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Rostock Rostocks OB Methling: Warum er sich auf den Ruhestand freut
Mecklenburg Rostock Rostocks OB Methling: Warum er sich auf den Ruhestand freut
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05:30 10.05.2019
Wenige Woche vor seinem Abschied aus dem Amt zieht Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling im OZ-Gespräch Bilanz. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Im Juli endet in Rostock eine Ära: Nach 14 Jahren scheidet Roland Methling (UFR) aus dem Amt des Oberbürgermeisters aus. Kein anderer lenkte seit der Wende so lange die Geschicke der Hansestadt. Im OZ-Interview blickt Methling schon jetzt auf seine Zeit als OB zurück, bereut so manchen Konflikt und bietet seinem Nachfolger – ganz gleich, wer das auch sein wird – Rat und Unterstützung an.

Wenn alles schnell und nach Plan läuft, ist der 6. Juli Ihr letzter Arbeitstag als OB. Was machen Sie ab dem 7. Juli?

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Mein Leben geht dann ganz normal weiter. Allerdings etwas unbelasteter. Ich bleibe Rostocker und werde für Rostock da sein. Aber die Prioritäten werden sich verschieben – was das Kümmern um Rostock und um die Familie angeht.

Im Juli endet in Rostock eine Ära: Nach 14 Jahren scheidet Roland Methling (UFR) aus dem Amt des Oberbürgermeisters aus. Kein anderer lenkte seit der Wende so lange die Geschicke der Hansestadt. Wir blicken auf besondere Momente zurück.

Wer hat nach Ihren 14 Jahren im Amt denn besondere Aufmerksamkeit verdient?

Meine Frau, meine Familie und meine Freunde. Ich habe fünf Enkel – derzeit! Die sind noch in dem Alter, in dem sie sich freuen, wenn Opa sich Zeit für sie nimmt. Und auch viele Freunde, die es schon vor 2005 gab, freuen sich darauf, dass wir künftig gemeinsam etwas mehr Zeit haben werden.

Planen Sie denn für Ihren Ruhestand ein konkretes Projekt?

Ich habe zwei Kleingärten – einen in Rostock, einen in Schweden. Da ist einiges in Ordnung zu bringen! Und ich werde zum „Liftboy“ – zum Fahrstuhlführer.

Das müssen Sie jetzt erklären …

Der Hellingkran der alten Neptun-Werft ist für mich eine Herzensangelegenheit. Der Förderverein „Tradition Ostseeschifffahrt“ will ihn zu einem besonderen Ort machen – zum Heiraten, für Verliebte. Wenn wir einen Fahrstuhl haben, werde ich mit Freunden von dort Rostock aus einer neuen Perspektive sehen.

Na ja, der Kran ist ja nur knapp 30 Meter hoch. Welche neue Perspektive?

Wir werden von dort aber beobachten, ob sich das Sparen der vergangenen Jahre und das Wiedererlangen der finanziellen Freiheit auszahlen. Beispielsweise, ob sich das Gesicht Rostocks in seinem zentralen Bereich im besten Sinne verändert und wie die Brücke über die Warnow wächst.

Sie meinen, ob die Bundesgartenschau 2025 kommt und ob der Stadthafen endlich umgestaltet wird?

Ja, auch. Die Weichen für Rostocks Entwicklung sind gestellt – für die Bebauung der Nordkante, ein neues Verwaltungsgebäude, eine Schwimm- und Eishalle im Nordwesten, Radschnellwege, das Archäologische Landesmuseum am Wasser, die Buga mit Brücke und Warnowpark.

In den vergangenen Wochen scheint es aber so, als würde Ihr größtes Vermächtnis – die Buga – in Gefahr geraten. Sehen Sie das nicht so?

Doch. Wenn wir uns nicht intensiv bemühen, gerät die ganze Zeitkette in Gefahr. Das Land kann nicht einfach zwei Jahre intensiver gemeinsamer Planungen infrage stellen. Die Buga und das neue Landesmuseum sind ja nicht nur im Rostock-Interesse, sondern im Interesse des gesamten Landes. Es geht auch darum, dass MV zeigen kann, zu was dieses Bundesland imstande ist, wenn wir Kräfte bündeln. Rostock jedenfalls wird um die Buga und das Landesmuseum kämpfen.

Welches Projekt hätten Sie gerne noch bis zum Ende begleitet?

Wir haben jahrelang daran gearbeitet, das Werftbecken zu einem neuen Kreuzfahrthafen umbauen zu können. Das hätte ich gerne noch fertig gekriegt. Der Hafen war und ist schließlich mein Leben.

Sie kandidieren für die Bürgerschaft. Wie ernst meinen Sie es damit?

Ich kann nicht von Rostock lassen und ich will Verantwortung übernehmen, dass all die tollen Entwicklungen weitergehen. Inwieweit ich als Bürgerschaftsmitglied dabei helfen kann, wird sich zeigen.

Wären Sie gerne noch länger OB geblieben?

Vor einem Jahr hätte ich noch anders geantwortet, aber jetzt: Ein klares Nein, ein Wechsel tut der Stadt gut an dieser Stelle. Die vergangenen 14 Jahre waren eine anspruchsvolle Zeit – auch für die Rostocker. Ich empfinde es als sehr glückliche Fügung, dass ich meinem Nachfolger im Rathaus eine Stadt übergeben kann, in der die Äcker bestellt sind und die Saat ausgebracht ist. Am Wochenende bin ich durch die Stadt gegangen und der eine oder andere hat mir dabei noch freundlich auf die Schulter geklopft. Ich weiß nicht, ob in sieben Jahren auch noch jemand sagen würde, dass es schade sei, wenn ich gehe. Es ist eine gute Zeit, zu gehen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Dass wir keine Schulden mehr haben, voll handlungsfähig sind – das ist ein gutes Gefühl. Nicht nur für mich. Es gibt viele Menschen, die anerkennen, dass Rostock das dynamische Zentrum des Nordens ist. Gemeinsam haben wir viele Projekte umgesetzt, ohne aber Luftschlösser zu bauen. Wichtiger aber als die Zahlen ist für mich das, was sich hinter den Zahlen verbirgt: die Menschen. 2005 lag die Arbeitslosigkeit bei 20 Prozent, heute nur noch bei sieben Prozent.

Was haben Sie aus Ihrer Sicht richtig gemacht?

Ich habe immer Wort gehalten.

Welches war für Sie der schönste Moment Ihrer Amtszeit?

Das war im Jahr 2007. Damals wurde die Vicke-Schorler-Rolle erstmals seit langer Zeit wieder im Rathaus entrollt. Zeitweise standen bis zu 500 Menschen in der Schlange auf dem Neuen Markt. Da wusste ich, dass Rostock sich immer auf die Rostocker verlassen kann. Dass die Menschen hier zu ihrer Stadt stehen.

Wenn Sie in die Vergangenheit reisen könnten: Welchen Rat würden Sie sich selbst zum Amtsantritt 2005 geben?

Ich würde meinem jüngeren Ich sagen, dass es immer das tun soll, was es für richtig hält. Und dass die Menschen immer dankbar sind, wenn man ehrlich ist …

Gibt es denn nichts, was Sie aus heutiger Sicht anders machen würden?

Doch. 2005 zum Beispiel habe ich gegen die Stimmen von SPD, CDU und Grünen den Vertrag des damaligen Theater-Intendanten verlängert. Ich habe diesen Fraktionen damit einen Grund für jahrelange Konfrontationen geliefert. Das war es aber nicht wert. Aber so manche Erkenntnis musste erst reifen.

In Ihrem Büro haben Sie viele, viele Erinnerungsstücke aus Ihrer Amtszeit. Was werden Sie davon mit nach Hause nehmen?

Auf jeden Fall die Sammlungen von Modellen der „Undine“. Das sind Modelle aus 100 Jahren maritimer Geschichte. Und ich nehme fünf Bücher voll mit Visitenkarten aus aller Welt nach Hause. Das sind wertvolle Kontakte – und Erinnerungen.

Was möchten Sie Ihrem Nachfolger – wer auch immer das werden wird – mitgeben?

Ich möchte dem neuen OB sagen, dass er mich jederzeit anrufen kann, wenn er an meiner Meinung oder einem Rat interessiert ist. Und ich erwarte nicht, dass meine Meinung eins zu eins geteilt wird. Vor allem aber: Mach Dich stark für Rostock!

Andreas Meyer

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