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Rostock Windräder elektrisieren Tausende Besucher
Mecklenburg Rostock Windräder elektrisieren Tausende Besucher
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17:30 28.04.2019
Auch Eric Krenciessa schaut sich bei Bentwisch die Windräder aus knapp 80 Metern Höhe an. Angst? „Nee, gar nicht! Das ist spannend.“ Quelle: Andreas Meyer
Rostock

Der Wind im Land dreht sich für die Erneuerbaren Energien: Die Zeit der großen Proteste gegen neue Windräder oder Solarparks scheint vorbei. „Natürlich ist das immer noch ein ambivalentes Thema. Aber es wird deutlich sachlicher und weniger aufgeregt diskutiert als noch vor einigen Jahren“, sagt Landesenergieminister Christian Pegel (SPD). Dass die moderne, saubere Energietechnik durchaus sogar zu begeistern weiß, davon konnte sich der Minister am Sonnabend in und um Rostock überzeugen: Tausende Besucher kamen zu den Veranstaltungen am „Tag der Erneuerbaren Energien“ – zum Beispiel im Windpark Bentwisch.

Windpark-Fest in Bentwisch, Tag der offenen Tür bei Nordex und Technik-Spiele im Fischereihafen: Der Tag in Bildern.

Branche kämpft um Akzeptanz

Dort – vor den Toren Rostocks – will Deutschlands größter Windanlagen-Bauer Enercon den Menschen die Windenergie näher bringen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Mit einem Kran können sich die Besucher an einem riesigen Windrad vom Typ E-101 in die Höhe ziehen lassen – und die Hansestadt, den blühenden Raps, die Windkraftanlagen aus der Vogelperspektive sehen. Fast noch spannender ist aber der Blick ins Innere des mehr als 135 Meter hohen Turms. Drinnen gibt moderne Technik, einen kleinen Fahrstuhl und von Enercon-Monteuren viele Infos zur Windkraft und der Arbeit in der Höhe.

„Wir haben einen schönen Job“, sagt beispielsweise Monteur Robert Schaparowski. „Der ist jedenfalls besser, als Tag für Tag in der Werkhalle zu stehen.“ Sein Kollege Burkhard Sill ergänzt: „Die Arbeit dort oben ist entspannt. Nur im Winter ist es nicht ganz so schön.“ Und: Der Job als Windkraftmonteur werde gut bezahlt. Auch das sei im Nordosten ja nicht selbstverständlich. Allein Enercon beschäftige rund 400 Mitarbeiter in MV, sagt der Rostocker Niederlassungsleiter Klaus Uhl. Am „Tag der Erneuerbaren Energien“ wolle auch „sein“ Unternehmen zeigen, warum saubere Energie so wichtig ist: „Vor 33 Jahren und einem Tag explodierte Tschernobyl. Diese Energietechnik ist jedenfalls nicht die Lösung.“ Auch Uhl streitet nicht ab, dass Windparks oft umstritten sind. „Und ein Stück weit hat unsere Branche daran auch eine Mitschuld. Wir haben die Bürger nicht immer richtig mitgenommen.“ Das habe sich geändert: „Alle haben verstanden, dass die Gemeinden, in denen Windparks entstehen, auch davon etwas haben müssen – indem sie etwa an Gewinnen beteiligt werden.“

So sieht eine Rotorblatt im Inneren aus: Burkhard Sill (v. l.) und Robert Schaparowski erklären die moderne Technik Alina (12), Pascal (9) und Petra Rennert. Quelle: Andreas Meyer

Kinder mögen Windräder

Der jungen Generation stellt sich die Frage, ob Windräder nun in die Landschaft gehören oder nicht, gar nicht mehr. „Beim Fotografieren stören sie manchmal. Sonst aber nicht“, sagt beispielsweise Alina (12). Sie ist mit Mama Petra Rennert und Bruder Pascal (9) nach Bentwisch gekommen, um sich die Riesen-Räder mal genauer anzuschauen. „So wie die Windparks um Rostock verteilt sind, stören sie mich überhaupt nicht“, so Petra Rennert. Auch Emilia (7) und Mailin (3) finden Windräder „völlig normal“: „Die gehören doch dazu!“, sagt die Große. Kein Wunder: Papa Tom Jasmann arbeitet in der Branche: „Ich wollte meinen Kindern heute mal zeigen, was Papa so den ganzen Tag macht.“

Minister Pegel kann aus der eigenen Familie aber bestätigen, wie normal Windkraft für Kinder ist: „Meine Töchter fragen nicht, ob ein Windrad dort stehen muss – sondern, ob sie mal rauf dürfen.“ In der Generation der Menschen unter 35 Jahren gebe es eine sehr breite Mehrheit für die sauberen Energien. Zu den Vorreitern diesbezüglich gehört die Gemeinde Bentwisch: „Wir haben schon 1995 die ersten Windräder genehmigt – und es gab nie Probleme damit“, so Bürgermeisterin Susanne Strübing. „Bentwisch war damals gegen das neue Steinkohlekraftwerk in Rostock und wollte eine Alternative bieten.“

Beim Tag der Erneuerbaren Energien in Bentwisch durften die Besucher mit einem Kran in die Höhe fahren - und den Windpark von oben bestaunen. Quelle: Mia Annelie Meyer

Volles Haus bei Nordex

Nicht nur in Bentwisch, auch in der Hansestadt selbst, lockt die Branche Tausende Besucher: Bei Nordex in der Südstadt dürfen die Bürger exklusiv einen Blick in die Produktion werfen. Dort erklärt Linienleiter Joachim Müller, wie die riesigen Gondeln und Zähnräder entstehen – und was sie in der Höhe alles aushalten müssen. Ein kleines Zentrum der Energie-Branche ist auch am Fischereihafen entstanden: Gleich 13 Unternehmen präsentieren sich dort den Besuchern. Mit dabei ist unter anderem der Windparkentwickler UKA. Die Firma überrascht mit Hightech: In Liegestühlen dürfen die Besucher VR-Brillen ausprobieren. VR steht für „virtuelle Realität“. Auf den Brillen sehen sie Live-Bilder einer Drohne, die über dem Hafen unterwegs ist. Diese Technik, so ein UKA-Mitarbeiter, lasse sich bei der Wartung von Windrädern einsetzen.

Alex Verfürth zeigt derweil an einem Modell seinem Sohn Carlo (10 Monate) und Tochter Marta (6) wie ein Windrad Strom erzeugt. „Ich arbeite hier, trainiere Monteure – zum Beispiel in Sachen ,Überleben auf See’ und Höhenrettung.“ Ein wachsender Markt für die Rostocker Firma „Star“. Wobei: „Klettern und Boot fahren sind doch nicht so schwer“, sagt Marta.

Linienleiter Joachim Müller zeigt Nordex-Besuchern die Produktionshalle für die Gondeln und Naben in der Rostocker Südstadt. Quelle: OVE ARSCHOLL

Andreas Meyer

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