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Rostock Schlauch statt Schleuse?
Mecklenburg Rostock Schlauch statt Schleuse?
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00:05 07.03.2017
Gesperrt und mit Zäunen abgeriegelt: Durch die Mühlendamm-Schleuse ist schon lange kein Schiff mehr gefahren. Das Schifffahrtsamt schlägt nun vor, den Fluss in dem Bereich komplett zu öffnen. Quelle: Foto: Ove Arscholl
Brinckmansdorf

Seit Monaten herrscht am Mühlendamm totaler Stillstand – jedenfalls in Sachen Schleuse. Das historische Bauwerk ist gesperrt, eine mögliche Rettung nach wie vor nicht in Sicht. Doch nun scheint wieder Bewegung in die Sache zu kommen: Denn ausgerechnet das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) überrascht jetzt alle Beteiligten mit einer neuen Idee für die Warnow. Die Behörde in Stralsund schlägt vor, die Warnow nicht länger aufzustauen. Der Fluss soll wieder komplett frei fließen können, die Schleuse ihre Funktion verlieren. Um die Oberwarnow – den Bereich zwischen Mühlendamm und Papendorf – dennoch vor Hochwasser schützen zu können, soll ein Schlauchwehr eingebaut werden.

Neue Idee für Mühlendamm: Schifffahrtsamt schlägt ein Schlauchwehr an der Warnow vor / Stadt plant Übernahme und gibt neue Gutachten in Auftrag

„Wir wollen

die Warnow bis Schwaan und Bützow schiffbar machen.“Holger Matthäus

Umweltsenator

(Grüne)

WSA will Schleuse los werden

Für das Schifffahrtsamt ist die Schleuse eine Last: Denn das Bauwerk muss saniert werden, das aber würde rund 2,5 Millionen Euro kosten. Zu viel für das WSA: „Auf dem Fluss findet praktisch keine Schifffahrt mehr statt. Eine Sanierung ist deshalb für uns gar nicht darstellbar“, so Behörden- Sprecher Dirk Berger. Das Amt hatte deshalb vorgeschlagen, für die wenigen Freizeitkapitäne, die auf der Warnow unterwegs sind, eine Bootsschlepp-Anlage zu bauen. „Doch mit diesem Vorschlag war die Hansestadt Rostock unglücklich“, sagt Berger. Das WSA habe zudem versucht, neue Betreiber für die Schleuse zu finden – doch die Stadt schreckt vor den Sanierungskosten zurück, den Ehrenamtlern des Vereins zur Rettung der Schleuse fehlen ebenfalls die Mittel.

Schlauchwehr statt Schleuse

Nun kommt also aus Stralsund noch eine Idee – die für ein Schlauchwehr. „Wir würden den Fluss dann nicht mehr aufstauen. Der Pegel würde im Bereich der Oberwarnow um rund 30 Zentimeter sinken“, erklärt Berger. Dafür hätten aber alle Schiffe freie Fahrt zwischen Schwaan und der See. Eine Schleppanlage wäre dann gar nicht mehr nötig, die Schleuse aber auch nicht. Das alte Bauwerk könnte als Denkmal stehen bleiben. Am Boden der neuen Durchfahrt würde dann ein sogenanntes Schlauchwehr installiert – eine Art Gummipolster, das am Flussgrund liegt und nur bei Bedarf aufgepumpt wird. „Wir brauchen ein Wehr für den Fall eines Hochwassers“, sagt Berger. Das Wehr würde dann verhindern, dass salziges Ostseewasser in das Süßwasser der Oberwarnow eindringt. „Das muss sein. Denn aus dem Fluss wird nach wie vor Rostocks Trinkwasser entnommen.“ Und das darf nunmal nicht versalzen sein.

Aus Sicht des WSA sprechen vor allem finanzielle Aspekte für ein Schlauchwehr: „Ein solches Vorhaben ist in den Betriebskosten vergleichsweise günstig“, so Berger. Aber: Noch sei das nur eine Idee.

„Wir wären auch nicht diejenigen, die das umsetzen würden. Wir schlagen es nur vor.“ Und: Bevor ein solches Projekt umgesetzt würde, müssten nach Sicht der Schifffahrtsbehörde die Folgen für

die Ökologie am Fluss untersucht werden. Bundesweit gäbe es, so Berger, bereits 70 Schlauchwehre.

Verein lehnt Idee bereits ab

Gegenwind für den Vorschlag aus Stralsund kommt bereits vom Verein Mühlendamm-Schleuse. „Damit werden nur neue Probleme geschaffen“, sagt Vereinschef Detlef Krause zur Schlauchwehr-Idee. Das gravierendste aus seiner Sicht: „Der Eigentümer würde dann das Denkmal erst recht nicht erhalten – sondern verfallen lassen.“ Genau das wolle der Verein ja verhindern. Und: Krause fürchtet, dass der Pegel der Oberwarnow in warmen Sommern sogar um bis zu einem halben Meter sinken könnte. „Das hätte für die Ufer und die Anrainer katastrophale Folgen.“ Bei starken Regenfällen hingegen würden große Mengen Schlamm aus dem Fluss ins Meer gespült. Nach Schätzungen Krauses würde ein Schlauchwehr rund eine Million Euro kosten. „Das Geld sollte lieber in den Erhalt der Schleuse fließen. Sie muss ihre Funktion behalten, sonst ist der Erhalt witzlos.“

Stadt gibt Gutachten in Auftrag

Im Rostocker Rathaus reagieren die Verantwortlichen überrascht auf den WSA-Vorschlag. „Wir kennen das bisher nicht“, so Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). „Uns ist es wichtig, dass die Warnow wieder schiffbar gemacht wird – vom Stadthafen bis nach Schwaan.“ Eine sanierte, voll automatisierte Schleuse würde Rostock sofort übernehmen, sagt Matthäus. Doch da es die nicht gibt, will die Stadt noch im März ein Gutachten für Alternativen in Auftrag geben: „Experten untersuchen für uns, wie Rostock die Schleuse dauerhaft erhalten und ein Erlebniszentrum am Fluss schaffen kann.“

Andreas Meyer

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