Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Rostock Rostocker Iga-Park ab jetzt offen für alle
Mecklenburg Rostock Rostocker Iga-Park ab jetzt offen für alle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:52 31.01.2019
Hündin Dinah darf künftig mit Frauchen Sophie den Iga-Park besuchen. Quelle: OVE ARSCHOLL
Rostock

Die Erleichterung ist Matthias Horn anzusehen: „Menschenverstand und Normalität haben gesiegt“, kommentiert der aktuelle Geschäftsführer der Iga-GmbH am späten Mittwochabend das Votum der Bürgerschaft. Mit nur einer Stimme Mehrheit sind die Kommunalpolitiker seinem Zehn-Punkte-Plan zur Belebung der Grünanlage gefolgt, der neben dem Wegfall des Eintritts unter anderem auch eine Öffnung für Hunde und Radfahrer vorsieht. „Im Laufe des Februars werden wir mit der Umsetzung der ersten Schritte beginnen“, kündigt der Iga-Chef an.

Dann würde sich das Image des Parkes, das aktuell einem Sperrgebiet gleiche, endlich ändern. „Dafür müssen wir auch nicht warten, bis aus Schwerin irgendwann vielleicht einmal Fördermillionen eintrudeln, sondern können durch die Änderung der Parkordnung unkompliziert Einiges erreichen“, sagte er. Vielleicht sei in Schmarl dann einmal so viel los wie im Schlosspark Sanssouci, wo es weniger Vorschriften geben würde als in Rostock. Horn hatte deshalb schon im Vorfeld der Debatte gebeten, dass die Bürgerschaftsmitglieder diese ersten Ideen „bitte nicht kaputtreden“.

Umfrage: „Rostocker Iga-Park für alle offen“

Rostocker sollen Vertrauensvorschuss nutzen

Dazu wäre es dennoch fast gekommen, denn die Emotionen kochten fraktionsübergreifend über – gerade bezüglich Hunden und Radfahrern. „Wir haben es 15 Jahre ohne gemacht, dann können wir es uns auch mal zwei Jahre mit der Öffnung für alle anschauen“, sagte Steffen Wandschneider-Kastell (SPD) beschwichtigend, obwohl er selbst als hundebesitzender Radfahrer bisher sogar aus zwei Gründen vom Besuch des Iga-Parks ausgeschlossen war. Er setzt darauf, dass die Nutzer diesen Vertrauensvorschuss erkennen und dementsprechend handeln, also die Tiere an der Leine führen und deren Hinterlassenschaften wegmachen sowie Radwege nutzen.

All das soll künftig durch vermehrte Ranger-Tätigkeiten kontrolliert werden. Sollte es in der auf zwei Jahre ausgelegten Testphase zu Schwierigkeiten kommen, sei es Matthias Horn zufolge kein Problem, die Parkordnung wieder zu ändern.

Gespartes Geld wieder in den Park investieren

Kritik gab es auch dafür, dass künftig der florale Aspekt des Parks zurückgefahren und der Pflegeaufwand dadurch verringert werden sollen. Oberbürgermeister Roland Methling (UFR) stellte klar, dass die damit erzielten Einsparungen für den städtischen Haushalt nicht im Vordergrund stünden und bereits verplant wären, sondern im Gegenteil an anderer Stelle auch wieder für den Park investiert werden könnten. Konkrete Zahlen zur Untersetzung des Zehn-Punkte-Planes sollen der Bürgerschaft im März vorgelegt werden.

Ex-Aufsichtsratschefin wittert Handstreich

Die geschasste frühere Iga-Aufsichtsratschefin Karina Jens wollte gar nicht lange über Eintritt, Hunde oder Radler diskutieren. Sie sieht in dem vorgelegten Zehn-Punkte-Plan vielmehr einen „Handstreich“ zur erheblichen Verkleinerung des Areals hin zu einem einfachen Bürgerpark, der dann mit der Iga nicht mehr viel zu tun hätte und auch diesen Namen nicht mehr verdiene. Die CDU-Abgeordnete stört sich vor allem an den Plänen zur Errichtung von 10 bis 15 Einfamilien- oder Stadthäusern, die im Bereich der ehemaligen Nationengärten gebaut werden sollen.

Sybille Bachmann (Rostocker Bund/Graue/Aufbruch 09) erinnerte daran, dass die entsprechenden Baufelder bereits vor mehr als zehn Jahren von der Bürgerschaft beschlossen und seitdem nicht geändert wurden. Zudem soll mindestens die Hälfte des Erlöses der Grundstücke dem Traditionsschiff zugutekommen und somit im Park bleiben.

„Kein großer Wurf, aber Veränderung zum Guten“

Auch Linken-Fraktionsvorsitzende Eva-Maria Kröger gibt sich mit dem vorgelegten Belebungsplan nicht zufrieden. „Die wesentliche Frage zur Zukunft des Geländes ist weiter unbeantwortet“, so Kröger. Sie fordere „eine grundsätzliche Entscheidung statt Gefriemel und Scheindebatten“.

„Ja, es ist nicht der ganz große Wurf mit Konzepten für 20 Millionen, aber endlich geht da mal was los“, befand dagegen Malte Philipp. Der UFR-Abgeordnete ist überzeugt, dass eben diese vorgestellten kleinen Alltagsmaßnahmen den Iga-Park verändern werden. „Zum Guten!“

Fahrplanänderung der Buslinie 35 prüfen

Um die Erreichbarkeit des Iga-Parks noch weiter zu verbessern, folgte die Bürgerschaft auch noch einem Vorschlag des Ortsbeirates Schmarl und beauftragte OB Methling damit, zu prüfen, ob die Buslinie 35 der RSAG künftig noch näher ans Traditionsschiff heranfahren und so die bisher längeren Fußwege auch für Ältere oder Familien mit Kindern verkürzen kann – selbst wenn diese künftig das Rad nutzen können. Bausenator Holger Matthäus (Grüne) hat aber bereits angekündigt, dass dafür ein Mehraufwand in Höhe von jährlich rund 25 000 Fahrplankilometern entstehen und bauliche Investitionen von rund 300 000 Euro nötig würden.

Mehr zum Thema:

Fit in 2019: Sportparks unter freiem Himmel in MV

Diskussion über Zukunft des Iga-Parks auch in Groß Klein

Im Rostocker Iga-Park sollen Häuser entstehen

Umfrage: „Rostocker Iga-Park für alle offen“

Claudia Labude-Gericke

Rostock Maximal drei pro Jahr und Interessent - Bürgerschaft begrenzt Wohnungsverkauf der Wiro

Neben Mietobjekten gehören auch Grundstücke und Eigentumswohnungen zum Angebot der Wiro. Doch die dürfen nach einem Beschluss der Bürgerschaft künftig nicht mehr unbegrenzt verkauft werden.

30.01.2019

Nach Kritik an Ordnungshüter im Ostseebad: Methling will in acht Wochen eine Lösung präsentieren, wie der Strandvogt effektiver arbeiten kann.

30.01.2019

Die Bauwirtschaft des Landes investiert weitere Millionen in den eigenen Nachwuchs. Appell an Politik: Schüler müssen besser auf Berufsausbildung vorbereitet sein.

30.01.2019