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Rostock Klärschlamm-Besuch in Zürich: „Gestunken hat es da nicht.“
Mecklenburg Rostock Klärschlamm-Besuch in Zürich: „Gestunken hat es da nicht.“
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21:01 27.02.2019
Rund 50 Besucher kamen zur Informationsveranstaltung im Freizeithaus der Borwinschule. Quelle: André Wornowski
Kröpeliner-Tor-Vorstadt

Bevor Bürgerschaftsmitglied Ingrid Bacher (SPD) nach Zürich fuhr, gab es viele Vorbehalte. „Es hieß, dort wird Klärschlamm verbrannt. Es stinkt, es gibt Emissionen, das muss alles ganz furchtbar sein“, blickt Bacher zurück. Doch nichts davon habe sich bewahrheitet. Im Gegenteil. Die Züricher Klärschlamm-Verbrennungsanlage habe sie zutiefst beeindruckt, wie Bacher den rund 50 Besuchern im Freizeithaus der Borwinschule am Mittwoch schildert. „Es war alles blitzsauber.“ Sie spricht von einem geschlossenen System, unglaublicher Technik und professioneller Arbeit. Selbst in dem Raum, wo die Lkw ankommen und den Schlamm abladen, sei alles picobello gewesen. „Natürlich war die Luft dort nicht gerade schön, aber gestunken hat es nicht.“

Was in Zürich bereits klappt, soll nun auch auf Rostock übertragen werden: Mitten in der Stadt, direkt neben dem Klärwerk an der Carl-Hopp-Straße in Bramow, soll eine Verbrennungsanlage für Klärschlamm entstehen (die OZ berichtete). Bauherr ist die Klärschlamm-Kooperation Mecklenburg-Vorpommern (KKMV) – ein Zusammenschluss von 15 kommunalen Wasserversorgern aus dem gesamten Land. Die neue Anlage soll die Umwelt und das Konto der Hansestadt schonen. Bisher müssen die Abfälle nach Hamburg, Leipzig oder bis ins Ruhrgebiet gefahren werden. Frühestens ab 2024 sollen dann 100 000 Tonnen Klärschlamm aus halb MV kostengünstig hier in Rostock entsorgt werden. Dabei sollen weniger Schadstoffe ausgestoßen und grüne Energie produziert werden.

Doch gegen das Projekt gibt es Widerstände. Da sind die Anwohner, 13 Familien und fünf Kinder, die Nachteile befürchten. Auch bei der Vorstellung der Ergebnisse vom Besuch bei der Referenzanlage in Zürich, erklingt Kritik. „Laut Gesetz sind 500 Meter Abstand zwischen Wohnbebauung und einer Verbrennungsanlage vorgeschrieben. Wie wollen sie das einhalten?“, fragt ein Betroffener. Katja Gödke, Geschäftsführerin des Warnow-Wasser- und Abwasserverbands (WWAV), entgegnet, dass die Häuser in einem Gewerbegebiet liegen und die Besitzer beim Kauf entsprechende Verträge unterzeichnet haben. „Wir laden Sie zu Gesprächen ein“, sagt Gödke zu den Anwohnern.

Auch haben die Bauherren bereits auf Einwände reagiert: So soll das geplante Betriebsgelände von 10 000 auf 6000 Quadratmeter reduziert werden. „Wir haben die Zufahrt neu geregelt und fahren nicht mehr durch Wohngebiete, sondern durch den Fischereihafen und über das Klärwerk-Gelände“, sagt Gödke. Generell halte sich aber die Verkehrsbelastung in Grenzen: Insgesamt sollen hier nach dem Bau zwölf statt heute fünf Lkw täglich fahren. „Das halten wir angesichts von 15 000 Fahrzeugen pro Tag auf der Carl-Hopp-Straße für vertretbar“, so Gödke.

Laut der Rostocker Bauherren, seien in MV neun Standorte für die Verbrennungsanlage untersucht worden – der Standort direkt neben dem Klärwerk sei ökologisch und wirtschaftlich am besten, heißt es. Denn 20 Prozent des gesamten Klärschlamms falle direkt hier an.

Am 6. März entscheidet nun die Bürgerschaft, ob Anlage und Standort für die Prüfung im Rahmen des sogenannten Bundesimmissionsschutzgesetz-Verfahrens freigegeben werden. Zu den größten Kritikern gehört die CDU. „Das Konzept ist nicht hunderprozentig schlüssig“, sagt Fraktionschef Daniel Peters. Es gebe offene Fragen beim Phosphor-Recycling und auch bei der Preisgestaltung. FDP-Mann Christoph Eisfeld stellt ebenfalls in Frage, warum das Vorhaben jetzt auf Kraft und mit Tempo durchgebracht werde.

André Wornowski

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