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Rostock Saubere Kreuzfahrt: Landstrom in Warnemünde kommt schon 2020
Mecklenburg Rostock Saubere Kreuzfahrt: Landstrom in Warnemünde kommt schon 2020
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20:00 21.11.2019
So soll das neue Kreuzfahrtterminal in Warnemünde ab 2020 aussehen. Quelle: Rostock Port
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Rostock

Von dieser 35-Millionen-Euro-Investition sollen alle profitieren – die Kreuzfahrtpassagiere, die Reedereien und vor allem auch die Warnemünder. Und das bereits ab 2020. Die Landesregierung, der Hafenbetreiber Rostock Port und die Reederei Aida Cruises wollen bereits ab der kommenden Saison so viele Kreuzfahrtschiffe wie möglich mit Landstrom versorgen.

Abgase während der Liegezeiten sollen damit zur Vergangenheit gehören. „Wir wollen die Schiffe bei uns im Hafen zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen“, kündigte Rostocks Hafenkapitän Falk Zachau am Donnerstag an.

Neues Tor nach Deutschland

Am Kreuzfahrthafen in Warnemünde wachsen derzeit gleich zwei Großprojekte in den Himmel – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Zur Saison 2020 soll auch ein Bauwerk fertig sein, von dem bisher nur der stählerne Rohbau steht – das zweite Terminal für die Passagiere der Schiffe. Mehr als 15 Millionen Euro kostet allein das neue Ankunft- und Abfahrtsgebäude. Bei mehreren Anläufen an selben Tagen musste Rostock bisher einen Großteil der Gäste in Zelten abfertigen. Das aber ist weder zeitgemäß, noch macht es was her – sagt jedenfalls Wirtschaftsstaatssekretär Stefan Rudolph (CDU).

„Der Hafen Warnemünde ist nicht nur das Tor zu Rostock und zu MV – sondern das Tor zu ganz Deutschland. Jedenfalls für alle internationalen Gäste“, so Rudolph. Und allein 2019 gingen 98 000 US-Amerikaner, 12 000 Australier, 44 000 Briten, 23 000 Spanier und 141 000 weitere Seereisende aus 149 Ländern in Warnemünde an Land. „Dass wir ein neues Terminal bauen, ist kein Selbstzweck. Wir bauen die Visitenkarte des Landes. Können die Gäste in Würde an Land gehen – oder verlieren wir schon bei der Ankunft an Attraktivität.“

In Warnemünde entsteht am Liegeplatz 8 ein neues Abfertigungsgebäude: „Terminal 8“. Quelle: OVE ARSCHOLL

Seit 2007 hat das Land mehr als 90 Millionen Euro in Infrastruktur-Projekte des Rostocker Hafens investiert – „weil Rostock der wirtschaftliche Motor des Landes ist; und der Hafen ist die tragende Säule“, sagt Rudolph. Wenn die Hansestadt auch weiterhin zu den ganz großen Kreuzfahrthäfen Europas zählen will, müsse nicht nur in Quantität, sondern auch Qualität investiert werden: „Mit dem Terminal schaffen wir auch für die Crews an Land und für die Sicherheitsbehörden wie Zoll und Bundespolizei ideale Arbeitsbedingungen.“

Landstrom für alle Schiffe

Fast noch wichtiger – jedenfalls für die Menschen in Warnemünde und in Rostock – ist aber das zweite große Bauvorhaben, das sogar mehr als 20 Millionen Euro kostet: „In Europa gibt es bisher zwei funktionierende Landstromanlagen – in Hamburg und Kristiansand. In Warnemünde entsteht nun die dritte“, sagt Aida-Präsident Felix Eichhorn. Die Rostocker Reederei hat sich das Ziel gesetzt, spätestens 2050 klimaneutrale und abgasfreie Kreuzfahrten anbieten zu können. Landstrom ist ein Baustein: „Ich bin in Warnemünde aufgewachsen. Für mich war es auch ganz persönlich wichtig, dass wir mit diesem Vorhaben vorankommen.“

Nachdem lange offen war, wann Warnemünde Strom für Schiffe anbieten kann, geht es nun ganz schnell: Aida will schon 2020 die ersten Schiffe an die „Leitung legen“. „Wir laufen Warnemünde 2020 mit drei Schiffen an. Alle drei können mit Landstrom versorgt werden“, so Eichhorn. Bereits im Mai kommt „Aidadiva“ zurück in den „Heimathafen“: „Als wir das Schiff 2004 in Auftrag gegeben haben, haben wir bereits einen Raum für eine Landstromanlage eingeplant. Jetzt wird die Technik eingebaut.“ Dass dies 15 Jahre gedauert habe, sei schade – aber auch den technischen Entwicklungen geschuldet.

Fördermittel-Übergabe vor dem entstehenden Terminal-Gebäude: Alexander Prechtel (v. l.), Felix Eichhorn, Stefan Rudolph, Falk Zachau und Jens Scharner. Quelle: OVE ARSCHOLL

„Auch Amerikaner können den Strom nutzen“

Hafenkapitän Zachau spricht von einer der leistungsstärksten Landstromanlagen weltweit, die in Warnemünde entsteht. „Wir können mehrere Schiffe zeitgleich versorgen. Selbst die ganz großen.“ Der Clou: Die Energie soll zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen bezogen werden. Sonnen- und Windstrom für die schwimmenden Urlaubsriesen. „Und wir bauen zwei Frequenz-Umrichter.“ Das klingt sehr technisch, hat aber einen einfachen Hintergrund: Europäische und amerikanische Schiffe arbeiten an Bord mit unterschiedlichen Stromnetzen – mit unterschiedlichen Frequenzen. „Wir wollen, dass so viele Schiffe wie möglich den Landstrom nutzen können. Nicht nur die von Aida, sondern auch von Reedereien aus aller Welt“, sagt Zachau.

So soll das neue Kreuzfahrt-Terminal in Warnemünde ab 2020 aussehen.  Quelle: Rostock Port

Das Ziel: Abgase und auch Lärm für die Anwohner minimieren. „Der Landstrom ist gut für die Rostocker“, so Zachau. „Wenn wir wollen, dass dieser wichtige Wirtschaftszweig für unser Land auch bei den Bürgern akzeptiert wird, müssen wir auf Nachhaltigkeit setzen“, sagt auch Hafen-Geschäftsführer Jens Scharner. Vor allem der Ortsbeirat Warnemünde um Noch-Chef Alexander Prechtel (CDU) habe diesbezüglich mächtig Druck gemacht: „Sie haben uns getrieben.“ Aber das sei gut so gewesen.

Werftbecken in der Warteschleife

Keine Neuigkeiten gibt es indes in Sachen Werftbecken. Nach dem ein Kauf weiterer Flächen von den MV Werften gescheitert ist, steht das Projekt vor dem Aus. Denn ohne zusätzliches Land kann Rostock im Werftbecken keine Liegeplätze für die ganz großen, ganz neuen Kreuzfahrtschiffe anbieten. „Wir brauchen 400-Meter-Liegeplätze“, sagt Hafenkapitän Zachau. Rostock Port und auch Aida als wichtigster Nutzer des Kreuzfahrthafens warten auf ein Signal der Hansestadt.

Nach OZ-Informationen hat Rostock Port bereits fertige Pläne für einen neuen, alternativen Kreuzfahrtkai samt Terminal im Seehafen in der Schublade. Doch solange die Stadt sich nicht definitiv zum Werftbecken äußert, hält der Hafen still. Auch Aida wartet auf das Rathaus: „Wir haben immer gesagt, für uns wäre der Seehafen eine Option. Wir müssen jetzt gemeinsam entscheiden, wie wir zusammen wachsen wollen“, so Aida-Chef Eichhorn.

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Von Andreas Meyer

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