Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Rostocker Vater klagt: „Die Schule lässt meinen Sohn fallen“
Mecklenburg Rostock Rostocker Vater klagt: „Die Schule lässt meinen Sohn fallen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 14.05.2019
Steffen Matzke will seinem Sohn Jaroslaw helfen, einen vernünftigen Schulabschluss zu machen. Doch der Vater beklagt fehlende Unterstützung der Schule. Quelle: Moritz Naumann
Rostock

„Es kann nicht sein, dass unsere Kinder von der Schule fallen gelassen werden“, sagt Steffen Matzke. Sein Sohn Jaroslaw ist 13 Jahre alt, geht in die sechste Klasse der Störtebeker-Schule in Groß Klein und ist versetzungsgefährdet. „Ich wünsche mir, dass mein Sohn den Schulabschluss schafft und eine gute Lehrstelle bekommt. Ich will ihm helfen, so gut ich kann“, sagt der Vater. Und obwohl er im Februar die dringend notwendigen Anträge auf Leistungen für Nachhilfe und die im Sommer anstehende Klassenfahrt bei der Schule eingereicht hat, hat er diese bisher nicht wiederbekommen. „Jetzt wird mein Sohn die sechste Klasse wiederholen müssen.“

Jaroslaw lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Geboren ist der 13-Jährige in Kasachstan. Sein Vater Steffen Matzke, gebürtiger Rostocker, lernte die Mutter seines Sohnes während seiner damaligen Arbeit auf der Aida kennen und lieben. „Es dauerte nicht lange und dann kam Jaroslaw“, sagt Matzke. Jaroslaw wuchs in Kasachstan auf und wurde dort auch eingeschult. Sein Vater war aufgrund seiner Arbeit in der ganzen Welt unterwegs. „Ich hab jeden Urlaub genutzt, um bei ihnen in Kasachstan zu sein.“

Ehrenamt, Freunde und schlechte Noten

Ein beruflicher Wechsel vor sechs Jahren machte es dem Vater dann möglich: „Ich hab die Beiden zu mir nach Deutschland geholt.“ Jaroslaw kommt auf die Störtebeker-Schule im Rostocker Stadtteil Groß Klein und wird abermals in die erste Klasse eingeschult. „Die Lehrer waren der Überzeugung, sein Deutsch wäre nicht gut genug.“ Seither habe Jaroslaw sich gut eingelebt. „Er hat sich einen Freundeskreis aufgebaut und bringt sich in seiner Freizeit ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr ein“, sagt Vater Matzke.

Lesen Sie auch: Raub, Erpressung, Gewalt: Straftaten an Schulen in MV nehmen zu

Sein dortiges Engagement hat dem 13-Jährigen auch schon zu diversen Auszeichnungen verholfen – so erhielt er bereits die Feuerwehrflamme in Gold und die Rostocker Ehrenamtskarte. Denn wenn Jaroslaw Spaß an etwas habe, sei er nicht zu bremsen. Nur für die Schule sei er schwer zu motivieren. „Er kommt öfters mal zu spät, macht seine Hausaufgaben nicht vernünftig und hat in vielen Fächern schlechte Noten“, sagt Matzke. Doch wie schlecht seine Zensuren wirklich sind, weiß der Vater erst seit Anfang diesen Jahres.

Geschockt vom Notenspiegel

„Die Schule hat uns einen Notenspiegel übermittelt und ich war geschockt. Wir wurden vorher nicht gewarnt, dass es so schlecht um seine Leistungen steht“, bemängelt der Vater. Eigentlich müssen die Schüler jede Zensur von ihren Eltern gegenzeichnen lassen. Das macht Jaroslaw jedoch nur selten oder gar nicht. „Und wenn wir die Zensuren nicht gegenzeichnen, wird das lediglich im Klassenbuch vermerkt. Aber wir werden nicht in Kenntnis gesetzt.“

Lesen Sie auch: Mobbing in Crivitz: Schulleiter äußert sich erstmals

Nachdem Matzke den Notenspiegel erhielt, beantragte der Vater beim Amt für Jugend, Soziales und Asyl Leistungen für Nachhilfe und die im Sommer anstehende Klassenfahrt in das „Ukranenland“ bei Torgelow. „Bei uns sitzt das Geld nicht so locker. Und da wir Wohngeld und Kindergeldzuschuss erhalten, können wir Unterstützung für die Finanzierung von Nachhilfe und Klassenfahrten beantragen“, sagt Matzke.

„Die Schule wäre nicht zuständig“

Dafür notwendig: Formulare, die von der Schule auszufüllen sind. „Ich habe beide Anlagen im Februar eingereicht. Jetzt, nach mehr als zehn Wochen, habe ich immer noch nichts zurückbekommen.“ Und das obwohl der Vater Anfang April den Lehrer seines Sohnes dringend darum bat, die Formulare auszufüllen. „Er sagte damals, die seien noch nicht fertig.“ In der vergangenen Woche ein weiterer Versuch – direkt bei der Schulleitung: „Ich rief im Sekretariat an. Doch da hieß es, dafür wäre man nicht zuständig und dass es kein Gespräch mit der Direktorin geben werde.“

Lesen Sie weiter:
MV will mit Bustour um Lehrer werben

Nun ist es Mai, die Noten von Steffen Matzkes Sohn haben sich nicht verbessert und trotz seiner Bemühungen, Nachhilfe für seinen Sohn zu bekommen, ist noch nichts passiert. „Jetzt wird er die sechste Klasse wiederholen müssen. Und ob er mit auf die Klassenfahrt kann, ist ja auch noch nicht klar“, sagt der Vater enttäuscht. Das Amt fordert die Dokumente bis spätestens 31. Mai zurück. Die Schule hat nach OZ-Anfrage bisher keine Stellungnahme abgegeben.

Hilfe vom Stadtelternrat?

Anja Ritter vom Rostocker Stadtelternrat bestätigt aber: „Es ist die Pflicht der Schule, diese Formulare auszufüllen und Eltern dabei zu unterstützen.“ Sie selbst habe bisher noch nie davon gehört, dass es Probleme mit diesen Anträgen gegeben habe. Sollte Steffen Matzke weiterhin nichts erreichen, könne er sich jedenfalls beim Stadtelternrat melden.

Aktuelles auf
Ostsee-Zeitung.de:

Moritz Naumann

Ihr Ziel ist es, sich eine gemeinsame Stimme zu bilden: 150 Rektoren und Präsidenten aus ganz Deutschland tauschen sich bei der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) über aktuelle Diskurse aus. Die Universität Rostock ist anlässlich ihres 600-jährigen Jubiläums Gastgeber.

13.05.2019

Zum entscheidenden Heimspiel der Handballer vom HC Empor Rostock wird am Sonntag eine stimmungsvolle Kulisse in der Stadthalle erwartet. Falls Sie noch kein Ticket haben, können Sie dabei sein.

13.05.2019

Paul Kandler trifft gegen den Güstrower SC II zwei Minuten vor Schluss zum 2:1. Mit ihrem 18. Saisonsieg untermauern die Störche ihre Ambitionen auf den zweiten Tabellenplatz. Aktuell belegen sie hinter dem punktgleichen SV Teterow den dritten Rang.

13.05.2019