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Rostock Sanierungsstau: Hansestadt braucht 300 Millionen
Mecklenburg Rostock Sanierungsstau: Hansestadt braucht 300 Millionen
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05:55 06.03.2018
Hier wird bereits ab März gebaut: Die Stadt und die Straßenbahn AG müssen die Petribrücke in Schuss bringen. Sie ist nur eines von zwölf Bauwerken in Rostock, die dringend saniert werden müssen.
Hier wird bereits ab März gebaut: Die Stadt und die Straßenbahn AG müssen die Petribrücke in Schuss bringen. Sie ist nur eines von zwölf Bauwerken in Rostock, die dringend saniert werden müssen. Quelle: Ove Arscholl
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Rostock

Der knallharte Sparkurs der vergangenen Jahre könnte die Hansestadt im Nachhinein teuer zu stehen kommen: Rostock wird zwar spätestens ab 2019 komplett schuldenfrei sein und Millionen-Überschuss einfahren, doch einen Großteil des Geldes wird das Rathaus gleich wieder ausgeben müssen – für die marode Infrastruktur in der Stadt. Risse in Brücken, Schlaglöcher in den Straßen, abgesackte Gehwege: Rund 300 Millionen Euro wird Rostock in den kommenden Jahren in Straßen, Wege und Brücken investieren müssen. Das geht aus neuesten Zahlen des Amtes für Verkehrsanlagen hervor. Sorgenkind Nummer eins sind die Brücken der Stadt.

Fünf Bauwerke müssen dringend saniert werden

Allein der Straßennetz umfasst um die 750 Kilometer. Hinzukommen 190 Bauwerke – Lärmschutzwände, große Wegweiser und Brücken. Bei den jüngsten Untersuchungen seien an insgesamt zwölf dieser Bauwerke zum Teil erhebliche Mängel entdeckt worden. An fünf davon sind die Schäden derart massiv, dass die Stadt einen noch in diesem Jahr handeln muss. An der Warnowallee zum Beispiel wird bereits gebaut: rund 2,2 Millionen Euro müssen dort ausgegeben werden – weil die Brücke über die Bahn-Gleise den Ingenieuren Kopfzerbrechen bereitet. Die Abdichtungen seien nicht mehr in Ordnung, mit den Zugbändern und den Übergängen gäbe es ebenfalls Probleme. Auch an der Petribrücke geht es los: An Betonbauteilen wurden Risse entdeckt. Ab Mitte März steht für die Straßenbahn deshalb nur noch eine Spur zur Verfügung, etliche Verbindungen in den Nordosten der Stadt müssen umgeleitet werden. Zu den Kosten sagt die Stadt indes noch nichts.Immerhin 410 000 Euro kostet der Neubau einer Fußgängerbrücke über den Klostergraben. Das Amt für Verkehrsanlagen spricht von „massiven Schäden an Über- und Unterbauten“. Der Ersatzneubau läuft bereits. Im kommenden Jahr soll dann auch die Fußgängerbrücke Riekdahl ersetzt werden. An der hölzernen Tragswerkskonstruktion wurden Fäulnisschäden entdeckt, heißt es aus dem Senatsbereich von Verkehrssenator Holger Matthäus (Grüne). Das gleiche Problem haben die Fachleute mti der Lärmschutzwand Langenorter Hufe. Das Bauwerk fault zwischen dem Hechtgraben und dem Weizenweg, muss spätestens 2019 ausgetauscht werden.

Mehr Geld für die Infrastruktur

Finanzsenator Chris Müller-von Wrycz Rekowski (SPD) hatte jüngst angekündigt, dass die Stadt ihre künftigen Überschüsse von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr dritteln will – ein Drittel soll in neue Projekte fließen (in ein neues Theater etwa), ein Drittel will der Senator für schlechte Zeiten sparen und das letzte Drittel soll in die Infrastruktur fließen. Macht pro Jahr 30 Millionen Euro zusätzlich für Straßen und Wege. Das Budget für würde sich im Vergleich zu 2018 mehr als verdoppeln. Rostock bräuchte dann „nur“ ein Jahrzehnt, um den Sanierungsstau abzubauen. „Das wäre extrem schnell“, lobt Carsten Willms, Verkehrsexperte beim Automobilclub ADAC in Hamburg.

Andreas Meyer