Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Kredite, Callcenter und vorgetäuschte Liebe: Die kriminelle Masche der „Nigeria Connection“
Mecklenburg Rostock Kredite, Callcenter und vorgetäuschte Liebe: Die kriminelle Masche der „Nigeria Connection“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:05 12.07.2019
Nach dem Aufdecken eines drastischen Falls des sogenannten Love- oder Romance-Scamming hat die Staatsanwaltschaft Rostock vor dem leichtgläubigen Versenden von Geld an unbekannte Internetbekanntschaften gewarnt. Quelle: Sven Hoppe/dpa
Anzeige
Rostock

Er hat ihr die große Liebe versprochen, aber letztlich wollte er nur ihr Geld: Eine Frau aus der Region Rostock ist auf die Masche eines Betrügers hereingefallen und hat ihm mehr als 400 000 Euro überwiesen. „Von dem Geld wird sie wohl nie wieder etwas sehen“, sagt Oberstaatsanwalt Harald Nowack von der Staatsanwaltschaft Rostock.

Das Dramatische: Das sogenannte Love-Scamming (zu Deutsch: Liebesbetrug) ist kein Einzelfall in Mecklenburg-Vorpommern. Wie die Ermittlungen ergaben, hat eine weitere Frau aus der Region Rostock ebenfalls zwischen 40 000 und 50 000 Euro an einen Liebesbetrüger überwiesen.

Mehr lesen:
Das sind die dreistesten Betrugsfälle in MV

Nigeria Connection: „Ganze Call-Center mit Love-Scammern“

„Die Fälle häufen sich“, sagt Nowack. Es sei davon auszugehen, dass es sich um organisierte Kriminalität handele. Bei den Prüfungen eines Kontos, auf das Geld überwiesen wurde, seien Eingänge von anderen Opfern aus Mecklenburg-Vorpommern und dem ganzen Bundesgebiet gefunden worden.

Die Fahnder vermuten, dass die Täter hauptsächlich vom afrikanischen Kontinent aus agieren. „Den Kontobewegungen war zu entnehmen, dass das Geld nach Afrika weitergeschickt wurde“, sagt Nowack. Die Betrugsmasche sei auch als „Nigeria Connection“ bekannt. „Es gibt angeblich ganze Call-Center mit Love-Scammern.“

Frauen sollen in Notsituation aushelfen

Der Trick ist einfach: Die betrogenen Frauen befinden sich meist in einem emotionalen Tief, beispielsweise, weil sie sich gerade getrennt haben. Auf der Suche nach einem neuen Partner melden sie sich in Dating-Portalen an. Wie der Oberstaatsanwalt in Bezug auf die beiden Fälle in MV sagt, waren die Betrüger auf mehreren Plattformen aktiv, eine richte sich speziell an Frauen zwischen 40 und 50 Jahren.

Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, werden die Frauen mit Liebesbekundungen und Aufmerksamkeit überhäuft – und zwar einzig und allein mit dem Ziel, ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Es würden Fotos verschickt, die oft bei genauem Hinsehen als Täuschung zu erkennen seien, betont Nowack. Es folge meist ein reger Nachrichtenaustausch, komme aber nie zu persönlichen Begegnungen.„Die Betrüger durchforsten vorher die sozialen Netzwerke und wissen um die Gewohnheiten ihrer Ansprechpartnerinnen, die dann alles preisgeben“, erklärt Nowack. „Danach stellen sie dann auch die Höhe ihrer Forderungen in ihrer angeblichen Notsituation auf.“

Opfer nehmen sogar extra Kredite auf

Die virtuellen Partner geben laut Polizei zum Beispiel vor, bei einer Geschäftsreise nach Westafrika in Geldnot geraten zu sein. Oder sie benötigen Geld für eine wichtige Operation ihres Kindes oder eines Angehörigen. Auch gestohlene Koffer und Pässe, unbezahlter Lohn oder eine unbezahlte Hotelrechnung sollen das ahnungslose Opfer dazu bringen, Geld zu überweisen. Und viele tun es auch, schließlich sind sie zu diesem Zeitpunkt schon von dem Liebesbetrüger emotional abhängig.

Wie weit das gehen kann, zeigen auch die beiden Fälle in Mecklenburg-Vorpommern. „Die Frauen haben, um die Summen für ihre virtuellen Partner aufzubringen, sogar extra Kredite aufgenommen“, bestätigt Oberstaatsanwalt Nowack.

Die Scham, sich nach Betrug zu melden, ist groß

Laut Aussagen des Landeskriminalamtes in Rampe (Landkreis Ludwigslust-Parchim) gibt es nur wenige Anzeigen von Love-Scamming in Mecklenburg-Vorpommern. Eine genaue Zahl kann Sprecher Matthias Rascher aber nicht nennen. „Wir gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Die Scham, sich in solchen Fällen zu melden, ist immer noch sehr hoch“, betont der Kriminalhauptkommissar.

Ann-Christin Schneider

Tausende Passagiere und Crewmitglieder sind in Rostock beim einzigen Fünffachanlauf des Jahres an Land gegangen. Sie sorgen für große Umsätze in der Region. Aber viele Menschen in der Hansestadt stehen dem Kreuzfahrtboom auch kritisch gegenüber.

12.07.2019

Mit drei musikalische Stücken lockt das Volkstheater in diesem Sommer in die Halle 207 am Rostocker Stadthafen. Für „The Blues Brothers“, „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ und „Tristan XS“ verlosen wir 40 Tickets.

12.07.2019

Nachdem es am vergangenen Montag innerhalb kürzester Zeit zu zwei bewaffneten Raubüberfällen in Rostock-Schmarl gekommen war, wurde am Donnerstagabend ein Tatverdächtiger vorläufig festgenommen. Er ist gerade einmal 16 Jahre alt. Auch das SEK war im Einsatz und stürmte eine Wohnung im Stadtteil.

11.07.2019