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Rostock Rostocker reist 7000 Kilometer durch Russland – mit besonderer Mission
Mecklenburg Rostock Rostocker reist 7000 Kilometer durch Russland – mit besonderer Mission
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20:29 18.07.2019
Ab September will Christian Tiffert quer durch Russland reisen. Quelle: Arno Zill (Montage)
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Rostock

Mit Karacho brettert der Kleinbus durch die Matschkuhle, klettert fast senkrecht eine Anhöhe hinauf, nur um sich per Schussfahrt im nächsten Schlammloch zu versenken. Auf dem Beifahrersitz wird Christian Tiffert (43) ordentlich durchgeschüttelt. Der Rostocker kriegt sich vor Lachen kaum ein.

Generalprobe fürs Abenteuer

Die Offroad-Tour auf einem Testgelände bei Stralsund ist ein großer Spaß und eine Generalprobe zugleich: In zwei Monaten will Tiffert mit dem Bus quer durch Russland reisen. Ein 08/15-Bus kommt dafür nicht in Frage. Seit einem Fahrradunfall vor sieben Jahren ist Tiffert vom Hals abwärts gelähmt. Ausbremsen lässt er sich davon nicht. Der Ex-Marineoffizier hat eine Mission.

Galerie: Ein Mann mit Mission

Ein Mann mit Mission

„Ich will etwas bewegen“, sagt der Mann, der sich selbst kaum rühren kann. Als Tetraplegiker ist Christian Tiffert auf seinen kinngesteuerten Rollstuhl und ein Team aus Assistenten angewiesen, die ihn rund um die Uhr betreuen. Doch Tiffert hadert nicht mit seinem Schicksal. Im Gegenteil. Er macht das Beste daraus. Für sich und für andere, denen es ähnlich geht wie ihm. „Ich will zeigen, dass scheinbar Unmögliches möglich ist.“ Ein Trip im Rollstuhl quer durch Russland zum Beispiel.

Video: Stresstest im Offroad-Parcours

„Find your Road“ – finde deinen Weg – so heißt Christian Tifferts Lebensmotto und der Online-Blog, auf dem er seine Reiseerlebnisse mit der Welt teilt. Damit Nutzer hier ordentlich was zu sehen bekommen, lässt Tiffert sein neustes Abenteuer mit der Kamera festhalten.

7000 Kilometer in 30 Tagen

Material für eine spannende Doku dürfte Tiffert und seinem Team unterwegs reichlich vor die Linse kommen. Dafür sorgt schon die Reiseroute: 7000 Kilometer wollen der Rostocker und seine Begleiter binnen 30 Tagen abfahren und dabei Städte wie Perm, Surgut und Moskau ansteuern.

Los geht es getrennt: Christian Tiffert fliegt nach Sankt Petersburg. Zeitgleich setzen zwei Kleinbusse mit insgesamt einer Tonne Material an Bord per Fähre nach Russland über. Mit einem der Transporter war Tiffert bereits im vergangenen Jahr auf Reisen. Den zweiten hat er sich gerade nach seinen Bedürfnissen umbauen lassen.

Bus mit besonderen Extras

Luftgefederter Spezialsitz, Deckenlift, Hebebühne: Der neue Bus wartet mit etlichen Extras auf, die Tiffert den Roadtrip überhaupt erst ermöglichen. Doch kann der Bus auch russische Buckelpisten bezwingen? Um das herauszufinden, hat Tiffert das Mobil einem Stresstest unterzogen. „Wir haben offroad ein bisschen im Matsch gespielt“, scherzt er. „Es ist gut zu wissen, dass, wenn wir ein Schlammloch vor uns haben, wir da auch durchkommen. Das gibt Sicherheit.“

Wie unwegsam Russlands Gelände sein kann, hat er im vergangenen Sommer auf die harte Tour gelernt. Mit zwei Fahrzeugen waren Tiffert und sein Team unterwegs, ein Mobil blieb mit Totalausfall auf der Strecke.

Traumziel Jekaterinenburg

Dann streikte auch noch Tifferts Körper. Eine vom langen Im-Rolli-sitzen herrührende Wunde zwang ihn dazu, vorzeitig die Heimreise anzutreten, kurz vor seinem Traumziel Jekaterinenburg. Diesmal will der Rostocker die „Hauptstadt des Urals“ unbedingt sehen. „Ich freue mich schon sehr darauf.“

Mutmacher mit Mission

Der 30-Tage-Trip ist für den Rostocker mehr als nur Vergnügen. Tiffert tritt ihn auch an, um anderen mit Handicap Mut zu geben. Und für die Moskauerin Jennet Bazarova. Die 17-Jährige leidet an der Glasknochenkrankheit und sitzt wie Tiffert im Rollstuhl. Ihr wolle er zusammen mit dem Rotary Club Moskau eine einjährige Ausbildung in Rostock ermöglichen, berichtet Tiffert. Rund 20000 Euro seien dafür nötig. Er will die Summe bei hiesigen Firmen und mit Vorträgen in Russland einwerben.

Im Team unterwegs

Die 7000 Kilometer fährt Christian Tiffert mit großem Gefolge ab: Ein Dolmetscher und fünf Assistenten begleiten ihn. Letztere sind bei ihm angestellt. Die Bundeswehr macht’s möglich. Sie hat Tifferts Rad- als Dienstunfall anerkannt, zahlt seine Behandlungskosten und finanzierte ihm 2017 seine erste Russlandreise.

Zweite Chance nutzen

Christian Tiffert weiß, dass er großes Glück hat. Weil er erneut durch Russland touren darf. Und weil ihn das Leben mit einer zweiten Chance beschenkte, als er damals vor sieben Jahren so schwer mit seinem Fahrrad stürzte. Dieses Glück will er auskosten und andere daran teilhaben lassen. Deshalb reist Christian Tiffert gewissermaßen als Botschafter. „Ich bin das beste Beispiel dafür, dass Grenzen nur im Kopf existieren und jeder Abenteuer erleben kann.“

Tifferts Reise-Tipps für Tetraplektiker:

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