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Rostock Rostocker Verein hilft verzweifelten Eltern
Mecklenburg Rostock Rostocker Verein hilft verzweifelten Eltern
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22:53 27.03.2019
OZ-Lokalchef Andreas Meyer im Gespräch mit Gudrun Rahm und Prof. Gudrun Eggers (v. l.). Quelle: Ove Arscholl
Rostock

Eine Krebsdiagnose ist immer furchtbar und wirft das Leben, wie es bisher war, aus der Bahn. „Bei Kindern rüttelt sie aber an den Grundfesten der Familie, die daran auch zerbrechen kann“, sagt Prof. Gudrun Eggers. Die Rostockerin hat 39 Jahre in der Kinderklinik gearbeitet und war dort auf den Bereich Onkologie spezialisiert.

Das Schicksal der kleinen Patienten ließ sie auch nach dem Abschied aus dem Berufsleben nicht los. Als Vorsitzende des Vereins zur Förderung krebskranker Kinder hat es sich die engagierte Ärztin mit vielen Mitstreitern zur Aufgabe gemacht, Familien in diesen schweren Stunden zu unterstützen – ganz egal ob finanziell, praktisch oder durch seelischen Beistand. Über die Arbeit des Rostocker Vereins informierte die Vorsitzende am Mittwochabend beim OZ-Talk im Theater des Friedens. Andreas Meyer, Chef der Rostocker Lokalredaktion, wollte durch das Gespräch mit der Expertin auf ein Thema aufmerksam machen, „das viele Menschen nicht täglich auf der Agenda haben, was sie aber mehr beschäftigen sollte“ – denn es kann jeden treffen.

Hohe Erfolgsquote macht den Verlust von Kindern noch schwerer

Mitte der 70er-Jahre war jede Krebsdiagnose für die kleinen Patienten noch ein Todesurteil. Die Erkrankungszahlen sind laut Gudrun Eggers zwar relativ konstant, doch die Behandlung erfolgreicher. „Heute überleben etwa 85 Prozent der erkrankten Kinder. Ein Misserfolg wiegt deshalb fast noch schwerer als früher“, weiß die Professorin, wie es ihren Kollegen geht, die in der Rostocker Kinderklinik täglich mit schlimmen Diagnosen zu tun haben. „Es sind die Kinder, die einem Mut geben. Und zu sehen, wie sie kämpfen“, sagt Eggers.

Furchtbares Schicksal in etwas Sinnvolles verwandelt

Von einem besonders mutigen Jungen erzählte Gudrun Rahm. Ihr Sohn Benno erhielt mit 14 Jahren die Diagnose Hirntumor, kurz nach der Rückkehr aus dem Familienurlaub. Jahrelang hat der Junge anschließend gegen den Krebs gekämpft, unzählige Behandlungen und Rückschläge durchgestanden – doch leider vergeblich: Kurz nach seinem 17. Geburtstag starb er zuhause im Kreis seiner Familie. „Die Warum-Frage hat Benno nie gestellt“, sagt Gudrun Rahm. Ihre Familie hätte von Anfang an auf Offenheit gesetzt und alles miteinander kommuniziert, „denn es erfordert viel mehr Kraft, sich gegenseitig etwas vorzumachen“, sagt sie.

Nach Bennos Tod stand für Gudrun Rahm fest, dass sie sich im Verein einbringen und etwas zurückgeben will – auch wenn das nicht jeder verstanden hätte. „Aber ich kann vor der Erinnerung sowieso nicht weglaufen und mir bleibt nur die Option, aus diesem Furchtbaren etwas Sinnvolles zu machen“, erklärt die starke Frau.

Die bunten Mutperlen bilden aneinandergereiht eine anfassbare Krankengeschichte. Quelle: OVE ARSCHOLL

Zusammen mit ihrer Tochter bastelt Gudrun Rahm nun die sogenannten Mutperlen. Die Idee dazu stammt von der Deutschen Kinderkrebsstiftung, wurde aber in Rostock erweitert. Für jede Blutabnahme, Chemo, Bestrahlung oder auch Untersuchungen in der CT-Röhre gibt es für die Kinder kleine bunte Perlen. Aufgereiht an einer Schnur ergeben diese dann eine anfassbare Krankengeschichte. Und verdeutlichen so auch Außenstehenden, was die kleinen Kämpfer durchstehen. „Bennos Kette war am Ende zehn Meter lang“, sagt Gudrun Rahm.

Umgestaltung des Außengeländes auf der Agenda

Die Mutperlen zeigen, wie auch vermeintlich kleine Dinge eine große Wirkung haben können. Der Verein zur Förderung krebskranker Kinder hat sein Engagement deshalb breit gefächert, finanziert das Material für die Perlen genau so wie Ausflüge für erkrankte Kinder, deren Geschwister und Familien. Größtes Projekt des bisherigen Bestehens war das Eltern-Kind-Haus im Dr. Lorenz-Weg, in dem Familien ein Zuhause auf Zeit finden, wenn die Kinder in der Klinik behandelt werden.

„Wir wollen das Haus künftig nicht nur für Familien krebskranker Kinder öffnen. Schließlich gibt es auch andere schwere Krankheiten, die Behandlung erfordern und die Nähe der Familien“, sagt Eggers. Besonders stolz sind die Vereinsmitglieder darauf, dass das Haus nach nur sieben Monaten Bauzeit eröffnet und komplett durch Spenden finanziert wurde. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder rund 240 000 Euro zusammengetragen – den größten Teil davon machen kleinere Beträge aus. „Unterstützer sind immer willkommen. Wir finden für jeden eine Aufgabe, denn Arbeit gibt es genug“, sagt Prof. Gudrun Eggers.

Demnächst soll noch das Außengelände gestaltet werden und dort auch ein Gedenkstein für die Kinder aufgestellt werden, die den schweren Kampf leider nicht gewonnen haben. „Denn so hart es ist – der Tod gehört dazu und es wird niemand vergessen. Außerdem ist man durch die gemeinsame Geschichte für immer verbunden – auch mit dem Verein“, sagt Gudrun Rahm.

Claudia Labude-Gericke

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