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Rostock Schließung: Warum das Rostocker Elbotel der Verlierer des Werften-Booms ist
Mecklenburg Rostock Schließung: Warum das Rostocker Elbotel der Verlierer des Werften-Booms ist
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19:17 09.09.2019
Das Elbotel in Rostock: 35 Mitarbeiter verlieren dort ihren Job - weil das Hotel einer Unterkunft für Werftarbeiter weichen soll. Quelle: Andreas Meyer
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Rostock

Das Elbotel am Fritz-Triddelfitz-Weg gehört sicher nicht zu den bekanntesten Hotels in der Hansestadt – aber zu den erfolgreichsten: „Derzeit sind wir zu 90 Prozent ausgelastet, unser Durchschnitt liegt bei 80 Prozent. Klar über dem Branchendurchschnitt“, sagt Ricarda Ladwig, die Betriebsratschefin des Elbotels. Und dennoch: Obwohl die Zahlen stimmen, verlieren zum Monatsende 35 Mitarbeiter ihren Job, wird das Elbotel geschlossen. Der Grund: Die Werften in der Hansestadt brauchen dringend Betten für „Gastarbeiter“.

Hotel wieder verkauft

Für die Mitarbeiter sind die Kündigungen der negative Höhepunkt eines turbulenten Jahres: Bereits im Oktober 2018 hatte die Bremer Hegemann-Gruppe, der einst auch die Werften in Stralsund und Wolgast gehörten, angekündigt, das Elbotel verkaufen zu wollen. Als dann im Februar die Hamburger Centro Hotel-Group das Haus übernahm, war für die Belegschaft zunächst auch noch alles gut: „Das war ein ordentlicher Betriebsübergang“, sagt Vize-Betriebsratschef Reno Schulz. Damals ahnte aber niemand, dass Centro nach nur einem guten halben Jahr das Elbotel weiterverkaufen würde.

„Wir kennen nur Gerüchte“, sagt Arbeitnehmervertreterin Ladwig. In einem Brief des bisherigen Betreibers heißt es, Centro verkaufe das Haus „auf Wunsch der Neptun- beziehungsweise der Meyer-Werft“. Und weiter: „Werftseitig ist geplant, ganz erheblich in den Standort Rostock zu investieren, um kurzfristig 1500 und langfristig bis zu 2500 Arbeitsplätze zu schaffen.“ Und für diese vielen neuen Mitarbeiter – oft Monteure und Fachleute von externen Dienstleistern – brauche die Werft Unterkünfte. „Aber Konkretes wissen wir auch nicht“, so Ladwig.

Auslastung ist kein Thema

Wirtschaftliche Gründe können es aus Sicht des Betriebsrates nicht sein, die zur Schließung des Elbotels und zur Entlassung der Mitarbeiter geführt haben: „Von unserer Auslastung können andere Häuser in der Stadt nur träumen“, sagt Ladwig. Auch kurz vor der Schließung sei das Elbotel noch voll. Die Tische im großen Essensraum sind allesamt eingedeckt, auf ihnen heißen weiße Kärtchen die Reisegruppen aus ganz Deutschland willkommen. „Wir haben sehr viele Gruppenreisen und Bustouren bei uns“, so Vize-Betriebsratschef Schulz. Aber Monteure und Gäste der benachbarten Ausbildungszentren des Handwerks und der Schifffahrt kommen ins Elbotel – und sogar Stars. „Viele Künstler, die im ,Moya’ oder im ,Mau-Club’ auftreten, bleiben über Nacht bei uns. Seit Jahren gastiert bei uns auch das ,Holdiday on Ice’-Ensemble.“

Hotel mit Geschichte

Das Elbotelbesteht seit 1991 und ist aus dem Wohnungsbaukombinat Rostock hervorgegangen, das sich zu dieser Zeit bereits in Elbo-Bau AG umbenannt hatte. Das Wohnungsbaukombinat, dessen Betriebe praktisch sämtliche neuen Rostocker Stadtteile aufbaute, nutze das Gebäude im Fritz-Triddelfitz-Weg als Lehr- und Ausbildungsstätte mit Internat und hatte dort Lehrlinge und Beschäftigte untergebracht.

Ladwig und Schulz sorgen sich vor allem um „ihre“ Kollegen: „Wir haben viele Mitarbeiter, die schon lange im Haus sind – und auf die 60 zugehen. Für die wird es jetzt sehr am Arbeitsmarkt, noch etwas Neues zu finden.“ Deshalb rühren die beiden die Werbetrommel: „Im Elbotel hat jeder immer das Beste für den Gast gegeben, wir haben als Team funktioniert. Das sind noch Mitarbeiter der alten, guten Schule.“

Düsseldorfer sind der Käufer

In dem Schreiben der alten Eigentümer heißt es sinngemäß, auch die Hansestadt habe Druck gemacht – damit das Hotel verkauft wird. Stadtsprecher Ulrich Kunze kann dazu nichts sagen. Peter Hackmann, Sprecher der Werftgruppe Meyer, dementiert, dass das Papenburger Unternehmen (Mutterkonzern der Neptun-Werft in Rostock) das Elbotel gekauft habe und in die Hotellerie einsteige. Er verweist an eine Firma aus DüsseldorfPhereclus International. Das Unternehmen ist auf Korrosionsschutz spezialisiert, arbeitet unter anderem für Meyer in Papenburg, Neptun in Warnemünde und auch Tamsen Maritim in Gehlsdorf.

Nazmi Mante-Hassan, der Leiter der Geschäftsentwicklung bei Phereclus, bestätigt gegenüber der OZ, dass sein Unternehmen das Elbotel gekauft habe. Wie auch schon zwei weitere Gebäude, die zu dem Ensemble am Triddelfitz-Weg gehören. Und ja: Hier sollen Werftarbeiter untergebracht werden. Wie viele Leute nach dem Umbau dort wohnen können, ob auch andere Firmen die neuen Unterkünfte nutzen können – das sei alles noch offen. „Fest steht aber, wir brauchen die Betten in Rostock. Denn wenn wir unsere Leute nicht unterbringen können, können wir unsere Leistung auch nicht erbringen.“

Werften wachsen weiter

Und die wird in Zukunft mehr denn je in der Hansestadt gefragt sein: Die Neptun-Werft ist auf Wachstumskurs, auf Jahre hinaus ausgebucht. Sie baut Flusskreuzfahrtschiffe und liefert riesige Maschinenraum-Sektionen für die ganz großen Kreuzfahrtschiffe aus Turku und Papenburg – zum Beispiel die „Aidanova“.

Mehr als 600 Mitarbeiter beschäftigt Neptun aktuell. Im Laufe des Jahres soll die Zahl auf 700 steigen. Die Werft hat erst im vergangenen Jahr eine neue riesige Produktionshalle in Warnemünde gebaut, plant nun ein neues Büro- und Mitarbeitergebäude. Auch über eine weitere Werfthalle wird bereits laut nachgedacht. Erst im Juli hatte Werft-Geschäftsführer Manfred Ossevorth gesagt, dass insgesamt 1300 Menschen bei Neptun arbeiten – inklusiver aller Zulieferer und Partner. Die 35 Mitarbeiter des Elbotels jedoch sind die Verlierer des Werften-Booms.

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Von Andreas Meyer

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