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Rostock Rostocker Nabu stellt sich gegen Hafen-Ausbau
Mecklenburg Rostock Rostocker Nabu stellt sich gegen Hafen-Ausbau
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13:30 27.01.2019
Kleine Umweltschützer: Während ihre Eltern den Fachvorträgen beim Naturschutztag lauschten, stanzten die Schwestern Merle (8, links) und Ena (5) Vögel in Papier.
Kleine Umweltschützer: Während ihre Eltern den Fachvorträgen beim Naturschutztag lauschten, stanzten die Schwestern Merle (8, links) und Ena (5) Vögel in Papier. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Für Rostocks Naturschützer hat das Jahr 2019 mit einer richtig guten Nachricht begonnen – den beiden Sturmfluten gleich nach Neujahr sei Dank: Während viele Anwohner des Stadthafens und auch in Warnemünde bange Stunden durchlebten, eroberte sich bei Markgrafenheide die Natur ein besonderes Biotop zurück. „Die Ostsee hat die Düne zum Hütelmoor durchbrochen“, berichtet Ralph Emmerich, Co-Vorsitzender des Naturschutzbundes Mittleres Mecklenburg (Nabu) in Rostock. „Das ist ein absolut positives Beispiel für gelungenen Landschaftsschutz in unserer Region.“ Anderenorts sähe es aber längst nicht so gut aus.

Tagung in der Uni

Am Wochenende kamen mehr als 100 Umweltfreunde zum jährlichen Naturschutztag des Nabu auf den Südstadt-Campus der Rostocker Uni. „Diesen Tag richten wir seit mehr als zehn Jahren aus. Immer am letzten Januar-Wochenende“, sagt Emmerich, 49 Jahre alt und studierter Umweltingenieur. Die Nabu-Mitglieder, Experten aus dem Bereich Bio-Wissenschaften der Uni und auch interessierte Bürger blicken dann zurück und ziehen Bilanz. Wie ist die Lage der freilebenden Reptilien in Mecklenburg? Wie geht es den Vögeln und Fischen? Welche Landschaften sind besonders gefährdet?

Nabu sieht viele Probleme

Emmerich könnte zu letzterem Punkt etliche Gebiete aufzählen. Natürlich, sagt er, beobachte der Nabu mit Sorge den wachsenden Flächenbedarf vor allem in Rostock. Und manchmal hätten die Naturschützer das Gefühl, dass Wohnen und Wirtschaft bei den Stadtplanern stets Vorrang hätten. Dass etwa Kleingärten geopfert werden sollen – nein, das können Landschaftsschützern nicht gefallen. Auch entlang der Warnow sehe der Nabu Probleme: „Wo selbst gesetzliche Schutzvorgaben nicht mehr eingehalten werden, müssen wir darauf hinweisen – und wirksam werden“, so Emmerich. Notfalls auch juristisch. Konkreter mag er nicht werden.

Bei der Neuaufstellung des Rostocker Flächennutzungsplanes bringe sich der Nabu stark ein. „So stark es halt mit Ehrenamtlern geht“, sagt der Co-Chef des Regionalverbandes. Der Nabu sei für eine innerstädtische Verdichtung. Soll heißen: Besser sei es, freie Baulücken in Rostock zu bebauen als ganze Flächen für neue Viertel zu planieren. „Wenn es selbst Überlegungen gibt, in Schutzgebieten zu bauen – das geht nicht!“, so Emmerich, der für die Umweltverwaltung des Landes arbeitet. Meinen dürfte er mit diesem Satz die Baupläne im Landschaftsschutzgebiet Diedrichshagen, die zwar auf Eis liegen, aber auch noch OZ-Informationen noch nicht endgültig vom Tisch sind.

Hafen contra Landschaftsschutz

Ganz oben auf der Liste jener Gebiete, die das Nabu schützen und bewahren will, stehen Radelsee, Breitling und Peezer Bach in Hohe Düne. „Diese Flächen sind durch die Hafen-Erweiterung bedroht“, so Emmerich. Der Peezer Bach etwa soll umverlegt werde. „Wir bringen uns ein und wollen uns einbringen.“ Nur: „Oft fühlen wir uns gerade in Rostock nicht ernst genommen.“ Das Problem in der Hansestadt: Rostock sei bei vielen Projekten Bauherr und Genehmigungsbehörde zugleich. „Im Landkreis läuft das anders. Wenn eine Gemeinde bauen will, kann sie das nicht allein entscheiden. Sie braucht die Zustimmung des Landkreises.“ So sei eine Kontrolle gewährleistet. In der Hansestadt, so der Eindruck des Nabu, klappe das unter dem gemeinsamen Dach „Rathaus“ nicht ganz so gut.

Küstenlandschaft ist einmalig

„Unsere Landschaft ist einmalig“, sagt Emmerich. „Die haben wir exklusiv.“ Direkt in Ufernäher der Ostsee zum Beispiel sei an keinem Ort die gleiche Salzkonzentration zu messen. „Sie ist überall anders, nimmt von Westen gen Osten ab. Je nach Salzgehalt haben sich ganz einzigartige Öko-System entwickelt. Diese Landschaft und diese Natur wollen wir auch weiterhin genießen können.“ Eines der schönsten Gebiete sei das Hütelmoor: „Das ist ein Beispiel, in dem Ehrenamtler und Behörden gut zusammengearbeitet haben.“ Die Düne war einst zum Hochwasserschutz angelegt worden. „Früher galt die Maxime, die komplette Küste zu schützen. Heute konzentrieren wir uns darauf Menschen und Werte zu schützen.“ Wenn mal ein Felder überflutet werde, sei das heutzutage akzeptabel.

Durch die Sturmfluten zu Jahresbeginn sei erstmals seit fast einem Vierteljahrhundert wieder Salzwasser ins Moor eingedrungen. „Das haben wir mit Spannung verfolgt. Die neuen Strukturen sind schon sichtbar. Nun hoffen wir darauf, dass die Flora und Fauna, die einst hier vorhanden und den Salzgehalt angepasst war, zurückkehrt“, sagt Emmerich.

Der Nabu im Mittleren Mecklenburg hat aber ein Problem mit vielen anderen Vereinen und Verbänden gemein: Viele Mitglieder sind bereits im Rentenalter. „Wir suchen dringend Nachwuchs“, sagt Emmerich.

Kontakt zum Nabu in Rostock: Telefon 0381/49 03 162, Internet: www.nabu-mittleres-mecklenburg.de

Andreas Meyer

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