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Rostock Rostocks Polizeichef: „Der Fall Rebecca beschäftigt mich bis heute“
Mecklenburg Rostock Rostocks Polizeichef: „Der Fall Rebecca beschäftigt mich bis heute“
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06:46 25.04.2019
Adieu, Rostocks Polizeichef: Michael Ebert wechselt ins Polizeipräsidium Neubrandenburg – als Vize-Präsident. Quelle: OVE ARSCHOLL
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Rostock

Ob es „nur“ ein Abschied auf Zeit ist, ob er wiederkommen wird – Michael Ebert schweigt und grinst. „Ich bleibe ja in Rostock wohnen. So ganz gehe ich also nicht.“ Das Kapitel als Leiter der Polizeiinspektion Rostock – als Polizeichef in der Hansestadt – ist seit Mittwoch aber erstmal beendet. Der 49-Jährige wechselt als Vize-Präsident ins Präsidium nach Neubrandenburg.

Jüngster Inspektionsleiter des Landes

Seit 2007 war Ebert als Polizist in Rostock im Einsatz, seit 2011 leitete er die größte Polizeiinspektion des Landes. „Damals war ich 41, der jüngste Inspektionsleiter in MV. Da waren meine Vorgesetzten mutig“, sagt er und lacht erneut. „Das ist eine Aufgabe, in die man reinwächst. Mit jeder Entscheidung, mit jedem kritischen Einsatz.“ Und kritische Einsätze gab es reichlich in seiner Dienstzeit.

2012 zum Beispiel. Zum 20. Jahrestag der ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Lichtenhagen reisten Autonome aus ganz Deutschland an. „Die stiegen schon mit Schutzhelmen aus den Zügen, waren auf Krawall aus“, erinnert sich Ebert.

Zwölf Hundertschaften der Polizei waren damals im Einsatz. Und er mitten drin. Denn das ist eine Eigenschaft, die selbst seine schärfsten Kritiker immer wieder positiv hervorheben: Als Polizeichef in Rostock hat sich Ebert nie versteckt. Er hat die Einsätze nicht aus dem fernen, sicheren Befehlsstand geführt – sondern war stets „an der Front“. Mit Einsatzhelm und Schutzweste, wenn es sein musste. So wie den ersten AfD-Demonstrationen 2018 in Evershagen. „Ich brauche das. Ich muss eine Gefühl für die Lage und die Emotionen bekommen. Das geht manchmal halt nur vor Ort.“

Heikle Themen, klare Kante

Der Polizeidirektor gilt als Mann klarer Worte. Das hat ihm nicht nur Freunde eingebracht: Aus der gewaltbereiten Fanszene des FC Hansa gab es eine Zeit lang ganz offene Drohungen gegen Ebert. „Ebert, Ebert – Aus der Traum. Bald liegst Du im Kofferraum“ war in der Stadt zu lesen. „Das macht auch etwas mit einem. Als Mensch“, sagt der Polizeichef. Aber seine Chefs und auch seine Familie hätten ihm immer den Rücken gestärkt. „Rostock hat sich verändert. Die Protestkultur hat sich verändert.“

Auch gegen die Stadt gab es klare Kante – zum Beispiel als Ebert mehr Sicherheit für Großveranstaltungen forderte oder sich offen mit Senatoren anlegte. „Unser Schlüsselerlebnis war die Taufe der neuen ,Aidastella’ in Warnemünde. 15 000 Besucher zwängten sich nach dem Fest durch den schmalen Bahnhofstunnel. Da hätte es Tote geben können.“ In den vergangenen Jahren legte er sich mehrfach mit Rostocks Jugendsenator an – weil mehr und mehr Jugendliche aus städtischen Betreuungseinrichtungen „abhauten“. „Mein Job ist und war es, für Sicherheit zu sorgen.“ Und ja: Das sei manchmal auch unbequem.

Rebecca bewegt ihn bis heute

Pyro-Attacken bei Hansa-Spielen, Steinwürfe bei Demos? Nein, ein anderer Fall seiner Amtszeit bewegt Ebert bis heute: Rebecca. Die damals 17-Jährige wurde 2013 von einem zur Tat 28 Jahre alten Mann entführt, tagelang gefangen gehalten und vergewaltigt. „Das war ein sehr emotionaler Fall“, sagt Ebert.

Die Geburt seines Sohnes stand damals an, er war in Berlin, als die ersten Nachrichten vom Verschwinden der 17-Jährigen eintrafen. „Ich bin sofort zurück nach Rostock.“ Das Opfer konnte sich damals selbst befreien und flüchten. „Unsere Suchen waren erfolglos – auch weil uns rechtliche Gründe eingeschränkt haben“, sagt der Polizeidirektor. „Wir hatten damals viel Glück.“

Und noch an einen zweiten Fall musste Ebert zuletzt immer wieder denken: „Aus der Forensik in Gehlsdorf war ein Gewalttäter abgeflohen. Ein wirklich gefährlicher Mann. Drei Wochen lang haben wir ihn gesucht – und dann auch gekriegt.“

Rostock ist sicher“

Eberts persönliches Fazit seiner Amtszeit: „Es ist uns gelungen, dass Thema Sicherheit wieder auf die Agenda zu setzen – in der Politik, in den Ämtern und auch bei den Menschen. Denn gerade die Menschen waren es, die das auch eingefordert haben von uns.“

Und: Die Polizei stehe in Rostock nicht mehr „am Spielfeldrand“, sondern sei „Mitspieler“ in der Gesellschaft. „Dadurch ist die Hansestadt jedenfalls nicht unsicherer geworden“.

Andreas Meyer