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Rostock Rostocks Jugendschiff „Likedeeler“ ist auf Kurs
Mecklenburg Rostock Rostocks Jugendschiff „Likedeeler“ ist auf Kurs
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17:53 13.08.2019
Justin (11, v. l.), Per (11), Toni (11) und Eric (11) von der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in der Südstadt freuten sich über den Projekttag auf dem Jugendschiff Likedeeler. Quelle: André Horn
Rostock

Action auf der Warnow: Schüler der Kooperativen Gesamtschule aus der Südstadt fahren mit Motorbooten des Jugendschiffes „Likedeeler“ um die Wette. „Lenken durften wir nicht, aber jeder durfte mal Gas geben“, sagt Toni später an Land. Seine Klassenkameraden Justin, Per und Eric nicken. Ihr Boot habe am Ende gewonnen. „Unser Motor hatte zwei, drei PS mehr“, sagt Per.

Ein Projekttag führte die Elfjährigen zur Likedeeler. „Ich war schon einmal mit meiner Mutter hier. Wir haben auf dem Schiff übernachtet“, sagt Eric. Für die anderen war es der erste Besuch auf dem Jugendschiff. Nach der Wettfahrt auf dem Wasser haben die Schüler gekeschert und das Wasser dann unter dem Mikroskop angeschaut. „Ich habe einen toten Wasserfloh“, ruft Toni. Per und Justin finden anhand einer Zeichnung heraus, dass sie einen Ruderfußkrebs vor der Linse haben.

Der etwas andere Aufenthalt

Freuen sich über die erneute Zertifizierung der „Likedeeler“ durch das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen: Peter Neumann (v. l.), Kerstin Micheel (beide vom Förderverein), Reinhard Schwarz vom Bundesforum, Bürgerschaftspräsidentin Regine Lück (Linke), Wolf-Dietrich Barmwoldt und Jörg Lerche vom Verein. Quelle: OVE ARSCHOLL

Die maritime Kinder- und Jugendarbeit ist eine Säule des Angebots auf dem Jugendschiff „Likedeeler“. Die zweite ist das schwimmende Schullandheim: Bis zu 55 Kinder können hier pro Tag auf dem Schiff übernachten – eine deutschlandweit einmalige Möglichkeit für Schulklassen. „Zu uns kommen Klassen aus der gesamten Bundesrepublik“, sagt Peter Neumann, Geschäftsführer des Fördervereins der „Likedeeler“. Und dass die Schüler an der Warnow auch die nötige Qualität vorfinden, hat sich der Verein nun zum dritten Mal zertifizieren lassen. Am Dienstag überreichte Reinhard Schwarz vom Bundesforum Kinder- und Jugendreisen Deutschland eine entsprechende Urkunde mit zwei Sternen.

Seit 2007 gibt es dieses Qualitätssiegel in Mecklenburg-Vorpommern. „Die ‚Likedeeler‘ war eine der ersten Einrichtungen, die sich prüfen ließ“, sagt Schwarz. Untersucht werden die Betriebsfähigkeit, die Hygiene und der Brandschutz, aber auch die Qualität der Sanitäranlagen und die pädagogischen Konzepte werden beurteilt. Ergebnis: Wie schon bei den vergangenen zwei Prüfungen in den vergangenen Jahren erhielt die ‚Likedeeler‘ erneut zwei von fünf Sternen.

„Es gibt hier attraktive Übernachtungsmöglichkeiten mit echten Kojen“, sagt Kontrolleur Schwarz. Diese ermöglichen den etwas anderen Aufenthalt. „Auch ist die Beratung der Gäste professionell.“ Und es gebe gute Programmangebote. „Hervorragend ist die Verbindung aus offener Jugendarbeit und der Übernachtungsmöglichkeit im Schullandheim“, so Schwarz.

Ziel: Historisches Flair erhalten

Dass es erneut nicht zu mehr Sternen gereicht hat, war zu erwarten, wie Peter Neumann vom Förderverein sagt. „Wir wollen keine hochmodernen Luxuskabinen. Wir sind vielmehr bestrebt, das historische Flair aufrechtzuerhalten.“

Die Anforderungen für die Zertifizierung seien in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. „Der Jugendschutz ist wesentlich strenger. Früher hat sich zum Beispiel ein Pädagoge einfach um eine Schar von Kindern gekümmert, heute ist genau festgelegt, nach welchen Normen das zu erfolgen hat“, sagt Neumann. Schwarz bestätigt das. Er betont zudem, dass die Prüfung freiwillig ist und sich dieser nur wenige stellen. „Einer Kontrolle unterzieht sich in Rostock nur noch die Jugendherberge Warnemünde“, so Schwarz.

Appell an Rostocks Unternehmen

Mitarbeiter Utz-Olaf Borowitz (56) hängt die neue Zertifizierungsurkunde im Schiff auf. Quelle: André Horn

Für Rostocks neue Bürgerschaftspräsidentin Regine Lück (Linke) ist die „Likedeeler“ eine kostbare Perle: „Toll, dass Kinder und Jugendliche hier nicht nur Maritimes lernen, sondern viel fürs Leben mitbekommen“, sagt Lück. Aus ihrer Sicht müsste das Kinder- und Jugendreisen noch viel stärker gefördert werden. „Wer als Kind in MV war, kommt auch wieder. Die Kinder- und Jugendreisen müssten daher einen viel größeren Stellenwert haben, wenn wir Tourismusland Nummer eins bleiben wollen“, so die frühere Vize-Präsidentin des Landtages.

Auch appelliert Lück an Rostocks Unternehmen, die maritime Jugendarbeit mit Geldspenden zu unterstützen. Allein die Pflege eines so alten Schiffes sei sehr aufwendig: 2017 musste die „Likedeeler“ zum Beispiel zur Überholung in die Werft. Kosten: eine Million Euro. Grundsätzlich stemme der Verein 50 Prozent der jährlichen Finanzierungskosten, der Rest kommt von der Stadt. Mitunter gebe es auch Förderungen von Bund und Land.

Mehrere tausend Kinder und Jugendliche nutzen pro Jahr die Angebote der „Likedeeler“. Acht feste Mitarbeiter und vier Hilfskräfte vom Jobcenter sind hier tätig. Hinzu kommen zahlreiche Ehrenamtler. Insgesamt zählt der Verein 160 Mitglieder.

Das bedeutet der Name „Likedeeler“

Das Jugendschiff „Likedeeler“ ist 1962 auf der Rostocker Neptun Werft als MS „Condor“ gebaut worden. Die Condor transportierte für die Deutsche Seereederei Schütt- und Stückgut sowie Holz in der Tramp- und Linienschifffahrt. Das Schiff war dabei auf Nordsee, Ostsee und dem Mittelmeer unterwegs.

Im November 1986 ist die MS „Condor“ außer Dienst gestellt worden. Es folgte der Umbau zum Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche. Im Dezember 1988 ist es als Jugendschiff „Immer bereit“ in Dienst gestellt worden.

Nach der Umbenennung in „Likedeeler“ übernahm der Förderverein im Mai 1993 die freie Trägerschaft. Der Name geht auf Klaus Störtebekers Piraten zurück, die ihre Beute stets zu gleichen Teilen aufteilten. Der Volksmund nannte sie daher „Likedeeler“. „Like“ heißt aus dem Niederdeutschen übersetzt „gleich“ und „deel“ steht für „teilen“.

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Von André Horn

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