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Rostock So will ein Rostocker Eltern vom Handy weglocken
Mecklenburg Rostock So will ein Rostocker Eltern vom Handy weglocken
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09:48 29.07.2019
Über den Bienenjungen Hannes hat der Rostocker Sozialarbeiter Robert Behrens nicht nur zwei Bücher geschrieben, sondern auch passende Kitaprojekte entwickelt. Dazu gehört die hölzerne Wabenbox. Quelle: Claudia Labude-Gericke
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Rostock

Der kleine Hannes hat es nicht leicht – er will draußen spielen, doch seine Freunde sitzen den ganzen Tag nur vor dem Computer. Und Mama und Papa können die Augen kaum vom Handy lassen. „Dabei sollte kein Kind mit einem elektronischen Gerät um die Aufmerksamkeit seiner Eltern konkurrieren müssen“, sagt Sozialarbeiter Robert Behrens.

Deshalb hat der Rostocker den Bienenjungen Hannes erfunden und zwei Bücher über den kleinen Helden herausgebracht. Der erlebt in seinem Alltag zwischen blühenden Wiesen das, was viele Kinder täglich auch in der Realität zu spüren bekommen – dass anderen Smartphone und Co. wichtiger erscheinen als die Anliegen der Kleinen.

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Der Bienenjunge entwickelt deshalb im neuesten Abenteuer enorme Kräfte und wird zu Superhannes, der die „Mission Flugmodus“ verfolgt. „Es geht mir nicht darum, mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen, sondern darum, wie wir mit der Technik umgehen und welchen Stellenwert wir ihr einräumen“, sagt Behrens, der mit seinen Büchern für das Problem der übermäßigen Mediennutzung sensibilisieren möchte.

Medienkonsum sei ein schambehaftetes Thema

Der 34-Jährige weiß, dass er mit seinem Anliegen – auch wenn es niedlich verpackt ist – quasi ins Wespennest sticht. „Die Nutzung von technischen Geräten und vor allem die Dauer sind ein wirklich schambehaftetes Thema“, sagt Behrens.

Nachdem er bereits 2017 dank einer Spendensammlung im Internet ein erstes Buch herausgegeben hat, das sich um das Thema dreht, ist nun sein zweites Werk frisch aus der Druckerei gekommen. Das Team sei gleich geblieben: Die Idee stammt von Robert Behrens, der Text von Johanna Fülle und Jenny Karow übernahm Illustration und Layout. „Diesmal haben wir aber einige Schwächen ausgemerzt, die das erste Buch noch hatte“, sagt der Erfinder von Biene Hannes.

Dass im ersten Buch nur die Bienenmutter andauernd am Handy hängt, wäre nicht bei allen gut angekommen. Deshalb seien diesmal auch Freunde von Hannes durch technische Geräte gefangen. Zudem wird die Geschichte in Reimform erzählt und ist deutlich kürzer als die erste. Auch das Buchformat wurde getauscht. Superhannes gibt es im handlicheren Format und mit dicken Seiten, so dass auch kleinere Kinder das Buch gut anschauen könnten.

Erstauflage komplett privat vorfinanziert

Auch wenn das Pappbuch, dessen Auflage von 1000 Stück Behrens privat vorfinanziert hat, für die Kinder gemacht sei – „die Botschaft richtet sich vor allem an die Eltern“. Behrens, der selbst Vater ist, hätte es in vielen Situationen erlebt, dass sich Mamas und Papas eher mit dem Handy beschäftigen als mit dem Nachwuchs. „Zum Beispiel im Wartezimmer beim Kinderarzt, da wird kaum noch gemeinsam gespielt oder ein Buch angeschaut. Auch am Esstisch ist das Handy oft präsent und selbst am Strand sind die Großen oft abgelenkt – was die Kinder ja zusätzlich noch in Gefahr bringen kann“, sagt er.

Er selbst sei bezüglich der Mediennutzung auch nicht unfehlbar. „Aber ich bin mir des Problems bewusst und hinterfrage mich ganz oft“, sagt Behrens. Bewusst medienfrei, also offline, zu sein, fiele vielen Menschen schwer. „Dabei ist das eine echte Chance für eine bessere Kommunikation.“

Über die Kinder ein Umdenken bei den Großen erreichen

Neben den beiden bisher erschienenen Büchern hat der Sozialarbeiter noch Selbstbausätze für Insektenhotels sowie Angebote für Kita-Projekte entwickelt. Auch mit Krankenkassen und Kurkliniken ist er im Gespräch. Ziel sei es, die Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren für die bewusste Mediennutzung in Familien zu begeistern. „Das Projekt heißt ,Guck doch mal‘. Mit diesem Spruch und dem Motto von Hannes – ,Flugmodus an‘ – wollen wir die Kinder bestärken, dass sie auch bei ihren Eltern für ein Umdenken sorgen“, sagt er. Schließlich seien die Erwachsenen die Vorbilder und würden von den Kindern oft nur nachgeahmt.

Von einer Plakatkampagne inspiriert

Robert Behrens setzt alles auf Superbiene Hannes. Nach dem Studium in Rostock hätte er direkt den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. „Auf die Idee mit dem Engagement für mehr Offlinezeit kam ich durch eine Plakatkampagne, die sich darum dreht, dass Eltern mehr auf ihr Handy schauen als auf ihre Kinder“, blickt Behrens zurück.

Er wollte den guten Ansatz der Kampagne erweitern. „Und über Bildsprache kann man die Menschen noch besser erreichen“, sagt er. Er selbst plant, seine Doktorarbeit zu dem Thema zu schreiben. Denn eines ist nicht nur Robert Behrens klar: Die Entwicklung der Technik kann weder gestoppt noch zurückgedreht werden. „Umso wichtiger ist es, medienfreie Schonräume zu schaffen und bewusst abzuschalten“, sagt Behrens, der sich wünscht, dass sein Appell fruchtet „und die Eltern ihre Kinder wieder mehr wahrnehmen als die technischen Geräte“.

Claudia Labude-Gericke