben können, denn bis zum vierten Quartal soll an der Stelle wieder die Plastik ‚Blumenmädchen‘ in neuer, sicherer Verankerung aufgestellt werden“, sagt Selling.

Dichter, Maler, Feldherren: In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zahlreiche berühmte Persönlichkeiten, denen Denkmäler gewidmet wurden.

Sie sei sehr daran interessiert, mit dem Künstler des Marsimoto-Denkmals in Kontakt zu kommen – und wer weiß, vielleicht wird der Rostocker Rapper Marteria in seiner Geburtsstadt irgendwann mit einem dauerhaften Denkmal verewigt. So wie Spielmannopi Michael Tryanowski, der sich 2014 zeitgleich mit dem Rapper ins Ehrenbuch der Hansestadt eintragen durfte.

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Claudia Labude-Gericke

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