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Rostock Rostocker Tiertafel muss mit weniger Spenden bei größerer Nachfrage auskommen
Mecklenburg Rostock

Rostocker Tiertafel unterstützt Tierbesitzer in Not mit Futter

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07:06 01.12.2021
Nadine Eikert (30) aus Rostock mit Terriermischling Arkemi und Huskymischling Sweetheart ist Kundin und ehrenamtliche Helferin bei der Rostocker Tiertafel.
Nadine Eikert (30) aus Rostock mit Terriermischling Arkemi und Huskymischling Sweetheart ist Kundin und ehrenamtliche Helferin bei der Rostocker Tiertafel. Quelle: Gina Henning
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Rostock

„Ich habe früher ungern das Haus verlassen und mich lieber eingeigelt. Mein Arzt hat mir empfohlen, mir einen Hund zuzulegen“, erzählt Nadine Eikert. Ein Schritt, für den sie über ihren Schatten springen musste, wie sie sagt. Heute ist sie aber glücklich darüber. „Ohne Hund geht es nicht mehr“, meint die 30-Jährige. Mittlerweile hat sie die beiden Vierbeiner Arkemi und Sweetheart an ihrer Seite. Die Hunde geben ihr Halt und sorgen für Bewegung in ihrem Leben. Das helfe ihr zudem gegen ihre Rückenprobleme.

Doch die Kosten für die Tiere sind hoch, zumal die beiden Vierbeiner krank sind. Für Eikert eine Herausforderung, denn sie selbst ist arbeitsunfähig und bekam Probleme mit der Grundsicherung. Für Fälle wie diese gibt es die Rostocker Tiertafel. Der Verein unterstützt seit 2016 ehrenamtlich Tierhalterinnen und Halter mit Futter und anderen Hilfeleistungen.

Rostocker Tiertafel noch nicht bekannt genug

„Für viele Menschen sind die Tiere wichtiger als sie selbst“, sagt Jana Röper, Vorstandsvorsitzende und Schatzmeisterin des Vereins. Der hauptberuflichen Steuerberaterin fiel bei ihrem Ehrenamt bei der Rostocker Tafel auf, dass viele Essen mitnahmen, das nicht für sie, sondern für ihre Haustiere war. „Ich finde es traurig, dass gerade ältere Menschen nicht genug Geld haben, um sich ihr Tier leisten zu können“, meint Röper, die selbst Haustiere hat. So führte ihr Weg zur Tiertafel. Immer wieder merkt sie: „Es ist noch nicht zu jedem vorgedrungen, dass es uns gibt.“

Bei der Rostocker Tiertafel um Hilfe zu bitten, fiel Nadine Eikert nicht leicht. „Erst habe ich mich nicht getraut, das könnte ja peinlich sein“, gibt sie ehrlich zu. Heute ist sie froh über den Schritt. Seit zweieinhalb Jahren ist sie nun Kundin der Tiertafel. Inzwischen engagiert sie sich selbst seit etwa einem Jahr ehrenamtlich im Verein. „Ich bin flexibel und wollte mich mit einbringen“, sagt sie.

So kümmere sie sich unter anderem um Fotos und Texte für die Social-Media-Kanäle. Wer selbst helfen will, könne sich an die Tiertafel wenden. Derzeit zählt das Team 27 ehrenamtliche Mitglieder. Fast alle von ihnen seien berufstätig und unterstützen nebenbei, so weit sie können, teilt Röper mit.

Bis zu drei Tiere werden von der Tiertafel unterstützt

„Bis zu drei Tiere werden von der Tiertafel gefördert“, erzählt Eikert, die selbst zwei Hunde hat. Nachdem ihr erster Hund verstarb, konnte ihr Terriermischling Arkemi nicht allein leben. In Absprache mit der Tiertafel durfte sie sich den Huskymischling „Sweety“ dazu holen. Laut Röper werde die Notwendigkeit eines Zweithundes genau geprüft. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Eikert heute über die Begegnung der beiden Hündinnen.

Nadine Eikert (30) aus Rostock mit Terriermischling Arkemi und Huskymischling Sweetheart ist Kundin und ehrenamtliche Helferin bei der Rostocker Tiertafel. Quelle: Gina Henning

Tierbesitzer, die Unterstützung benötigen, können bei der Rostocker Tiertafel einen Antrag stellen. Erforderlich seien dafür Unterlagen, die zeigen, dass sie in einer finanziell schwierigen Lage sind. „Jeder Antrag wird einzeln geprüft“, erklärt Jana Röper. Regelmäßig müssen die Kundinnen und Kunden der Tiertafel zudem einen Nachweis über ihre Rente, Arbeitsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit erbringen. Denn bei diesen Angeboten werde auch gerne betrogen. „In der Regel bestätigten wir die Anfragen aber“, sagt sie.

Jeden zweiten Samstag im Monat ist die Ausgabe bei der Tiertafel

Auch für Nadine Eikert gab es eine positive Rückmeldung. So hat sie jeden zweiten Samstag im Monat die Möglichkeit, sich Futter für ihre Freunde auf vier Pfoten zu holen. Dann findet die Ausgabe in den Räumlichkeiten der Tiertafel in der Messestraße 20 statt, sofern es die Hygienevorschriften erlauben. Andernfalls müssen die Futterboxen draußen übergeben werden. „Wir hoffen, dass es bald wieder besser wird“, sagt Eikert. Normalerweise kommen die Ehrenamtlichen mit den Tierbesitzerinnen und Besitzern gerne bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch. Die nächste Ausgabe findet am 11. Dezember von 9 bis 12 Uhr statt.

Das Futter wird für 20 Tage im Monat berechnet. Auch auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Tierhalter geht die Tiertafel ein. So gebe es für einen Hund beispielsweise nur Spezialfutter. Das sei allerdings schwerer zu bekommen, wie die Vorstandsvorsitzende des Vereins erzählt. „Spezialfutter wird nicht gespendet“, stellt sie klar. Dies müsse häufig von Spendengeldern nachgekauft werden.

Die meisten Kisten für die Tierhalterinnen und Halter seien aber bereits fertig gepackt. Jetzt sieht es im Lager jedoch deutlich leerer aus. „Bei dem Trocken- und Nassfutter für Hunde haben wir gerade ein bisschen Leerstand“, sagt Eikert und zeigt auf die Regale, wo sich die Spenden stapeln sollten.

Lager der Rostocker Tiertafel. Bei dem Hundefutter sieht es derzeit etwas leerer aus. Quelle: Gina Henning

Corona habe die Arbeit der Tiertafel deutlich erschwert. Zum einen sei die Nachfrage gestiegen, die Spendenbereitschaft der Menschen jedoch nicht, wie Röper resümiert. Zum anderen sei es in der Pandemie schwer geworden, die Menschen zu erreichen. Waren sie zuvor auf Messen, Tierheimfesten oder Flohmärkten präsent und sind mit den Leuten ins Gespräch gekommen, falle vieles wegen der Hygienemaßnahmen nun weg.

Auch die Zahl der Hilfesuchenden sei gestiegen. „Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder psychische Belastungen“, zählt Röper die Gründe dafür auf. Etwa 30 Kundinnen und Kunden mit insgesamt um die 50 Tiere versorge die Tiertafel derzeit. Darunter nicht nur Hunde und Katzen, auch andere Kleintiere wie zum Beispiel Kaninchen werden unterstützt.

Zur Weihnachtszeit werden Wünsche erfüllt

„Wir begleiten die Tierhalterinnen und Tierhalter auch zum Tierarzt und helfen bei Notfällen finanziell aus“, sagt Röper. Zudem hat die Tiertafel auch für persönliche Anliegen und zusätzliche Fragen ein offenes Ohr. Zweimal im Monat gebe es dafür einen Sprechtag.

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Zur Weihnachtszeit dürfen sich die Tierbesitzerinnen und Besitzer außerdem etwas für ihr Tier wünschen, das sie bei der Dezemberausgabe bekommen. Was hat sich Nadine Eikert für ihre beiden Vierbeiner gewünscht? „Neue Leuchthalsbänder, damit man uns auch im Dunkeln sieht“, verrät sie.

Wer der Tiertafel etwas spenden möchte, kann dies in den Spendenboxen und Spendendosen tun, die in den Rostocker Stadtteilen oder Tierarztpraxen stehen. Sowohl Futter- als auch Geldspenden seien gern gesehen. Zudem gibt es auch eine Amazon-Wunschliste. Mehr Informationen gibt es auf der Website der Rostocker Tiertafel www.tiertafel-rostock.de.

Von Gina Henning