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Rostock Rostocks OB-Kandidat Matthias Bräuer ganz privat
Mecklenburg Rostock Rostocks OB-Kandidat Matthias Bräuer ganz privat
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06:00 18.05.2019
Matthias Bräuer möchte am 26. Mai zu Rostocks neuem Oberbürgermeister gewählt werden. Er lebt mit seiner Frau Pranee und den Hunden Odi (l.) und Bobby in Kösterbeck. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

 Stolz präsentiert Matthias Bräuer sein zu Hause. Eine Collage im Eingangsbereich erinnert an die Tage, als nur die Grundmauern des großen gelben Hauses standen. Die Pläne für das Gebäude hat der Oberbürgermeisterkandidat (parteilos) selbst entworfen. Die Bilder im Flur dokumentieren den gesamten Bauprozess. Gerne denkt der 45-Jährige an diese Zeit zurück: „Ich habe mich schon immer für Architektur interessiert, daher wollte ich das Haus nach meinen eigenen Vorstellungen errichten lassen.“

In seinem Wohnzimmer fühlt er sich besonders wohl. Dort hat sich der gebürtige Rostocker eine gemütliche Oase zum Entspannen geschaffen. Eine lila gestrichene Wand bringt Farbe in den großen lichtdurchfluteten Raum. „Von hier aus kann ich alles überblicken“, sagt er und zeigt in Richtung Garten, wo die beiden Chihuahuas Odi und Bobby sich eine Verfolgungsjagd über den frisch gemähten Rasen liefern.

Übernachten im Seehafen

Aufgewachsen ist Bräuer im Rostocker Stadtteil Evershagen, wo er mit seinen Eltern und seiner zehn Jahre jüngeren Schwester im fünften Stock eines Plattenbaus wohnte. „Direkt über unserer Wohnung war eine Sirene angebracht, die zu DDR-Zeiten jeden Mittwoch pünktlich um 13 Uhr losging“, erinnert sich der Oberbürgermeisterkandidat.

In seinem Kinderzimmer hingen Plakate der britischen Band „Talk Talk“ und der Sängerin Kim Wilde. Sein Stiefvater, ein nautischer Offizier auf einem Containerschiff, brachte ihm diese nach seinen Einsätzen auf See mit. „Wenn sein Schiff im Seehafen anlegte, durften wir dort übernachten.“ Das Entladen der Container habe oft mehrere Tage gedauert, so dass Bräuer viel Zeit auf den Frachtern verbrachte. „Meine Schwester und ich konnten alles erkunden – egal ob im Maschinenraum oder an Deck. Das war toll.“

Der parteilose Oberbürgermeisterkandidat zeigt sich ganz privat. Zusammen mit seiner Frau Pranee und seinen beiden Hunden lebt er in einem Haus in Kösterbeck.

Neben einer beträchtlichen Sammlung an Postern hatte der damals noch junge Teenager ganze Regale voller Tonkassetten in seinem Kinderzimmer stehen. „Zu dieser Zeit waren nicht alle Radiosender erlaubt. Wenn ich die Gelegenheit dazu hatte, habe ich die neuesten Lieder mitgeschnitten.“ Ein beliebter Treffpunkt für ihn und seine Kumpels war der Schwarzmarkt in Warnemünde, gesteht er. „Dort hat man einfach alles gefunden. Auch die Bravo.“

Damals im Ferienlager

Seine Sommerferien verbrachte Matthias Bräuer größtenteils im Erzgebirge. Zwei Wochen, in denen er ganz ohne seine Eltern, dafür aber mit Freunden Fußball spielen und wandern konnte. Die Zeit im Ferienlager hat er so sehr genossen, dass er mit 15 Jahren beschloss, als Helfer weiterzumachen. „Es hat einfach Spaß gemacht. Wir haben uns bei der Nachtwanderung als Gespenster verkleidet und verschiedene Spiele organisiert.“ Ein besonderes Highlight sei jedes Mal die Abschiedsparty gewesen.

Auf Tour mit Depeche Mode

Nach seiner Schulzeit absolvierte Bräuer eine Ausbildung zum Maler und Lackierer. „Allerdings habe ich den Beruf nie wirklich ausgeübt, weil ich die Gerüche nicht gut vertragen habe“, berichtet er. Stattdessen bewarb er sich als Verkaufswagenfahrer und transportierte Tiefkühlkost. „Die Arbeit hat mir gefallen. Man kam viel rum und hatte mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun.“ Als sich einige seiner Kumpels selbstständig machten, schloss er sich ihnen an. „Damit habe ich mir einen Traum erfüllt.“ Als Bühnenbauer war er nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland tätig.

Ein Auftrag, den er nie vergessen wird: „1998 sollte ich bei den Aufbauarbeiten für ein Konzert mithelfen. Im Backstagebereich kamen mir schließlich drei Männer entgegen und grüßten mich.“ Ganz perplex stellte der Freiberufler fest, dass es sich dabei um die Mitglieder seiner absoluten Lieblingsband „Depeche Mode“ handelte. „Das war so cool. Solche Stars sieht man schließlich nicht jeden Tag einfach an sich vorbeilaufen.“

Mittlerweile ist Bräuer ein leidenschaftlicher Konzertgänger. Um Bands wie „Genesis“ live spielen zu sehen, nehmen er und seine Ehefrau gerne ein paar hundert Kilometer Fahrt in Kauf. „Ich bin froh, dass meine Frau diese Leidenschaft für Musik teilt. Sie ist immer an meiner Seite und rockt mit mir ab.“

Liebe auf den ersten Blick

Kennengelernt haben sich die beiden im Internet. „Auf einer seriösen Plattform“, wie der OB-Kandidat betont. Nachdem sie sich über Monate hinweg lange Nachrichten schrieben, beschlossen sie, sich endlich persönlich zu treffen. Einziges Problem: Die heute 27-jährige Pranee wohnte zu diesem Zeitpunkt noch in ihrer Heimat in Thailand. „Das war uns aber egal. Wir mussten uns einfach sehen.“ Auf Anhieb habe die Chemie zwischen den beiden gestimmt. „Es war – wie man so schön sagt – Liebe auf den ersten Blick.“ Mittlerweile ist das Paar seit über sieben Jahren glücklich verheiratet. „Sie unterstützt mich in allem, was ich mache und ist immer für mich da.“

Der Tag, der sein Leben veränderte

Ein Aspekt, den der gelernte Maler sehr zu schätzen weiß, denn im Alltag ist er auf viel Unterstützung angewiesen. Seit seinem 27. Lebensjahr sitzt er im Rollstuhl. „Im April 1999 habe ich am Aufbau einer Bühne in der Schweiz mitgewirkt“, erzählt Bräuer. „Es hat fürchterlich doll geregnet und dann bin ich plötzlich abgerutscht.“ Drei Meter tief ist er gefallen. Mit dem Kopf voran. „Ich kann mich kaum noch daran erinnern, was danach passierte. Ich weiß nur noch, dass ich dalag und ab der Brust abwärts nichts mehr spüren konnte. Als Nächstes bin ich im Krankenhaus aufgewacht.“ Gute zehn Jahre habe er gebraucht, um mit dieser Situation umgehen zu können. „Es war für uns alle nicht leicht. Meine Familie kam sofort angereist und begleitete mich durch alle Höhen und Tiefen.“

Politische Ziele

Sicherheit

„Sicherheit ist ein ganz wichtiges Thema für mich. Ich möchte, dass öffentliche Plätze besser bewacht werden. Bestenfalls durch Videoaufzeichnungen. Damit können Straftaten schneller aufgeklärt oder sogar verhindert werden. Außerdem benötigen wir mehr Polizeibeamte im Dienst.“

Barrierefreiheit

„Etwas, das ich alltäglich merke. Noch immer sind viele Straßen und Gehwege für Mobilitätseingeschränkte eine Zumutung. Damit meine ich nicht nur Rollstuhlfahrer, sondern auch Mütter mit Kinderwagen oder ältere Mitbürger mit Rollatoren. Selbst für Fußgänger gibt es zahlreiche Stolperfallen. Hier muss dringend eine Lösung her.“

Kinderbetreuung

„Ich werde mich dafür einsetzen, dass in der Hansestadt mehr Betreuungsmöglichkeiten für Kinder entstehen. Entweder durch den Neubau von Kindertagesstätten oder durch die Förderung von Tagesmüttern. Damit möchte ich Familien unter die Arme greifen.“

Schichtsystem im Straßenbau

„Bauarbeiten und Sanierungen dauern einfach viel zu lange. Die ganze Stadt ist übersät mit Baustellen und gefühlt geht es nirgendwo voran. Um diese schneller über die Bühne zu bringen und Staus zu vermeiden, möchte ich ein einheitliches Schichtsystem einführen. In anderen Städten funktioniert das bereits gut. Dort arbeitet man in Früh- und Spätschichten, damit die Baustellen nicht den halben Tag unbetreut sind.“

Warnowtunnel

„Der Warnowtunnel soll eine Entlastung sein. Die Gebühren sind allerdings viel zu hoch für eine Stadt wie Rostock. Die meisten Leute nehmen lieber den längeren Weg in Kauf und fahren außen rum. Das ist sowohl für den Verkehrsfluss als auch für die Umwelt schlecht. Ich möchte durch eine Senkung der Gebühren dafür sorgen, dass wieder mehr Menschen den Tunnel befahren.“

Bräuer: „Nichts ist unmöglich“

Heute möchte er anderen Querschnittsgelähmten Mut geben: „Das Leben geht weiter. Man kann einiges daraus machen.“ Er selbst habe sich seine Selbstständigkeit Schritt für Schritt zurückerkämpft. „Man denkt viel darüber nach, wie es weitergehen soll. Wichtig ist aber, dass man sein Leben neu entdeckt und alle Möglichkeiten ausschöpft.“ So hat er sich beispielsweise vor knapp sieben Jahren den Traum vom Autofahren erfüllt. Dafür habe er sich extra ein Fahrzeug anfertigen lassen, das ausreichend Platz für seinen Rollstuhl bietet und ausschließlich mit den Händen betrieben wird. Lediglich beim Hineinmanövrieren braucht er die Unterstützung seiner Frau. „Ich habe es früher geliebt, Auto zu fahren. Dass ich das heute wieder kann, zeigt doch, dass nichts unmöglich ist.“

Ein Haus, zwei Kulturen

Der Oberbürgermeisterkandidat ist viel in Rostock unterwegs. Ob zum Bummeln im Stadtzentrum oder zum Eisessen in Warnemünde. Am allerliebsten aber macht er es sich im „Carlo 615“ am Stadthafen bequem. „Zu einem guten Steak sage ich nie Nein. Dort weiß ich außerdem,woher das Fleisch ist.“ Und das ist ihm sehr wichtig. „Ich achte selbst immer darauf, woher die Lebensmittel, die wir essen stammen.“ In seinen Einkaufswagen kommt daher nur, was im Bio-Regal liegt. Im Sommer möchte er in seinem Garten ein kleines Gewächshaus aufstellen. „Dann kann meine Frau thailändische Kräuter anbauen und damit einen Teil ihrer Heimat nach Rostock holen.“

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