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Rostock Rostocks OB-Wahlkampf: Es weht ein rauer Wind im Netz
Mecklenburg Rostock Rostocks OB-Wahlkampf: Es weht ein rauer Wind im Netz
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17:36 09.02.2019
Werden in den sozialen Netzwerken zum Teil mit derben Kommentaren konfrontiert: Rostocks OB-Kandidaten Claus Ruhe Madsen (parteilos, v.l.), Uwe Flachsmeyer (Grüne), Jörg Zierau (parteilos), Sybille Bachmann (Rostocker Bund), Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) und Steffen Bockhahn (Linke). Quelle: Ove Arscholl, Arno Zill
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Rostock

Kaum hat Kommunalpolitikerin Sybille Bachmann (Rostocker Bund) ihre Kandidatur für die Oberbürgermeister-Wahl bekannt gegeben, folgen die ersten Reaktionen in den sogenannten sozialen Medien. „Gott bewahre uns“, schreibt ein Kommentator im Internet. „Gute Nacht, Rostock“, ein anderer. Und: „Ach, das ist ’ne Frau...“ Auf die Frage einer Leserin, welcher Partei Bachmann angehört, antwortet ein Mann: „Partei zum Club der Ungeküssten“.

Bachmann nennt es armselig, „was sich manche herausnehmen und was gesellschaftlich noch immer geduldet zu sein scheint“. Neu sei das für sie nach 20 Jahren in Rostocks Kommunalpolitik nicht: „Mit jedem Mann, mit dem ich öfter als einmal zusammengearbeitet habe, wurde mir ein Verhältnis angedichtet“, berichtet Bachmann. Ihre Fragen „Wie wollen wir leben?“ und „Was geschieht mit unserer Demokratie?“ seien daher aktueller denn je. Und es gelte nun erst recht: Es ist Zeit für eine Frau auf dem Chefsessel im Rathaus, so die Wissenschaftlerin.

Anfeindungen aus der rechten Ecke

Doch nicht nur die einzige Frau, die für die OB-Wahl kandidiert, sieht sich in den sozialen Netzwerken mit Anfeindungen konfrontiert. Auch Rostocks Sozialsenator Steffen Bockhahn (Linke) wird im Internet scharf angegangen. Beleidigungen wie „Dummschwätzer“, „machtgeiles A...“ oder Sätze wie „Der sollte mal lieber arbeiten gehen“ tauchen in den Kommentaren auf. „Es ist schon auffällig, dass da ganz viel aus der rechten Ecke kommt“, sagt Bockhahn.

Der frühere Bundestagsabgeordnete ist selbst seit Jahren sehr präsent in den sozialen Medien. Seine Erfahrung: „Das ist ein Spiegel der Gesellschaft. Die Diskussionen auf der Straße sind oft nicht besser.“ Es sei interessant, wie sich Leute in den sozialen Netzwerken teilweise gehen lassen würden, so Bockhahn. „Ich nehme das mit ganz viel Spaß. Wer mich als Idiot beleidigt, bekommt ein Herzchen oder ein Smiley mit Küsschen.“ Wenn es in Richtung Familie gehe, lösche er die Kommentare jedoch.

Ruf nach Respekt

Das Verhalten gegenüber Bachmann bezeichnet Bockhahn als völlig inakzeptabel. „Dass sich Männer in dieser Weise abfällig über Frauen äußern, ist ein echtes Problem. Wir sind noch ein ganzes Stück von einer gleichberechtigten Gesellschaft entfernt.“ Dass die 59-Jährige deshalb die bessere Oberbürgermeisterin ist, hält er jedoch für den falschen Schluss. Das sehen die anderen Kandidaten ähnlich. Hinter vorgehaltener Hand äußert mancher, dass Bachmann durch diese Geschichte nun im Wahlkampf eine Art Bonus bei Frauen erhalten könnte.

Positiv reagiert Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD): „Ich freue mich, dass nunmehr mit Frau Dr. Bachmann eine Frau unsere Kandidatenriege komplettiert.“ Er habe bislang mit ihr bei den unterschiedlichsten Projekten konstruktiv zusammengearbeitet. Insofern bedaure Müller-von Wrycz Rekowski, wenn Bachmann beleidigt werde. „Jede und jeder, der sich der Verantwortung für ein solches Amt stellen möchte, hat grundsätzlich Respekt verdient“, so der Senator. Er wünscht sich für den Wahlkampf, „dass die Auseinandersetzung in der Sache hart aber fair und im Ton weich geführt wird“.

Lob für direkte Kommunikation

Mit Hass-Kommentaren leben müssen auch die Grünen. „Das nehmen wir aber nicht ernst. Entweder wir ignorieren oder wir löschen solche Beiträge, wenn Grenzen überschritten werden“, sagt OB-Kandidat Uwe Flachsmeyer. Grundsätzlich seien Beleidigungen und Anfeindungen die Ausnahme. „Es ist in den sozialen Netzwerken durchaus möglich, inhaltlich zu diskutieren“, so Flachsmeyer. Das zeige sich bei Themen wie „Tempo 130“ oder „Theater-Neubau“.

Auch IHK-Präsident Claus Ruhe Madsen hat den Eindruck: „Der überwiegende Teil der Menschen im Internet ist vernünftig und ausgewogen.“ Die direkte Kommunikation sei etwas Positives. „Die Bürger haben so die Möglichkeit, unmittelbar Fragen zu stellen oder Kritik zu äußern.“ Ihm selbst gegenüber sei das Internet bisher sehr freundlich gewesen, sagt Madsen. Als in Ordnung wertet er humorvolle Kommentare, die auf seine Kosten gehen: „Wir dürfen nicht überkorrekt sein und sollten bei Fehlern über uns selbst lachen können."

Dennoch beobachtet Madsen im Internet auch einen Hang zu einseitigen Betrachtungen: „Es wird eine Eigenschaft genommen, die dann für den kompletten Menschen stehen soll.“ Er selbst sei zum Beispiel der Typ aus der Wirtschaft. Und alles, was er zum Thema Grünanlagen sage, werde daher sofort als unglaubwürdig abgekanzelt.

Superwahljahr 2019

Am 26. Mai 2019 wählen die Rostocker nicht nur ihren neuen Oberbürgermeister, sondern auch eine neue Bürgerschaft. Gleichzeitig geben sie ihre Stimme für das Europaparlament ab. Sollte bei der Wahl zum Oberbürgermeister eine Stichwahl erforderlich sein, ist als Termin dafür der 16. Juni 2019 vorgesehen. Zur Durchführung der Wahlen werden laut Stadtverwaltung rund 1900 Wahlhelfer benötigt.

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André Wornowski

Evelyn Röwekamp ist Buchhändlerin in der Thalia Universitätsbuchhandlung in Rostock. Sie entscheidet mit darüber, welche Bücher deutschlandweit an den Standorten der Gruppe verkauft werden. Ihre Leidenschaft für das Lesen entdeckte sie erst, als ihr der Weg zum Leistungssport verwehrt wurde.

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