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Rostock Schüler im Dialog mit OB-Anwärtern
Mecklenburg Rostock Schüler im Dialog mit OB-Anwärtern
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19:47 26.04.2019
Claus Ruhe Madsen (v. r.), Dirk Zierau, Steffen Bockhahn, Chris Müller-von Wrycz Rekowski, Uwe Flachsmeyer und Tom Reimer stellten sich am Freitag den Fragen von Svea Popinga und Konrad Wandsleb am Christophorusgymnasium. Quelle: Ove Arscholl
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„Welche Maßnahmen werden Sie ergreifen, um Rostock zur Netto-Null zu führen?“ Diese und weitere Fragen richteten Schüler des CJD Christopherusgymnasiums an die anwesenden OB-Kandidaten. Ermöglicht hat dies die Schülervertretung der Schule. Die Bürgermeisterkandidatendebatte war eine Premiere.

„Die Debatte ist eine schöne Möglichkeit, junge Leute zum Wählen zu bringen. Weil nicht genügend Platz war, haben wir alles auf Video aufgezeichnet.“ Louis Kienitz (18), Mitorganisator Quelle: Ove Arscholl

Seit Dezember hatten sich die Schüler auf das Gespräch vorbereitet, damit sie die Themen ansprechen konnten, die sie selbst betrifft: Radverkehr, Kultur und Sport, Stadtentwicklung, Umwelt und der ÖPNV. Zum Dialog fanden sich schließlich Tom Reimer (42, parteilos), Uwe Flachsmeyer (51, Grüne), Chris Müller-von Wrycz Rekowski (50, SPD), Steffen Bockhahn (40, Linke), Dirk Zierau (47, UFR) und Claus Ruhe Madsen (46, parteilos) ein.

„Die Kandidaten sind gekommen, damit wir sie unter die Lupe nehmen können“, sagte Svea Popinga, die die Veranstaltung gemeinsam mit Konrad Wandsleb moderierte. Nach einer Vorstellungsrunde ging es direkt ans Eingemachte.

„Um die Netto-Null zu erreichen, brauchen wir eine Verkehrswende“, sagt Uwe Flachsmeyer. Das Auto dürfe dabei nicht mehr im Vordergrund stehen. „Wir müssen rückwärts denken: Vorgärten, Geh- und Radwege, und was dann noch übrig ist, bleibt für die Autos.“ Steffen Bockhahn sieht noch ganz viel Potenzial auf den Hausdächern und Claus Ruhe Madsen will in zwölf Jahren alle Dieselbusse abgeschafft haben. „Wir brauchen mehr Grünflächen in der Stadt“, sagt Tom Reimer. „Wenn man dem Menschen die Natur nimmt, dann vergisst er, dass er Teil davon ist.

Radverkehr, Sport und Freizeit

„Ich finde es cool, dass man die Möglichkeit bekommt, die Kandidaten persönlich zu sprechen. Und es hat mich gefreut, dass unsere Themen auch denen wichtig sind.“ Clara Poppe (17), Klasse 11 Quelle: Ove Arscholl

„Radfahren ist ein Trend und bedeutet daher eine Aufgabe für die Stadt“, sagt Chris Müller-von-Wrycz Rekowski. Daher müsse kräftig in die Radinfrastruktur investiert werden. Aber: „Ich will dem Leuten nicht vorschreiben, dass das Rad besser ist als die Bahn. Sie sollen selbst entscheiden.“ Uwe Flachsmeyer hält dagegen: „Das Rad ist einfach ökologischer. Wir müssen da deutliche Schritte nach vorne gehen.“ Tom Reimer denkt an ein Zone-30-Netz, um die Sicherheit für Radler zu erhöhen. „Und wir müssen die Pendler besser an den ÖPNV anbinden.“ Claus Ruhe Madsen möchte am liebsten alle Mitarbeiter im Rathaus mit Fahrrädern ausstatten. Steffen Bockhahn will mit Unternehmen sprechen, damit die den Mitarbeitern Duschen zur Verfügung stellen, wenn sie nach einer Radtour verschwitzt bei der Arbeit angekommen sind.

Mehr als ein Viertel der Rostocker ist im Vereinssport organisiert. „Das ist schön, macht uns aber auch fertig“, sagt Steffen Bockhahn. Die derzeitige Ausstattung sei gut. Und dennoch: Alleine in diesem Jahr sollen 26 Millionen Euro in die Sportstätten investiert werden. Dringend nötig, wie Claus Ruhe Madsen findet: „Meine Handball-Mädels müssen sich in kleinen Kammern ohne Fenster umziehen“, sagt er. „Und da riecht man auch noch die Erfolge der letzten Jahrzehnte.“

Stadtentwicklung und ÖPNV

„Ich war noch flexibel, aber die Debatte hat meine Entscheidung bestätigt. Besonders toll fand ich, wie höflich die Kandidaten in die Diskussion gegangen sind.“ Jakob Liebich (16), Schüler Quelle: Ove Arscholl

Ein weiteres Thema, das die jungen Leute beschäftigt ist die Segregation, also die soziale Entmischung der Gesellschaft. Um alle zusammenzubringen, möchte Claus Ruhe Madsen etwa E-Sports-Wettbewerbe organisieren und jeden Stadtteil mit einem Fab-Lab ausstatten. „Das kostet keinen Düsenjäger“, sagte er. „Wir brauchen eine gesunde Durchmischung“, findet auch Uwe Flachsmeyer. „Daher benötigen wir bezahlbaren Wohnraum in allen Stadtteilen – und nicht nur in den Großbausiedlungen.“

Die Schüler wünschen sich einen deutlich attraktiveren ÖPNV. „Im Vergleich zu anderen Städten sind wir bereits günstig“, sagt Dirk Zierau. Anpacken will er stattdessen das Bikesharing – und das Pendlerproblem: „Die verstopfen die Brücken“, sagt er. Uwe Flachsmeyer schaut nach Österreich: „Dort haben sie ein Jahresticket, das 365 Euro kostet“, sagt er. Die Einnahmeverluste können man mit der hohen Zahl der verkauften Tickets ausgleichen. Steffen Bockhahn sieht das kritisch. „Attraktivität schafft man nicht nur über den Preis“, sagt er. Es müssen auch genügend Busse vorhanden sein, die regelmäßig fahren.

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