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Rostock Rostocks OB Madsen: „Alles wird überprüft.“
Mecklenburg Rostock Rostocks OB Madsen: „Alles wird überprüft.“
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09:28 08.12.2019
Als erster Ausländer übernahm der Däne Claus Ruhe Madsen das Amt eines deutschen Oberbürgermeisters. Nach 100 Tagen an der Spitze der Hansestadt Rostock ist Zeit für eine erste Bilanz. Entschieden ist noch wenig. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/
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Rostock

Seit Anfang September ist Claus Ruhe Madsen (parteilos) Rostocks Oberbürgermeister. Doch so richtig haben die Rostocker noch keine Gelegenheit gehabt, ihren neuen Stadtchef in den vergangenen rund 100 Tagen zu beurteilen. „Ich bin froh, dass ich mir für den Anfang vorgenommen habe, nichts zu verändern“, sagt der 47-jährige Däne, der als erster Ausländer das Amt eines deutschen Oberbürgermeisters übernommen hat. „Ich halte nichts von der 100-Tage-Frist. Ich bin für sieben Jahre gewählt.“ Und er habe die Zeit genutzt, das System kennenzulernen. Und er wolle nichts ändern, was er nicht kenne. Allerdings habe er es nicht geschafft, wie erhofft jedem der rund 2500 Mitarbeiter die Hand zu schütteln.

„Madsen durchschaut sehr schnell Prozesse und Strukturen“, sagt Sybille Bachmann vom Rostocker Bund. Er habe sich in sehr kurzer Zeit in unendlich viele Dinge einarbeiten müssen. „Aber er entscheidet noch nicht. Das ist im Moment unser Manko.“ Sie hoffe, dass sich das schnell ändere, die Verwaltung brauche Führung. Vor allem brauche die Stadt dringend einen Haushalt für das kommende Jahr.

Auch Bundesgartenschau steht an

An anderer Stelle hat Madsen aber durchaus schon eingegriffen. So stoppte er die jahrelangen Planungen zur Bebauung der Mittelmole in Warnemünde und setzte einen Neubeginn an. Für die Pläne sah er keine Mehrheit. Gleichzeitig weiß der Ex-Unternehmer, dass er nicht wirklich 100 Tage Zeit zur Einarbeitung hatte. Zu drängend sind die Probleme und die Projekte, die auf seinem überraschend aufgeräumten Schreibtisch liegen. Denn in der 14-jährigen Amtszeit seines Vorgängers Roland Methling haben sich wegen des Abbaus von mehr als 200 Millionen Euro Schulden die Probleme bei der Infrastruktur aufgestaut.

Doch auch wenn Kassenkredite abgebaut sind, sind die Dinge für Madsen nicht einfach. Die Wunschliste für die Entwicklung der Stadt ist lang: Ganz oben stehen Mega-Projekte wie der Theaterneubau oder die Bundesgartenschau 2025 (Buga) inklusive des Baus einer Brücke über die Warnow, eine Eis- und Sporthalle und ein Rathausanbau. All das sollte ursprünglich bis zum Jahr 2025/26 fertig sein.

Bis 2026 hunderte Millionen Euro Investitionen

Hinzu kommen Dutzende Straßen, in die nach Meinung von Beobachtern seit der Wende kein einziger Euro beziehungsweise D-Mark investiert wurde und so auch aussehen. Der von Radfahrfan Madsen angestrebte Ausbau des Radwegenetzes wird Millionen verschlingen. Die Ausstattung der Büros in der Verwaltung und damit auch die Gesundheitsvorsorge für die Mitarbeiter lasse oft zu wünschen übrig. Als Ex-Möbelunternehmer weiß Madsen, um welche Summen es da geht.

Das alles sei aber nicht nur ein finanzielles Problem, sagt Madsen. Alles auf einmal könne schon wegen der Planung und Bauausführung nicht klappen. „In den letzten Jahren wurde stets in der Größenordnung von rund 65 Millionen Euro investiert.“ Und nun sollen bis 2026 Hunderte Millionen Euro verbaut werden.

„Alles wird überprüft.“

„Madsen ist mit unglaublich großen Baustellen konfrontiert“, bestätigt die Vorsitzende der Linken-Bürgerschaftsfraktion, Eva-Maria Kröger. Eventuell merke er erst jetzt, wie groß die Herausforderung wirklich sei. Es sei schwierig, in nur 100 Tagen wirklich große Dinge zu bewegen. „Aktuell hat er noch nichts auf seinem Konto.“

Madsen jedenfalls hat die Gewissheit, dass auf der Investitionsseite nichts sicher ist. „Alles wird überprüft.“ Er sei zwar für den Theaterneubau, aber dafür müssten die Kosten im Rahmen von 112 Millionen Euro bleiben. Ob das aber so ist, wird sich erst am Ende der Planungen zeigen. Auch wolle er ein klares Zukunftskonzept zur Planung des ÖPNV in und um Rostock der kommenden Jahrzehnte sehen, bevor er 120 Millionen Euro für neue Straßenbahnen genehmige.

Viele Projekte ungeklärt

Völlig in den Sternen steht die Buga. Unzählige Fragen sind offen bei dem urbanen Entwicklungsprojekt, nicht nur die Finanzierung der rund 200 Millionen Euro. Auch der Umgang und die Verantwortlichkeiten mit dem Untergrund der Warnow - einer Bundeswasserstraße - ist ungeklärt. Dort lagern vermutlich giftige Abfälle und Munition. Auch hinter dem dritten Großprojekt, dem Archäologischen Landesmuseum am Stadthafen, stehen weiter Fragezeichen. Zu viele Fragezeichen, um sie in 100 Tagen beiseite zu räumen.

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