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Rostock Rostocker Rockband träumt von China
Mecklenburg Rostock Rostocker Rockband träumt von China
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11:28 14.12.2017
Mögen Abenteuer und wollen auf einem der größten Rockfestivals Chinas spielen – dem „Midi-Festival: die Rostocker Band SOAB (hier bei einem Konzert im Rostocker Mau-Club).
Mögen Abenteuer und wollen auf einem der größten Rockfestivals Chinas spielen – dem „Midi-Festival: die Rostocker Band SOAB (hier bei einem Konzert im Rostocker Mau-Club). Quelle: Stephan Weidner
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Rostock

Vor kreischenden Menschen stehen und sich fühlen wie Stars? Die Rostocker Band SOAB (früher Sonuvabitch) kann hinter dieser Erfahrung einen Haken setzen. „Als wir im vergangenen Jahr in Russland getourt sind, haben die Leute bereits vor unserem Auftritt in Kaliningrad geschrien wie verrückt und haben uns gefeiert“, sagt Georg Salomon (26). „Das Publikum ist dort noch nicht so übersättigt von Live-Musik.“

SOAB sind schon durch Russland getourt / Jetzt peilen die Rocker China als Ziel an / Ein Konzert am 23. Dezember in Rostock soll die Flüge finanzieren

In Russland und Polen haben Tobias Horstmann (25, Gesang), Lennart Münchow (25, Bass), Johann Knoche (26, Gitarre), Lucas Bartels (25, Schlagzeug) und Georg Konzerte gegeben und dabei so positive Erfahrungen gesammelt, dass sie jetzt den Blick noch weiter über den Tellerrand werfen wollen. „Wir sind eingeladen worden, auf dem größten Rockfestival Chinas zu spielen“, sagt Georg – „dem Midi Festival in Suzhou“. Sollten sie diese Einladung annehmen und tatsächlich nach China fahren? „Wir haben hin- und her überlegt.“ SOAB haben zwar schon unter anderem mit Fettes Brot, Donots, SDP oder Dritte Wahl auf der Bühne gestanden, zu den Großverdienern im Musikbusiness zählen sie aber natürlich nicht und „leben“ zwar für ihre, aber nicht von ihrer Musik. „Einfach mal so für einen Festival-Auftritt nach China zu fliegen ist schon eine teure Angelegenheit“, sagt Georg. Die Jungs von SOAB aber mögen Abenteuer. Das haben sie bereits mit ihrem Russland-Trip bewiesen. „Wir wollten uns die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen und haben zugesagt.“

Nun also China. Wenn sie schon einmal da sind, wollen sie sich nicht mit einem Konzert begnügen, sondern ähnlich wie in Russland gleich eine kleine Tour mit dranhängen. „Wir werden über die Feierlichkeiten des 1. Mai am Tag der Arbeit nach China reisen, dort eine kleine Clubtour mit vier Konzerten in Shanghai, Hangzhou und Yiwu spielen und auf dem Midi Festival in Suzhou auftreten.“ Rund <QA0>20 000 Gäste werden bei dem Festival erwartet.

„Wir sind jetzt schon aufgeregt und hoffen, dass zu unserem Jahresabschlusskonzert im Zwischenbau möglichst viele Leute kommen“, sagt Georg. Da das chinesische Festival für kleinere Bands wie SOAB die Flugtickets nicht komplett bezahlt, hoffen die Jungs, den Rest mit Einnahmen aus dem Konzert finanzieren zu können. „Wenn der Club gerammelt voll ist, bekommen wir genug zusammen, um den Rest aus der Bandkasse zu bezahlen.“

Ob es ihnen in China ähnlich gut gefallen wird wie in Russland? „Es war eine stressige, aber sehr witzige Zeit“, sagt Georg rückblickend und sie hätten sich gefühlt wie Stars der Band Tokio Hotel. „Wir sind mit einem verspiegelten Bus gefahren, nach dem Aussteigen von kreischenden Leuten empfangen worden und nach dem Konzert wurde der Sänger mit Polizeischutz ins Hotel gebracht.“ Wirklich schräg, aber auch schön seien diese Erfahrungen gewesen.

Kurz vor dem Ural-Gebirge standen sie beim Festival „Rock-Line“ auf der Bühne. „Es hat heftig geregnet, war total kalt, aber trotzdem ein toller, unvergesslicher Auftritt“, sagt Georg. Die Sprachbarrieren seien zwar heftig gewesen, aber trotzdem hätten sie tolle Leute kennengelernt. „Wir haben rudimentäre Russisch-Kenntnisse und haben mit ein paar Brocken Russisch und Englisch, vor allem aber mit Händen und Füßen kommuniziert.“ Ein großes Abenteuer sei es gewesen, das ihnen Lust auf mehr davon gemacht habe. „In Russland haben wir außerdem einige Live-Auftritte von Musikern gesehen, die wir wirklich toll fanden und die uns auch inspiriert haben.“

Chinesisch beherrschen sie nicht einmal rudimentär, aber Kommunikation mit Händen und Füßen wird sie bestimmt auch hier weiterbringen.

Nele Baumann