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Rostock Spart Zeit und Geld: Rostocker Start-up bietet neue App für Steuererklärung
Mecklenburg Rostock

Rostocker Start-up bietet App für Steuererklärung kostenlos an

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09:19 11.02.2021
Smartphone statt Zettelwirtschaft: Ein Rostocker Start-up will die Steuererklärung erleichtern und vereint dafür Software und Know-how von Finanzexperten.
Smartphone statt Zettelwirtschaft: Ein Rostocker Start-up will die Steuererklärung erleichtern und vereint dafür Software und Know-how von Finanzexperten. Quelle: Antje Bernstein
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Rostock

Schon Benjamin Franklin wusste, dass im Leben zwei Dinge sicher sind: der Tod und die Steuer. Nervtötend ist die Steuererklärung, da sind sich wohl die meisten einig. Deshalb schieben viele ihre Steuererklärung so lange wie möglich vor sich her oder verzichten gleich ganz darauf. Formulare ausfüllen, Belege sammeln: Spaß sieht anders aus. Dabei kann die Steuererklärung ganz leicht sein – wenn man sie seinem Smartphone oder PC überlässt.

Das Start-up Zasta aus Rostock macht genau das möglich. Die Gründer Michael Potstada und Jörg Südkamp sowie der technische Leiter, Sven Schannak, wollen mit einer Web-App Steuerzahlern helfen, sich ohne großen Aufwand viel Geld vom Finanzamt zurückzuholen. „Zasta ist die erste Steuerberatungsplattform in Deutschland. Wir verbinden Mensch und Maschine auf effizienteste Art und Weise und haben das Beste aus virtueller Welt und analoger Profi-Expertise vereint“, erklärt Südkamp. Das lohnt sich: Im Schnitt 1000 Euro Erstattung stellt Zasta Steuerzahlern in Aussicht.

Mit wenigen Klicks zum Angebot

So funktioniert’s: Der Nutzer registriert sich mit seiner elfstelligen Steuer-Identifikationsnummer online auf www.zasta.de. Mit der ID holt sich die Software von der Finanzverwaltung Daten wie die Lohnsteuerbescheinigung oder gezahlte Sozialversicherungsabgaben und errechnet binnen drei Tagen automatisch, wie hoch die Erstattung für das jeweilige Steuerjahr ausfällt. Der Zasta-Kunde wird informiert und erhält kostenlos und unverbindlich ein Angebot für eine professionell erstellte Steuererklärung.

Willigt er ein, optimiert ein realer Steuerberater die Ausarbeitungen der Zasta-Web-App. Dafür benötigte Belege und Rechnungen können digital eingereicht werden: Der Nutzer fotografiert die Unterlagen einfach mit dem Smartphone und lädt sie im Kundenkonto hoch. Offene Fragen können per Chat geklärt werden. Gibt der Kunde abschließend sein Okay, gehen die Formulare ans Finanzamt raus.

Deutsches Steuerrecht gerecht, aber zu komplex

Die Idee zur Gründung des Fintech-Start-ups kam Michael Potstada und Jörg Südkamp 2017 bei einem Gespräch mit einem Steuerberater. Der erzählte ihnen, dass in Deutschland nur gut jeder dritte Steuerzahler versucht, sich Geld vom Fiskus zurückzuholen. Bei weiteren Recherchen fand Potstada heraus: 90 Prozent aller eingereichten Steuerklärungen erhalten einen positiven Rückzahlungsbescheid. Warum also nutzen das nicht viel mehr Menschen? Die Antwort sehen die Rostocker Unternehmer im deutschen Steuerrecht. Das sei zwar sehr gerecht, zähle aber zu den komplexesten der Welt, sagt Sven Schannak.

Kinderfreibetrag, Werbungskosten und Pendlerpauschale, dazu mehr Ausnahmen als Regeln und viel Fachchinesisch – schon beim Versuch, den Wust an Formularen zu durchsteigen und korrekt auszufüllen, geben viele genervt auf. Eine smarte Steuererklärung macht immerhin Schluss mit der Zettelwirtschaft. Digitale Angebote wie Elster gibt es bereits seit Längerem. Damit zurechtkommen muss der Anwender allerdings allein – ohne Rat vom Profi.

FAQ zur Steuererklärung für 2020: 6 Tipps, die sich für Sie auszahlen

Michael Potstada, Sven Schannak und Jörg Südkamp wollen mit Zasta die Steuererklärung smart machen. Quelle: Zasta

Corona vergrößert Kundenkreis

Zasta will seinen Kunden Zeit, Kosten sowie den Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ersparen. Das kommt an. Gut 40 000 Nutzer haben sich allein im vergangenen Jahr neu bei Zasta registriert, sagt Südkamp. Der Gründer ist sicher: 2021 wird die Web-App noch gefragter sein. Grund ist die Corona-Pandemie und deren Folgen für den Arbeitsmarkt.

Viele Beschäftigte beziehen aktuell Kurzarbeitergeld. Grundsätzlich ist die Lohnersatzleistung steuerfrei. Wer aber mehr als 410 Euro pro Jahr bekommt, sei verpflichtet, eine Steuererklärung einzureichen, erklärt Südkamp. Alles potentielle Zasta-Kunden. Um den Bedarf zu decken, stellt Zasta fortwährend ein: Softwareentwickler, Kundenbetreuer, Finanzexperten „sind bei uns willkommen“, sagt Schannak.

Mutig und innovativ: Serie stellt Start-ups vor

Start-ups stehen für kreatives Unternehmertum. Mit smarten Ideen und Mut bringen sie die Wirtschaft voran und gestalten deren Zukunft. Nicht nur Metropolen wie Berlin oder Hamburg – auch Mecklenburg-Vorpommern hat viele Start-ups zu bieten. In der neuen OZ-Serie stellen wir frisch gegründete Jungunternehmen vor und erzählen die Erfolgsgeschichten bereits etablierter Start-ups.

Partnerkanzleien bundesweit

Wie man mit Zahlen jongliert, wissen Jörg Südkamp und Michael Potstada. Die Gründer sind Betriebswirte und lernten sich an der Uni Mannheim kennen. Sven Schannak ist ITler und hat, bevor er 2020 als Softwareentwickler zum Zasta-Team stieß, schon für Rostocker Start-ups wie den Onlinehändler Gusti Leder und den Gehaltoptimierer Vyble Webanwendungen programmiert.

Für das nötige Fachwissen in Steuerfragen sorgen Experten im Unternehmen und externe Partner. Zasta arbeitet mit Steuerberatern und Anwaltskanzleien aus ganz Deutschland zusammen. Deren Klientel ist vielfältig. „Da ist alles dabei: Von 18 bis 80, vom Baggerfahrer bis Banker“, sagt Südkamp.

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Gewinn für alle Beteiligten

Besonders jene, die kein Vermögen verdienen, nehmen Zasta in Anspruch. „Für manche sind unsere Steuerberater sowas wie Robin Hoods“, sagt Südkamp, lacht und fügt hinzu: „Wir bekommen viele warmherzige Rückmeldungen. Verständlich. Für jemanden, der ein Bruttojahresgehalt von 18 000 Euro hat und dann 1000 Euro vom Finanzamt zurückbekommt, ist das eine tolle Sache.“ Aber: „Ein Wohltätigkeitsverein sind wir natürlich nicht.“ Doch die Dienstleistung von Zasta sei ein Gewinn für alle Beteiligten: Steuerzahler, Steuerberater und Start-up.

Für Zasta hat sich auch ausgezahlt, dass es 2019 einen für die Gründerszene ungewöhnlichen Weg einschlug: Das Unternehmen ist von Berlin nach Rostock gezogen. „Die Entscheidung war goldrichtig“, sagt Südkamp. „Hier haben wir viele tolle Mitarbeiter gefunden.“

Von Antje Bernstein