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Rostock Schienenersatzverkehr in Warnemünde: Kommt das Chaos noch?
Mecklenburg Rostock Schienenersatzverkehr in Warnemünde: Kommt das Chaos noch?
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17:18 30.09.2019
Schienenersatzverkehr zwischen Warnemünde Werft und Warnemüde Bahnhof, im Bild Warnemünde Werft. Quelle: Dietmar Lilienthal
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Rostock-Warnemünde

Sturm „Mortimer“ kündigt sich an, es regnet in Strömen. An der S-Bahnhaltestelle Warnemünde Werft, es ist acht Uhr morgens, drängen sich die Fahrgäste in den Wartehäuschen. Lange müssen sie glücklicherweise nicht warten. Der Bus biegt schon um die Ecke.

Seit Montagmorgen um vier Uhr ist der Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen Warnemünde Werft und Warnemünde Bahnhof im Einsatz. Übers Wochenende war sogar die gesamte Strecke ab dem Rostocker Hauptbahnhof gesperrt. Nur auf dem letzten Streckenabschnitt zwischen Werft und Bahnhof müssen sich die Passagiere nun noch auf Behinderungen einstellen.

Ausstieg verpasst

Hastig steigen sie ein. Eine junge Mutter schiebt den Kinderwagen mit ihren zwei Kleinkindern durch die hintere Tür. Ein Fahrrad ist bereits im Stauraum abgestellt. Es wird eng. „Es wird schon gehen. Is’ ja nur eine Station“, sagt die junge Mutter.

Der Bus fährt los: Keine fünf Minuten später erreicht er den Bahnhofsvorplatz. Die Mutter mit Kinderwagen steigt aus. Das Fahrrad bleibt. Es gehört Dieter Pawlowski (79). Er hat an der Werft den Ausstieg verpasst. „Ich dachte, der Bus fährt bis zum Rostocker Hauptbahnhof“, meint er überrascht.

Schlechte Erfahrungen 2018

„Ab der Werft hätte ich auch zu Fuß gehen können“, meint Nadine Frommberger (36) aus Rostock. Bei dem strömenden Regen entscheidet sie sich jedoch für den Bus. Von Montag bis Freitag arbeitet sie in Warnemünde. Sie wusste vom SEV, deswegen hatte sie sich eine halbe Stunde eher auf den Weg gemacht.

„Aber es läuft“, sie klingt erleichtert. Schlechte Erinnerungen hat sie an den SEV im letzten Jahr. Damals war der Umstieg in den Bus in Marienehe. „Das war nicht schön. Es war nicht ausgeschildert und viele Fahrräder und Kinderwagen waren unterwegs, die im Bus keinen Platz hatten.“

Am Wochenende kann es voll werden

Franka (24, links) und Charlotte (22) Spaller fahren mit der S-Bahn zur Arbeit nach Warnemünde. Quelle: Isabelle Schwiermann

Franka Spaller (24) aus Lichtenhagen ist genervt: „Ich bin nicht begeistert von Schienenersatzverkehr.“ Auch sie hat das Chaos im vergangenen Jahr miterlebt. Sie und ihre Schwester Charlotte (22) arbeiten als Kellnerinnen auf den Hafenfähren von Käpt’n Brass in Warnemünde.

Ein Arbeitskollege hatte ihnen per Nachricht auf dem Handy vom SEV erzählt. „Heute geht es ja.“ Franka Spaller ist nachsichtig. „Aber wenn die Touristen kommen, oder am Wochenende, dann wird es voll.“ Die Hochsaison ist zwar für die Kreuzfahrtschiffe vorbei, doch auch im Winter werden die Schwestern auf den SEV zu ihrer Arbeit angewiesen sein.

Inge Beyer (66) arbeitet im Presse-Shop am Bahnhof Warnemünde. Bisher hat bei ihr alles gut geklappt mit dem Schienenersatzverkehr. Quelle: Isabelle Schwiermann

So wie Inge Beyer (66), die am Bahnhof Warnemünde Zeitschriften verkauft. Sie war Samstag und Sonntag bei der Arbeit, als nur Busse von Rostock aus in das Ostseebad fuhren. „Das hat alles gut geklappt“, sagt sie. „Leider haben sie uns die Parkplätze gesperrt“, klagt ihre Kollegin Sieglinde Müller (58). Dort ist nun der Wendekreis für den Bus. „Aber für den Ersatzverkehr ist die Haltestelle, mit Ein- und Ausstieg bei der Reisebank, ideal“, stimmen beide überein.

Zwei Kinderwagen und der Bus ist voll

Bei heftigem Regen und starkem Wind ist der Wartebereich unter der Gleisüberdachung allerdings ungemütlich. Familie Steingräber aus Rathenow sucht hier Schutz vor dem Unwetter. Vater, Mutter und Tochter (30) hatten ihren Urlaub in Warnemünde verbracht. Nach sieben Tagen geht es nun auf die Heimreise. Sie sind entspannt: Vom Schienenersatzverkehr hätten sie bereits gehört, als sie vor zwei Wochen ihre Fahrkarten gekauft hätten.

Bauarbeiten bis zum 18. Mai 2020

Die Infrastruktur des Bahnhofs Warnemünde wird bis zum 18. Mai 2020 modernisiert. Unter anderem wird die Personenunterführung zurückgebaut und durch einen neuen, barrierefreien Übergang im nördlichen Bereich des Bahnhofs ersetzt.

Zusätzlich werden zwei neue Fernverkehrsbahnsteige (Bahnsteig 4 und 5) mit einer Länge von jeweils 370 Metern errichtet. Für den sogenannten Kreuzfahrt-Bahnsteig (Bahnsteig 5) sind drei direkte Zugänge vom Kai aus vorgesehen. Weiterhin werden die Gleis- und Oberleitungsanlagen angepasst sowie auf neue Stellwerkstechnik umgerüstet.

Zwischen neun und zehn Uhr ist der Bus fast ausgelastet. Es ist ein „normaler“ Stadtbus, kein Gelenkbus. Die Rollkoffer der Reisenden werden in den Fußräumen und zwischen den Sitzreihen deponiert. Der Stauraum in der Fahrzeugmitte ist erneut ausgereizt: Zwei Kinderwagen stehen jetzt auf der freien Fläche.

Franka und Charlotte Spaller haben mittlerweile die Nachricht bekommen, dass ihr Dienst in Warnemünde heute wegen des Sturms ausfällt. Mit dem SEV geht es nun wieder nach Hause.

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