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Rostock Bukows Abgang aus dem „Polizeiruf“ Rostock: Nach Hochspannung ein leiser Abschied
Mecklenburg Rostock

Rostocker "Polizeiruf": Nach Hochspannung ein leiser Abschied von Bukow

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11:25 10.01.2022
Zoran Subocek (Aleksandar Jovanovic) will an die Macht und spannt auch Alexander Bukow (Charly Hübner) ein.
Zoran Subocek (Aleksandar Jovanovic) will an die Macht und spannt auch Alexander Bukow (Charly Hübner) ein. Quelle: NDR/Christine Schroeder
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Rostock

Für Alexander Bukow (Charly Hübner) wurde es am Ende eng. Die Vergangenheit hatte ihn eingeholt. Und zwar in Gestalt von Zoran Subocek (Aleksandar Jovanovic). Der kam gerade aus dem Gefängnis zurück, um die Herrschaft in der Rostocker Unterwelt zu übernehmen. Und dazu brauchte er Bukow. Und Subocek hielt belastendes Material über Alexander Bukow und Katrin König in der Hand, das ihm im Gefängnis zugespielt worden war. Also erpresste er nicht nur Alexander Bukow, sondern dessen Kollegin gleich mit. Und das passierte zu einem Zeitpunkt, als die beiden frisch verliebten Kollegen im siebenten Himmel schwebten. Dass Bukow und König ein Paar waren, wussten inzwischen auch die Kripo-Kollegen. Einfacher wurde die Ermittlungsarbeit dadurch aber nicht.

Mord im Rostocker Milieu ruft Bukow und König auf den Plan

Derweil beschäftigte ein Mord im Rostocker „Miau“-Club die Ermittler. Die Szenegröße Andrej „Tito“ Totolew (Alexandru Cirneala) wurde ermordet, auch er war ein Anwärter auf die Vorherrschaft im Rostocker Rotlichtmilieu, mit Alexander Bukow übrigens gut bekannt. Der Mordverdacht lag zunächst beim Rockstar Jo Mennecke (Bela B Felsenheimer), der am Tatabend im „Miau“-Club aufgetreten war. Der Auftritt von Bela B als Schauspieler – er ist im Hauptberuf Sänger und Schlagzeuger der Spaßpunkband Die Ärzte – gab dem Geschehen etwas Würze. Seine Verkörperung eines abgehalfterten Musikers zeugte auch von Selbstironie.

Ermittlungen im Rostocker Kommissariat: v.l.n.r. Henning Röder (Uwe Preuss), Alexander Bukow (Charly Hübner), Volker Thiesler (Joseph Heynert), Anton Pöschel (Andreas Guenther), Katrin König (Anneke Kim Sarnau) Quelle: NDR/Christine Schroeder

Dieser Gastauftritt nahm dem Film auch etwas von seiner Schwere. Schließlich türmten sich die Probleme bei Alexander Bukow hoch auf. Derweil bekam es auch Zoran Subocek im Kampf um die Herrschaft im Rotlichtmilieu mit einem neuen Kontrahenten aus Rostock zu tun. Subocek wollte Bukow zwingen, den Widersacher zu erledigen.

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Komplexe Handlung mit vielen Rückbezügen

Eoin Moore (Buch und Regie) hatte mit Autorin Anika Wangard den letzten Rostocker „Polizeiruf“ mit Charly Hübner als spannendes Verwirrspiel angelegt. Da war bei den Zuschauern nicht nur eine hohe Konzentration gefordert, auch eine gute Kenntnis der zurückliegenden Episoden. Denn die Fehltritte von Bukow und König, die als Grundlage der Erpressung durch Zoran Subocek dienten, lagen viele, viele Episoden zurück, die TV-Ausstrahlungstermine sind einige Jahre her. Für die Drehbuchautoren war das eine interessante Herausforderung. Diese Rückbezüge machten diesen Streifen zwar spannend, aber doch ein bisschen zu komplex. Viel wichtiger war dagegen die Frage: Was wird nun aus Alexander Bukow?

Die große Frage: Bukow steigt aus – aber wie?

So traf dieser Film auf besonders hohe Publikumserwartungen. Längst war bekannt, dass Charly Hübner aussteigt und dadurch Alexander Bukow aus dem Ermittlerteam ausscheidet. Die Frage war also nur noch, wie und nicht ob. Bis zum Ausstrahlungstag hatte die ARD die Art und Weise des Ausstiegs von Bukow erfolgreich geheim gehalten. Diese Geheimniskrämerei ist wichtig bei einem Krimi, das öffentliche Interesse zeigte aber auch: Charly Hübner war einer der beliebtesten „Polizeiruf“-Ermittler.

Lina Beckmann ist die Neue

Die Schauspielerin Lina Beckmann (50) wird Nachfolgerin von Charly Hübner im Rostocker „Polizeiruf“. Sie ist sonst eher auf Theaterbühnen zu erleben, aber auch in Film- und TV-Produktionen. Neben zahlreichen Theaterrollen war Lina Beckmann im TV unter anderem in Filmen wie „Vorsicht vor Leuten“ (2015), „Magical Mystery“ (2017) oder „Altes Land“ (2020) zu sehen. Im Rostocker „Polizeiruf 110: Sabine“ spielte sie 2021 bereits Alexander Bukows Halbschwester Melly Böwe. Lina Beckmann ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg, die Schauspielerin erhielt zahlreiche Preise. Sie ist übrigens mit Charly Hübner verheiratet.

Zwei realistisch gezeichnete Hauptfiguren

Ansonsten war auch dieser Rostocker „Polizeiruf“ vom Hauptwiderspruch der lokal verorteten Krimis betroffen: Der Handlungsort war real, die handelnden Personen natürlich nicht. Die Milieus, in denen sich die Figuren bewegten, erwiesen sich als sozial schwierig bis kriminell. Die Darstellungen des Rotlichtmilieus wirken heute überholt bis klischeehaft. Aber so will es das Krimi-Genre nun mal. Selbst die Polizeikollegen wollte man nicht allzu sympathisch anlegen. Dagegen wirkte das Ermittlerpaar echt. Realistisch gezeichnete Figuren, die mit zahlreichen privaten Problemen belastet sind – Bukow und König als etwas kaputte Charaktere, die aber nie aufgeben.

Müssen den Tatsachen ins Auge blicken: Sascha (Charly Hübner) und Katrin (Anneke Kim Sarnau) Quelle: NDR/Sandra Hoever

Ermittlungen im grauen Rostock

Ein oft in Grautöne getauchtes Rostock bildete wieder die Kulisse. Als Handlungsort war die Hansestadt, außer in ein paar Luftaufnahmen, aber nur selten im Bild, den Hintergrund bildeten unter anderem das Gelände der ehemaligen Neptun-Werft, die Holzhalbinsel sowie das Steintor – im Hintergrund übrigens die OSTSEE-ZEITUNG.

Hohe Erwartungen also an Alexander Bukow bei seinem letzten Auftritt im Rostocker Ermittlerteam. So wurde der Ausgang bis zum Schluss offengelassen. Der Showdown in Kessin war hoch spannend inszeniert, hier tat Bukow, was er meinte, tun zu müssen. Ist er nun ein Mörder? Und dann war da auch die Frage: Bleiben Alexander Bukow und Katrin König ein Liebespaar? Der Heiratsantrag der Geliebten hatte zuvor falsche Hoffnungen geweckt. Denn zum Schluss quittierte Alexander Bukow den Polizeidienst – da war auch diese Liebe an Ende. Vorerst. Denn der von vielen Fans befürchtete Serien-Tod von Bukow blieb aus. Das lässt ja einige Optionen für die Zukunft.

Von Thorsten Czarkowski