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Rostock Rostocks OB-Kandidat Claus Ruhe Madsen: Ein Däne für Rostock
Mecklenburg Rostock Rostocks OB-Kandidat Claus Ruhe Madsen: Ein Däne für Rostock
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11:51 10.05.2019
Zeig mir, wie Du wohnst und ich sag Dir, wer Du bist: Das Büro von Claus Ruhe Madsen (46) ist gleichzeitig sein zweites Wohnzimmer. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

 Der Däne Claus Ruhe Madsen will Rostocks Oberbürgermeister werden. Unter dem Credo „Rostock bewegen“ hat er sich aufgemacht, die Hansestadt ein Stück besser zu machen. Aber wer ist überhaupt dieser Wikinger aus Dänemark und was macht ihn aus? Wir haben einen Nachmittag mit Claus Ruhe Madsen verbracht und nicht nur den OB-Kandidaten, Möbelhauschef und ehemaligen IHK-Präsidenten kennengelernt, sondern Madsen als Mensch. Und der hat viel zu erzählen.

Aufgewachsen im Plattenbau

Claus Ruhe Madsen kommt 1972 in Kopenhagen auf die Welt. Nicht im hippen Szeneviertel der Stadt, dafür in einer Neubausiedlung. Vom Betonblock aus entdeckt er die Welt. Die Verhältnisse beschreibt Madsen als „einfach“, zur Toilette geht es über den Flur, geduscht wird in der Küchenspüle. Von nordischer Moderne und skandinavischem Chic keine Spur. Von Minimalismus hingegen schon. Wenn Madsen an seine Kindheit denkt, hat er seine Mutter vor Augen. Die junge Arztsekretärin bringt ihn morgens auf dem Fahrrad in die Kita, nachmittags schleppt sie Einkaufstaschen. Als er fünf Jahre alt ist, lernt seine Mutter einen neuen Mann kennen. „Einen Unternehmer. Ich glaube, von ihm habe ich den Geschäftssinn“, stellt er fest. Mit zwölf Jahren gründet Madsen seine erste Firma und mäht Rasen gegen Taschengeld – erst für den Stiefvater, dann für die ganze Nachbarschaft.

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Baden in der Küchenspüle: Claus und seine Mama lebten in einem Plattenbau in Kopenhagen. Quelle: privat

„Eine lebensprägende Zeit“

Schon bald verlässt die Familie die Großstadt und zieht nach Fjand. Fjand hat bis dahin neun Einwohner, mit den Madsens sind es zwölf. Zwischen Fjorden und Nordsee lebt es sich schön, nur der Schulweg über drei Stunden täglich ist beschwerlich. Mit 14 Jahren zieht Madsen ins Internat. Dort verbringt er die Nachmittage mit Handball und Basketball, wird Torwart der Fußballmannschaft. Das allerdings nur, „weil sich niemand fand“, gibt er mit einem Grinsen zu. Madsen ist 17, als sein halbjähriges Abenteuer auf dem Fischkutter beginnt. „Eine lebensprägende Zeit“, erinnert er sich zurück. Dort habe er gelernt, was Zusammenhalt und Disziplin bedeuten. Wer Kummer hatte, musste ihn für sich behalten. Zum Schwatzen war keine Zeit. Sein Abitur machte er mit Auszeichnung und wollte danach mit Bärenmütze die dänische Königin schützen. „Das kam für meine Eltern nicht in Frage. Lieber sollte ich für ein Jahr ins Ausland gehen.“

Immer noch im Auslandsjahr

Madsen ging ins Ausland. „Ich befinde mich übrigens noch immer im Auslandsjahr“, sagt er mit diesem eigenen Witz und meint es trotzdem ernst. Er kam nach Deutschland mit dem Traum, Helmut Kohl zu treffen, „diesen großen Europäer“, wie er ihn nennt. 1992 heuerte er bei einem Möbelhändler in Essen an. Nur, wer geht ins Ruhrgebiet, wenn ihm die Welt offensteht? „Klar, das war ein Kulturschock, aber trotzdem toll. Die großen Fußballmannschaften kamen aus dem Ruhrgebiet. Ich wollte auch deshalb da hin“, erinnert sich der Däne. Erst sprach er nur „Möbel-Deutsch“, dann lernte er das richtige. Heute schleicht sich in seine geschliffene Sprache nur gelegentlich ein dänischer Akzent. 1998 zog er wieder an die Ostseeküste, dieses Mal auf die andere Seite. Hier baute er den Wikinger-Möbelladen auf. Inzwischen besitzt er fünf Filialen und hat Softeis und Wohnmobile im Angebot. Kohl traf er nie, aber Angela Merkel. „Ich habe großen Respekt vor ihr“, sagt er – und mittlerweile sogar einen Stuhl mit ihrer Unterschrift.

Er ist Däne, Rostocker, Wikinger, Rennradfahrer, Handballtrainer, Familienvater, ehemaliger IHK-Präsident und vieles mehr: Claus Ruhe Madsen hat viele Talente und zeigt uns seine Bilderbuchmomente.

Däne, Hobbyradler, Möbelhändler

Wir treffen Madsen in seinem zweiten Zuhause. Sein Büro im Möbelhaus Wikinger sieht aus wie ein Wohnzimmer, mit Couch und Schreibtisch. Ein Rennrad steht auf dem Boden, ein zweites hängt an der Wand. Die Einrichtung ist stilvoll, vor dem Gebäude parkt sein Wahlmobil, ein Lastenrad. Aus Warnemünde ist er damit her geradelt. An Madsens Wänden hängt auch ein Poster des früheren dänischen Radprofis Bjarne Riis und das Trikot eines dänischen Nachwuchsfahrers. Dazu ein Stehpult aus Dänemarks Königshaus und ein Holzschreibtisch aus dem Jahr 1960.

Hier zeigt sich schon ganz gut, wer Madsen ist: Däne, Hobbyradler, Handballtrainer und Möbelhändler, der Geschichten zu erzählen hat – über den Radsport, das dänische Königshaus, deutsche Politik und Design. Die Magneten über seinem Schreibtisch sind Souvenirs, aus jedem Land ein anderer, aus jedem Land eine andere Geschichte.

Zwei Herzen in einer Brust

Madsen greift in ein Regal und holt zwei kleine Skulpturen hervor. „Die sind mir sehr wichtig“, sagt der 46-Jährige. In der rechten Hand hält er, schwer wie Blei, Holger Danske. Das ist ein dänischer Schutzpatron und Sagenheld, welcher so lange schlafe, bis er das Land beschützen müsse. Links zeigt er den Abguss von Michael Tryanowski, dem 2018 verstorbenen Spielmannopa. „Das ist auch mein großer Rostock-Bezug“, sagt Madsen. Hier materialisiert sich die Identität des dänischen Rostockers, des deutschen Dänen. In Madsens Brust schlagen zwei Herzen. Seinen dänischen Pass, gibt er zu, behalte er trotzdem und sagt es so: „Ich bin Europäer und Rostocker.“

Claus Ruhe Madsen hält zwei Figuren in der Hand, die ihm besonders wichtig sind: den dänischen Sagenheld Holger Danske (l.) und den Abguss vom Rostocker Straßenmusiker Michael Tryanowski von Wolfgang Friedrich. Quelle: OVE ARSCHOLL

Finnisch-dänische Familie aus Warnemünde

Vielleicht ist es kein Zufall, dass Claus Ruhe Madsen in Warnemünde wohnt, dort, wo täglich die Fähre nach Dänemark ablegt. Manchmal werde die Wohnung zwar etwas klein, aber „es ist schön hell, das mag ich“, sagt Madsen. Seine Einrichtung beschreibt er als skandinavisch-hell und minimalistisch. Möbel vom Wikinger? „Nicht ausschließlich, wir sind auch Ikea-Fans.“ Seine Frau Marianne ist Finnin. Im Ruhrgebiet haben sich die beiden kennengelernt und sind vor 21 Jahren gemeinsam nach Rostock gekommen. Zuhause werde deutsch gesprochen, finnisch gesungen und dänisch gedacht. „Kinderlieder singen wir eigentlich in allen Sprachen. Gute Nacht sagen wir einander auf dänisch.“

Politische Bildung für Fortgeschrittene

Claus Ruhe Madsen und seine Frau haben eine Tochter. Sie ist zehn Jahre alt. Neben ihrem Kinderbett, erzählt uns Madsen, hängt ein Wahlplakat von ihm. „Sie hat es dort aufgehängt, weil wir uns momentan so selten sehen“, erklärt er. Die vielen Fotos auf seinem Smartphone macht er vor allem für sie. „Meine Tochter schaut sich gern die Bilder an und ich erzähle ihr dann die Geschichten dazu.“ Ein Wahlplakat in seinem Büro ist mit schwarzem Edding bemalt: Locken, Nasenpiercing und lange Wimpern zieren den bärtigen Kandidaten. „Das ist politische Bildung“, so Madsen. Seine Tochter war’s. „Ich habe ihr beigebracht, dass man eigene Plakate bemalen darf, aber niemals die der anderen“, sagt er und grinst.

Ehrenamt

Eine Herzensangelegenheit ist für Claus Ruhe Madsen der Förderverein Hanse-Tour-Sonnenschein. Die Benefizradtour zugunsten Krebs- und chronisch kranker Kinder organisiert der OB-Kandidat seit vielen Jahren ehrenamtlich. Bei der jährlich stattfindenden Hanse-Tour Sonnenschein treten mehr als 200 Teilnehmer gemeinsam für die gute Sache in die Pedale. Alle Spenden kommen zu 100 Prozent den Kindern zugute. Wer helfen möchte, findet alle Infos unter: www.sonnenscheintour.de

Außerdem ist Madsen als Handballtrainer der Spielerinnen des „SV Warnemünde“ aktiv. Sein Ehrenamt als IHK-Präsident legte er kürzlich nieder.

Vom Prüfling zum Prüfer

Als Madsen das erste Mal auf die IHK traf, war er Prüfling auf dem Weg zum Handelsfachwirt. „Ich erzielte 100 Punkte und die Prüfer fragten mich, ob ich nicht selbst Prüfer werden wolle“, erzählt er. Das war zunächst ein fremdes Pflaster für den weltoffenen Vagabunden. In der Industrie- und Handelskammer trugen von 120 Menschen zwei keinen Anzug: Madsen und eine Frau. Die Zeit als IHK-Präsident wolle er nicht missen, sei heute aber froh, das Hemd gegen den Kapuzenpullover, noch dazu mit eigenem Konterfei, eingetauscht zu haben.

„Durchstarten und machen, nicht nur überlegen“

Madsen will Gas geben. Als Däne schätzt er Transparenz, die Begegnung auf Augenhöhe und einen gesunden Menschenverstand. Als er nach Deutschland kam, irritierten ihn Sprüche wie: Nur die Harten kommen in den Garten. „So etwas gibt es bei uns nicht“, stellt er fest. Auf das Herz zu hören, zu tun, wofür man brennt und den Mut zu haben, etwas aus seinem Leben zu machen, ist der Ratschlag, den Madsen der jungen Generation gern mitgeben würde. Als IHK-Präsident habe er einmal 1500 Kinder gefragt, was sie werden wollen. „Nicht einer hat gesagt Unternehmer. Das macht mir Sorgen.“ Dabei seien die Ideen junger Menschen und ein kreativer, unternehmerischer Geist so wertvoll. „Durchstarten und machen, nicht nur überlegen.“ Das ist auch das, was Madsen sich für Rostock wünscht. Und was er selbst getan hat, als er zum Auslandsjahr in den Zug nach Deutschland stieg und jetzt sagt: „Ich habe einen Plan für Rostock.“ Und dieser Plan sieht eben vor, dass im Garten, neben den Harten, auch Platz für die Smarten ist.

Politische Ziele

Umwelt

„Als Stadt auf Mehrwegpfand und umweltschonende Alternativen setzen, ein digitales Bürgerportal einführen, das papierfrei und von zu Hause aus erreichbar ist, den Energie- und Wasserverbrauch der Stadt senken und Abfallmengen reduzieren, unseren öffentlichen Nahverkehr auf alternative Antriebsformen umstellen, ein modernes Last-Mile-Konzept entwickeln, ein schlüssiges und sicheres Radwegenetz für Rostock bauen, freiwillige Umwelt- und Aufräumtage initiieren und unterstützen, um unsere Stadt hyggelig zu machen – zu einem Ort, der glücklich macht.“

Soziales

„Neue Konzepte, um Wohnraum zu schaffen, z.B. durch den Bau von Tiny House Parks, eine Planung und Entwicklung der Stadt, die alle Menschen berücksichtigt und die Rostock zu einer ‚menschenfreundlichen Stadt’ macht, Räumlichkeiten für die Muslimische Gemeinde, Modernisierung der Sportstätten und mehr Fitnessgeräte auf öffentlichen Plätzen, mehr Investitionen in die Kinder- und Jugendarbeit, ein Aktionsmonat im Jahr, der sich um die Gesundheit und Fitness der Menschen dreht, Tierkümmerer, die Haustierhalter dabei unterstützen, wenn sie in Not geraten sind.“

Bildung

„Praxisnahe Bildung, die sich an der Lebensrealität orientiert, Schulgärten für ein praktisches Verständnis unserer Umwelt, mehr Handwerk im Unterricht, verbesserte und zeitgemäße Ausstattung unserer Schulen, internationale Schulen, stärkere Vernetzung von Bildung und Wirtschaft, mehr Nachhilfeangebote, digitale Lerngruppenangebote für Senioren, moderne Berufsschulen mit weiterentwickelten Konzepten.“

Wirtschaft

„Stärkung der kreativen Wirtschaft, der Forschung und Universität, verbesserte Gründerkultur, Wirtschaftsförderung durch Wirtschaftskümmerer, bessere Schnittstellen zwischen Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft, stärkere maritime Forschung und Wirtschaft, verbesserte digitale Infrastruktur für Gewerbe, Fokus auf Tourismus-Branche, verbesserte Berufsausbildung und ein besseres Qualifizierungssystem, attraktivere Gestaltung des Handwerksberufs.“

Digitalisierung

„Smarte Lösungen für Wegebeleuchtung, Parkplatzsuche und Verkehr, Möglichkeit Anträge online zu stellen, One-Stop-Behörde, Gründung eines städtischen Unternehmens zur Unterstützung von Schulen, Verwaltung und kommunalen Gesellschaften bei der Digitalisierung, moderne Netzwerke in den Stadtteilen, am Strand und in den öffentlichen Verkehrsmitteln, digitale Begegnungsräume in den Stadtteilen, Stadtmeisterschaften in E-Sports.“

Weitere Infos: www.madsen-waehlen.de

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