Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Rostocks Bomben-Tag: Nur einmal wurde es kritisch
Mecklenburg Rostock Rostocks Bomben-Tag: Nur einmal wurde es kritisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:23 27.03.2019
Fred Tribanek steht neben einer 500 Pfund schweren US-amerikanischen Weltkriegsbombe, die er am Mittwochvormittag in der Rostocker Innenstadt entschärft hat. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Rostock hat die Ruhe bewahrt: Die Entschärfung einer 250 Kilogramm schweren US-Fliegerbombe und die Sperrung der kompletten Innenstadt sind am Mittwoch nahezu problemlos abgelaufen. Nach nur zwei Stunden und 14 Minuten konnte die vermutliche größte Evakuierungsaktion seit Kriegsende in MV wieder beendet werden. „Fast alles lief nach Plan“, so Bombenentschärfer Fred Tribanek vom Munitionsbergungsdienstes des Landes. Nur ein Mal sei es kritisch geworden – als ein Bohrer abbrach..

Die Bombe in der Baustelle im Rostocker Rosengarten wurde erfolgreich entschärft. Hier sind die Bilder von einer Stadt im Ausnahmezustand.

Die Bombe war am Montag im Bereich des Rosengartens entdeckt worden – in vier Metern Tiefe. Aus Sicherheitsgründen ordneten Rathaus und Polizei rund um die Entschärfung die Räumung der umliegenden Stadtviertel im Umkreis von 1000 Metern an. 100 Arztpraxen mussten geschlossen bleiben, ebenso sämtliche Behörden, Gerichte und Geschäfte in der Innenstadt. Ab 8 Uhr mussten 10 000 Bewohner ihre Häuser verlassen, 200 Polizisten sperrten sämtliche Zufahrtsstraßen zur dem betroffenen Bereich. Es kam zu langen Staus stadtauswärts.

Hier gibt es den OZ-Liveticker zur Bombenentschärfung in Rostock zum Nachlesen

Rentnerin durfte bleiben

„Aber wir können sagen, es war viel ruhig als gedacht“, zog Rostocks Vize-Oberbürgermeister Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) ein zufriedenes Fazit. 40 Menschen, die allein das Haus nicht verlassen konnten, wurden von Rettungsdiensten in die Notunterkunft in der Stadthalle gebracht. Dort hielten sich zwischenzeitlich mehr als 200 Menschen auf. Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit mehr als 160 Männern und Frauen im Einsatz. Das Gros der Betroffenen hatte sich selbst eine Unterkunft für die Zeit der Entschärfung gesucht. Nach Beginn der Evakuierung traf die Polizei nur noch vereinzelt Menschen im Sperrbezirk an – und verwies sie aus dem Bereich. Die angedrohten Strafen von bis zu 5000 Euro musste die Stadt nicht verhängen.

Einzig eine 94 Jahre alte Frau weigerte sich, ihre Wohnung zu verlassen. Sie durfte bleiben. „Die Rostocker waren sehr diszipliniert“, so der Vize-OB. Auch Rostocks Polizeichef Michael Ebert sagt: „Wir waren auf allen Seiten gut vorbereitet und konnten die Einschränkungen so gering wie möglich halten.“ Auch aus Schwerin gab es Lob: „Die Einsatzkräfte haben eindrücklich unter Beweis gestellt, dass sie auch für solche besonderen Lagen gut gerüstet und bestens ausgebildet sind“, so Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Die Rostocker hätten „mit norddeutscher Gelassenheit“ reagiert.

Alles zum Bombenfund am Rostocker Rosengarten

Liveticker: Alles zur Entschärfung der Bombe in Rostock

Zehn Tipps für Betroffene: Das müssen die Rostocker zur Entschärfung wissen

Explosive Altlasten: Tausende Hektar in MV belastet

10 000 Rostocker müssen raus aus der City

So sah Rostock nach den Bombennächten Ende April 1942 aus

Termin zur Entschärfung steht fest: Mittwoch

Karte: Dieses Gebiet wird evakuiert

Bombe in Stadtzentrum von Rostock gefunden – Große Evakuierung geplant

Kosten in fünfstelliger Höhe

Um 10.14 Uhr meldeten die Entschärfer, dass sie den Sprengkörper unschädlich gemacht habe. Bereits um 11 Uhr öffneten Geschäfte und Restaurants wieder ihre Türen. Zuvor wurde es nur einmal kritisch: Einer der beiden Zünder war offenbar schon beim Aufschlag vor mehr als 70 Jahren beschädigt worden. „Die Bombe hätte eigentlich hochgehen müssen.“ Beim Entschärfen musste Sprengmeister Fred Tribanek den Sprengkörber anbohren. „Dabei ist ein Bohrer abgebrochen, es gab einen Lichtblitz. Da habe ich schon kurz gedacht: ,Ach, Du Sch...’.“ Nicht mal 45 Minuten brauchte er am Ende, um die Bombe unschädlich zu machen. Sie wurde noch im Laufe des Tages in einem Zerlegebetrieb in Mellenthin auf der Insel Usedom verschrottet. Die Kosten für das Entschärfen trägt zunächst das Land. Sie belaufen sich Stand jetzt auf mehrere Tausend Euro. Die Stadt rechnet mit Kosten in fünfstelliger Höhe für den Einsatz.

Andreas Meyer, André Wornowski und Virginie Wolfram

10 000 Rostocker mussten für die Dauer der Entschärfung einer Weltkriegsbombe ihre Wohnungen verlassen. Der Aufwand für die Evakuierung war immens, doch er hat sich rentiert. Einige Bilder des Tages zeigen wir im Video.

27.03.2019

Vor zehn Jahren starb der Rostocker Künstler Falko Böttcher. Im Juni werden seine Arbeiten in der Nikolaikirche gezeigt.

27.03.2019

Zuvor waren der oder die Täter mit einem Transporter in die Schaufensterscheibe gefahren. Anschließend sammelten sie ihre Beute ein.

27.03.2019