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Rostock Rostocks neuer OB Madsen: Wann er anfängt und was er verändern will
Mecklenburg Rostock Rostocks neuer OB Madsen: Wann er anfängt und was er verändern will
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05:00 06.08.2019
Der Countdown zum Machtwechsel läuft: Am 2. September will Claus Ruhe Madsen sein neues Amt als Rostocker Oberbürgermeister antreten. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Die vergangenen Wochen war es ruhig geworden um Rostocks bekanntesten Dänen: Nach seinem Erfolg bei der Oberbürgermeister-Stichwahl Ende Juni hatte sich Claus Ruhe Madsen erstmal zurückgezogen. Urlaub machen mit der Familie, vom Wahlkampf erholen und Pläne schmieden – für Rostocks Zukunft.

Jetzt aber steht der Zeitplan für die Machtübernahme am Neuen Markt: „Ich möchte am 2. September mein Amt antreten“, sagt der neue Rathaus-Chef. Erste Amtshandlung: „Wir brauchen einen Kassensturz!“

Urkunde fehlt noch

Ganz sicher ist es aber noch nicht, dass Madsen am 2. September starten kann. Das räumt der Wahlsieger selbst ein: „Mir fehlt noch die Ernennungsurkunde.“ Denn die Rechtsämter prüfen seit der Wahl genau, ob irgendetwas gegen seine Ernennung zum Wahlbeamten und zum OB spricht. „Formalien. Aber die dauern nun mal“, sagt Madsen.

Dass er die Hanse Sail noch seinem Vorgänger Roland Methling überlassen wolle, hatte er bereits am Wahlabend angekündigt. „Wir haben überlegt, ob ich erst Ende September starte. Aber das ist mir zu spät. Bis dahin haben die Rostocker ja vergessen, wen sie gewählt haben.“

Die wahlrechtliche Prüfung sei inzwischen abgeschlossen, sagt Stadtsprecher Ulrich Kunze. Ohne Beanstandungen. Der Ernennungsurkunde wird von Vorgänger Methling und dessen Stellvertreter, Ordnungssenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD), unterzeichnet. Zur zweiten Prüfung – ob Madsen auch alle Voraussetzungen nach dem Beamtenrecht erfüllt – äußert sich die Stadt nicht.

Haushalt mit Fragezeichen

Und außerdem: Vor Madsen liegt gleich eine Mammutaufgabe. Im Herbst will die Bürgerschaft über den neuen Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 beraten. Wofür gibt die größte Stadt des Landes in den kommenden zwei Jahren ihr Geld aus?

Dass Rostock aktuell wieder in die Miesen gerutscht ist, dass neue Schulden in Millionenhöhe drohen – ja, das bereite ihm schon vor Amtsantritt Kopfzerbrechen. „Ich war schon im Wahlkampf sehr vorsichtig, was Rostocks Finanzen angeht. Wir brauchen jetzt einen ehrlichen Kassensturz. Ich fürchte, da kommen noch richtige Probleme auf uns alle zu.“

Steuereinnahmen brechen ein: Wieso Rostocks Großprojekte in Gefahr sind

Die ersten 30 Tage will sich Madsen deshalb Zeit für die Finanzen nehmen – und „seinen“ Leuten Zeit geben. Nach OZ-Informationen will er in dieser Zeit so wenig Termine wie möglich machen und stattdessen im Rathaus sein. Rechnen statt Repräsentieren. „Alle Ämter, alle Abteilungen haben den September über Zeit, Pläne zu machen: Welche Aufgaben stehen an, welche sind dringend? Wo wird noch Geld gebraucht oder wo ist vielleicht auch Geld übrig? Was haben wir vernachlässigt und wo haben wir zu viel ausgeben?“

Alle Projekte, Vorhaben, Investitionen, Probleme und Ausgaben will er ein Mal gebündelt auf den Tisch bekommen. „Danach werden wir uns in der Verwaltung und auch mit der Bürgerschaft zusammensetzen.“ Prioritäten setzen, einen ehrlich und umsetzbaren Plan erarbeiten – das sei sein Ziel für den Doppelhaushalt.

Madsen will vierten Senator

Dass es Veränderungen geben wird – auch und vor allem im Rathaus selbst –, hat der neue OB längst angekündigt. Die wohl wichtigste davon: „Ich bin überzeugt, dass wir einen vierten Senator brauchen.“

Gemeinsam mit den Fraktionen und den drei amtierenden Senatoren will Madsen überlegen, wie sich die Verwaltung für zukünftige Aufgaben organisieren lässt. „Kein Senator hat bisher in seiner Zuständigkeit das Thema Digitalisierung. Und keiner ist für Innovation verantwortlich. Das möchte ich ändern.“

Auch die Kultur soll in der Führungsebene wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen. „Deshalb müssen wir Aufgaben und Zuständigkeiten neu definieren, neu verteilen. Aber das besprechen wir alle gemeinsam.“

Auch in seinem direkten Umfeld im Rathaus will er Dinge anders machen: Einen neuen Büroleiter hat Madsen noch nicht, er will zunächst mit den beiden bisherigen, kommissarischen Leitern arbeiten. „Die kennen sich bestens aus im Rathaus, kennen die Abläufe. Ich brauche ihre Expertise.“

Aber an den großen Stab, den Methling um sich herum aufgebaut hat, will er ran: „Ich brauche zum Beispiel nicht so viele Redenschreiber. Das kann ich allein. Die Kollegen möchte ich lieber dafür einsetzen, dass sie für die Bürger arbeiten – statt nur für mich.“

Madsen: „Ich will eine Erneuerung – auch im Rathaus. Ich möchte die Mitarbeiter neu motivieren und sie nach Stärken und Neigungen einsetzen.“ Mit der Ausrede „Das haben wir immer schon so gemacht“ brauche ihm niemand kommen.

2000 statt 100 Tage

Was er sich für die ersten 100 Tage vorgenommen hat? Madsen gibt darauf keine Antwort. „Die ersten 100 Tage sind auch nicht so wichtig. Wichtiger ist doch, was wir in der Stadt nach 2000 Tagen – nach meinen sieben Jahren Amtszeit – geleistet haben.“

Deshalb wolle er sich auch was das Personal und die Organisation angeht erstmal einen Überblick verschaffen. „Keine Sorge: Mir ist ein gutes Miteinander wichtig. Alle Veränderungen gehen wir gemeinsam und behutsam an“, sagt er in Richtung der mehr als 2000 Rathaus-Mitarbeiter.

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Andreas Meyer

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