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Rostock Rostocks OB-Kandidat Tom Reimer: Biologe mit Metal im Blut
Mecklenburg Rostock Rostocks OB-Kandidat Tom Reimer: Biologe mit Metal im Blut
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02:20 22.05.2019
Jam Session im Wohnzimmer: Wenn Tom Reimer vom Alltag abschalten will, dreht er den Verstärker auf und haut in die Saiten seiner E-Gitarre. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Draußen zwitschern die Vögelchen, drinnen brüllt ein Berufsgrunzer aus den Kassettenrekorder-Boxen: Wenn Tom Reimer in seinem Schuppen werkelt, läuft dabei schon mal Musik der härteren Gangart mit. Life of Agony zum Beispiel. Oder Cannibal Corpse. Death Metal im Naturidyll.

Daheim im Reihenmittelhaus

Tom Reimers ist dort zu Hause, wo man statt martialischer wohl eher Heimatmelodien erwarten würde: in Brookhusen, einem Dorf nahe Schwaan. Vor ein paar Jahren hat der gebürtige Rostocker mit seiner Familie das Reihenmittelhaus in der Straße „Zum Gutshof“ bezogen. Dieses Fleckchen Erde findet nur, wer sich auskennt. Ortsfremde leitet das Navi in die Irre.

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Morgendliches Chaos

Auch bei Tom Reimer täuscht der erste Eindruck. Den Hardcore-Hörer sieht man ihm an diesem Morgen nicht an: Der 43-Jährige sitzt in Jeans, Pulli und Badeschlappen am Küchentisch, nippt an einer Tasse Salbei-Minze-Tee und fegt mit der Hand ein paar Brotkrümel zusammen. „Bei uns herrscht morgens immer das Chaos“, gesteht er und lacht. Eben noch haben hier seine Kinder (3, 5, 10 und 12 Jahre) gefrühstückt. Jetzt sind die drei Töchter, der Sohn und auch Reimers Lebensgefährtin aus dem Haus.

In der Küche geht’s heiß her

Die Küche ist der Ort im Haus, an dem sich das Familienleben hauptsächlich abspielt. Und an dem es täglich heiß hergeht: Tom Reimer kocht gerne. Die Spargelsuppe vom Vorabend steht noch auf dem Herd. Daneben wartet Rhabarber darauf, zu Kompott eingekocht zu werden. „Aus eigener Ernte“, sagt Reimer stolz.

Neurobiologe mit Denkfabrik

Obst und Gemüse baut er irgendwo im Nirgendwo an: Zwischen Krakow am See und Teterow hat der Neurobiologe vor zwei Jahren im ehemaligen Wirtschaftsgebäude von Gut Rothspalk seine „Königsblau Denkfabrik“ gegründet – ein Kreativzentrum, in dem er Ideen für eine gesellschaftliche Erneuerung entwickeln will. „Eines meiner vielen Hobbys“, sagt Reimer. Hier kuratiert er Ausstellungen, malt, schreibt Bücher. Und urlaubt mit seiner Familie.

Kindheit zwischen Platte und Dorf

Tom Reimer ist gerne im Grünen und schon als Knirps ein echter Naturbursche. Zwar wächst er in einem Groß Kleiner Plattenbau auf. Die Wochenenden aber verbringt er bei Oma und Opa in Groß Lüsewitz. „Dorfjugend, Kino, Disco, Angeln – ich hatte alle Freiheiten und hab’ auch mal Mist gebaut. Aber das bleibt ein Geheimnis zwischen meiner Oma und mir“, sagt er schmunzelnd.

Umzug wider Willen

Sein jetziges Zuhause erinnert Reimer an jene unbeschwerten Tage. Trotzdem wäre er lieber in Rostock geblieben – der Stadt, deren neuer Oberbürgermeister er werden möchte. Doch die letzte Wohnung an der Warnow war der Familie irgendwann zu klein, eine größere nicht zu finden.

Viel Platz für die Familie

In Brookhusen ist Platz. Das Wohnzimmer mit Panoramafenster zur Terrasse ist groß. Unterm Dach haben sich Tom Reimer und seine Lebensgefährtin ein gemeinsames Arbeitszimmer eingerichtet. Die zweite Etage teilen sich die Kinder.

Glücklich ohne Trauschein

Die vier sind für Herzblut-Papa Reimer „lebensbestimmend“. Die Familienplanung ist trotzdem abgeschlossen – zumindest für ihn. „Für meine Partnerin wohl noch nicht so richtig. Sie liebt Babys“, verrät er. Mit seiner Liebsten ist Reimer seit 13 Jahren ohne Trauschein glücklich. „Hochzeit brauch’ ich nicht. Das ist ein christliches Phänomen. Ich bin Biologe. Da ist die Natur das oberste Gesetz.“

Prominentes Vorbild

Mit Religionen habe er ohnehin nicht viel am Hut. Jedenfalls nicht mit denen, die es schon gibt. „Zu altbacken. Wir sollten eine neue gründen, die keine Institutionen braucht und auf humanistischen Werten beruht.“ Zum Beispiel der Ehrfurcht vor dem Leben. Dieser Grundsatz geht auf eines von Reimers Vorbildern zurück: Albert Schweitzer.

Reimer lässt die Sau raus

Mit dem berühmten Urwalddoktor hat er vieles gemeinsam, zum Beispiel die Liebe zur Musik. Schweitzer war Organist. Reimer haut lieber in die Saiten seiner E-Gitarre. Will er vom Alltag abschalten, dreht er im Wohnzimmer den Verstärker auf und legt los. „Die Sau rauslassen – das brauch’ ich manchmal“, sagt er und lacht.

Traumjob Dirigent

Als Neunjähriger greift Reimer erstmals zur Klampfe. Seine Eltern – beide Musiklehrer – melden ihr einziges Kind am Konservatorium an. Acht Jahre lang spielt Tom Reimer klassische Gitarre –auch vor Publikum. Unvergesslich: Mit dem Landesjugendorchester tritt er in Bielefelds Rudolf-Oetker-Halle auf. „Danach hab’ ich monatelang nur klassische Musik gehört und wollte Dirigent werden.“

Naturwissenschaftler und Philosoph

Es kommt anders. Tom Reimer wird Biologe. Ein eher spontaner Entschluss. „In der Schule war ich in Bio am besten. Also hab’ ich gedacht: ,Studierst’ das mal gleich noch’“, scherzt Reimer. Naturwissenschaft allein reicht ihm nicht, deshalb schreibt er sich zusätzlich für Philosophie, Germanistik und Geschichte ein.

Abtauchen in Fischgründen

Reimer will’s immer noch wissen. „Alles, was ich noch nicht kann, ist für mich interessant.“ Ob Technik, Kunst oder Literatur – sobald etwas sein Interesse erregt, vertieft Reimer sich darin. Beruflich taucht der Biologe derzeit in die Fischgründe des Stettiner Haffs ab. Hier soll Reimer für die Landesforschungsanstalt herausfinden, wie es um den Ostseeschnäpel bestellt ist.

Erst Werbung, dann Witze

Beruflich hat Reimer viel ausprobiert: Als Headhunter sucht er für Unternehmen Spitzenkräfte, arbeitet im Paketzentrum, als Eisverkäufer und Promoter. Dass er neben Werbebotschaften auch Witze rüberbringen kann, zeigt sich 1997.

Mit Kabarett auf Tournee

Zwei junge Frauen quatschen Reimer im Studentenkeller an. Ob er nicht Lust habe, beim Kabarett „Rohrstock“ anzuheuern? Er hat. Für neue Erfahrungen sei er immer offen. „Außerdem sahen die Mädels schick aus“, sagt Reimer und lacht. Es folgen 40 Auftritte im Semester. „Dabei ist das Studium ein bisschen verschüttgegangen.“ Dafür geht’s im Ford Transit auf Frankreich-Tournee. „Richtig cool.“

Holzarbeit mit Metal

Heute ist Tom Reimer lieber mit seinen Kindern in der Natur unterwegs oder versucht sich daheim als Handwerker. Für seine Töchter baut er gerade an einem Spielhaus im Garten. Bis es bezugsfertig ist, muss Tom Reimer wohl aber noch die eine oder andere Schicht im Schuppen einlegen. Und nebenbei läuft Metal mit.

Zur Person: Tom Reimer

geboren 1976 in Rostock

aufgewachsen in Groß-Klein und Groß-Lüsewitz

8 Jahre Konservatorium, Klassische Gitarre

Studium Biologie, Germanistik, Philosophie

Darsteller beim Kabarett ROhrSTOCK 1997/98

Diplom im Fachgebiet Neurobiologie, Promotion zum Dr. rer.nat. in Biophysik

Tätigkeiten an der Universität Rostock, in versch. Unternehmen und als Selbstständiger

2017 Gründung Königsblau-Denkfabrik

gegenwärtig als Biologe auf Ostsee und den Binnenseen des Landes unterwegs

in Partnerschaft lebend, Vater von vier Kindern

Politische Positionen

Neuer Stil in Politik und Verwaltung

„Ich werde einen neuen Politikstil im Rathaus etablieren, der auf Offenheit und Transparenz beruht. Wir brauchen ein Mindset des positiven, zukunftsorientierten Denkens und proaktiven Handelns. Das Klima in der Verwaltung wird optimistisch und humorvoll.“

Gemeinschaft schaffen

„Wir sind alle Rostocker, die Menschen im Rathaus in den Plattenbauten, in der Innenstadt und Warnemünde. Wir sind eine Gemeinschaft und ich werde dafür sorgen, dass wir uns als solche begreifen.“

Familienfreundlichkeit steigern

„Familien und Kinder sind die Zukunft unserer Stadt. Ich werde die Kinder- und Familienfreundlichkeit steigern, beispielsweise durch den Bau von günstigen Mehrraumwohnungen, die Erleichterung der Familiengründung für Studenten, bessere Schulen und Kindergärten und mit mehr Natur in der Stadt.“

Gründer fördern

„Unsere Wirtschaft befindet sich im Umbruch. Ich werde die Rahmenbedingungen für unsere und für neue Unternehmen verbessern, ein Kreativ- und Start-up-Zentrum aufbauen und Gründer besser fördern.“

Kunst, Kultur und Uni stärken

„Wir sind eine Stadt der Wissenschaft und Kultur. Das Renommee unserer Universität kann verbessert werden und der Stellenwert, die Wertschätzung und Bedeutung von Kunst und Kultur wird mit mir als Oberbürgermeister steigen.“

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